Es wird ein guter Parteitag

Die Abschaltung der sieben ältesten Atomkraftwerke plus Krümmel sowie die Rücknahme der Laufzeitverlängerung seien Erfolge der Anti-AKW-Bewegung und der Grünen, sagt Steffi Lemke im Interview. Deswegen empfehle der Leitantrag des grünen Bundesvorstands, der Atomgesetznovelle zuzustimmen.

Porträtfoto von Steffi Lemke
Steffi Lemke, politische Bundesgeschäftsführerin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.

gruene.de: Warum machen die Grünen als einzige Partei einen Parteitag zu Atomausstieg und Energiewende?
Steffi Lemke: Für uns ist es selbstverstänlich, ein Thema von dieser Tragweite mit unserer Basis zu diskutieren und demokratisch zu entscheiden. Frau Merkel und Herrn Rösler fehlt offenbar der Mut dazu – obwohl gerade sie ihren Mitgliedern einiges zu erklären hätten. Die Bundesregierung macht ja mit der Rücknahme der Laufzeitverlängