Fleischeslust
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Ist der Fußballplatz auch eine politische Bühne? Darüber sprach Marion Blitz für die grüne Mitgliederzeitschrift schrägstrich mit der Bundesvorsitzenden von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Claudia Roth, die seit mehreren Jahren im Deutschen Fußball-Bund (DFB) engagiert ist.

schrägstrich: Claudia, wir wollen über das Verhältnis von Fußball und Politik sprechen. Denn dass es bei diesem Massenphänomen um mehr als Sport geht, hat die Diskussion um die Europameisterschaft in der Ukraine gerade wieder gezeigt: Während einige einen Boykott gefordert haben, bemängeln andere, das sei eine falsche Politisierung von Sport.
Claudia Roth: Zu behaupten, Sport sei ein politikfreier Raum, ist nicht mehr zeitgemäß. Großereignisse haben immer auch etwas mit Politik zu tun. Es gibt jedoch kein Patentrezept. Es war richtig, das Südafrika der Apartheid zu boykottieren. Und genauso richtig war es, die WM 2010 dort zu veranstalten, weil das den Fokus auf eine vergessene Region gelenkt hat. Aber ich hätte es falsch gefunden, die Fußball-EM in der Ukraine abzusagen. Damit hätte man die Menschen in der Ukraine bestraft, die sich davon viel erwarten – und man hätte auch Polen bestraft. Trotzdem ist es gut, wenn europäische Politikerinnen und Politiker das Turnier boykottieren und sich nicht mit einem Diktator auf die Ehrentribüne setzen. Ich wäre gerne zu einem Spiel in die Ukraine gefahren, aber ich will als Repräsentantin deutscher Politik nicht die Kulisse für ein Regime abgeben, das die Menschenrechte mit Füßen tritt.
Forderst Du auch von den Sportlerinnen und Sportlern selbst, Zeichen zu setzen?
Ich finde es gut, wenn sie Stellung beziehen. Ein unschönes Beispiel hat in letzter Zeit die Formel 1 beim Rennen in Bahrain abgegeben, wo sich unter anderem Schumacher und Vettel nicht zur politischen Situation geäußert haben. Das hätte denen keine Millionen vom Konto genommen. Sportlerinnen und Sportler haben für viele Menschen eine hohe Bindewirkung und wenn sich Jogi Löw als Fußballnationaltrainer oder Philip Lahm als Kapitän der Nationalmannschaft zur Menschenrechtsituation in der Ukraine äußern, dann hat das eine große Bedeutung.
Erfolge oder Misserfolge von Fußballnationalmannschaften werden gerne politisch-gesellschaftlich gedeutet. Man denke nur an den ersten WM-Titelgewinn Deutschlands 1954 oder an das „Sommermärchen“ 2006. Aber kann Fußball Entwicklungen auch anstoßen?
Ja, absolut. Ich will das nicht überhöhen, Fußball kann keine Gesellschaftspolitik ersetzen. Aber wenn man bedenkt, dass der DFB mit 26.000 Vereinen und fast sieben Millionen Mitgliedern der größte Sportverband weltweit ist, dann sind das Dimensionen, die beispielsweise wir als Grüne Partei niemals erreichen können. Und wenn wir dann eine Nationalmannschaft haben, in der ein Mesut Özil, Sami Khedira und Lukas Podolski spielen, in der Weiße und Schwarze, Moslems und Christen ein Team bilden, dann ist die Nationalmannschaft nicht nur das beste Spiegelbild unserer Gesellschaft, sondern hat auch eine Wirkung in die Gesellschaft hinein.
"Wir hatten selten die Chance, in einem gesellschaftlich so breiten Umfeld unsere Grüne Idee von Umwelt- und Klimaschutz repräsentieren zu dürfen."
Kannst Du ein Beispiel für diese Breitenwirkung geben?
Dass Mesut Özil bei einer Online-Umfrage zum beliebtesten Nationalspieler gekürt wurde, zeigt, wie viel hier passiert ist. Das gilt auch für den Frauenfußball: Dass inzwischen so viele Mädchen Fußball spielen wollen, ist auch eine Form der Emanzipation von Männerstrukturen. Fußball kann eine wichtige gesellschaftliche Dimension haben – wenn er ein Spielfeld für Integration und Partizipation ist mit einer deutlichen Absage an Rechtsextremismus und Rassismus.
Mit dem Einsatz gegen Rechtsextremismus und Rassismus begann auch Dein Engagement beim DFB…
Ja, das war 2006, als die Nazis die WM in Deutschland für Aufmärsche missbrauchen wollten. Damals sind wir GRÜNE auf den DFB zugegangen und haben uns bereit erklärt, dagegen zu mobilisieren. So habe ich Theo Zwanziger kennengelernt, der mich dann in die DFB-Kulturstiftung berufen hat.
Welche Aufgaben hat die Stiftung?
Es geht darum, das sportliche Ereignis Fußball auch als Bühne für Kunst und Kultur zu nutzen. Rund um die Euro 2012 hat die Stiftung beispielsweise ein Kunst- und Kulturprogramm mit Konzerten, Filmen, Lesungen und Ausstellungen zum Schwerpunkt Polen und Ukraine organisiert. Auf der Frankfurter Buchmesse 2008, als die Türkei Gastland war, war die Stiftung mit einer großen Veranstaltung zum Thema Integration und Fußballkultur mit Spielern und Kulturschaffenden aus Deutschland und der Türkei vertreten. Wir unterstützen auch die Autorennationalmannschaft, ein Fußballteam aus Schriftstellern, das Turniere mit literarischem Kulturaustausch verbindet, und wir sind an der Gestaltung des Fußballmuseums beteiligt, das in Dortmund entsteht – um nur ein paar Projekte zu nennen.
Inzwischen bist Du beim DFB auch für Ökologie zuständig – als Mitglied der Nachhaltigkeitskommission, in der Du Beauftragte für Umwelt- und Klimaschutz bist. In diesem Rahmen findet auch der DFB-Umweltcup statt.
Eine Kommission alleine bringt ja nichts. Deshalb haben wir eine Umweltkampagne gestartet, für die Sönke Wortmann mit einigen Nationalspielern einen Spot fürs Fernsehen gedreht hat. Wir wollen den Fußball und seine Stars nutzen, um für das Thema Umweltschutz zu sensibilisieren.
Der Cup richtet sich aber vor allem auch an die Vereine.
Ja. Gemeinsam mit dem Ökoinstitut haben wir 90 Ideen ausgearbeitet, wie Umweltschutz im Verein umgesetzt werden kann. Es geht vor allem darum zu informieren, welche Maßnahmen möglich sind und dass sich Umweltschutz auch finanziell auszahlt, wenn Energie oder Wasser eingespart werden. An der Umweltcup-Tabelle kann das ökologische Engagement abgelesen werden. Anfang 2013 werden die „umweltfreundlichsten“ Klubs gekürt und können zum Beispiel Übungseinheiten mit DFB-Trainern oder Länderspiel-Tickets gewinnen.
Wie sieht es mit der ökologischen Sensibilisierung von Fans aus? Wäre es nicht mindestens genauso wichtig, die zu erreichen?
Das wird uns hoffentlich gelingen. Aber schon wenn 26.000 DFB-Vereine ein Infopaket zum Umweltcup bekommen, erreichen wir knapp sieben Millionen Mitglieder. Außerdem läuft der Umweltspot bei jedem EM-Spiel im Fernsehen und wir sind mit der Deutschen Fußball Liga im Gespräch, um die Idee weiter zu verbreiten. Wir werden sicher nicht jeden überzeugen. Das ist die gleiche Debatte wie beim Einsatz für Menschenrechte, wenn es heißt, eine Urgent-Action von Amnesty International zu unterschreiben koste ja nichts. Natürlich ist das relativ einfach. Aber wenn viele unterschreiben, hat das schon Menschen das Leben gerettet! Der Einsatz für eine gute Sache kann mit unterschiedlichen Mitteln geführt werden. Und wenn ein Fußballfan, dem das bisher egal war, darüber nachdenkt, wie er mit Energie umgeht oder wie er ökologisch zum Stadion kommt, dann ist das ein Erfolg. Ich glaube, wir hatten selten die Chance, in einem gesellschaftlich so breiten Umfeld unsere Grüne Idee von Umwelt- und Klimaschutz repräsentieren zu dürfen.
Weitere Informationen: www.dfb.de und http://umwelt.dfb.de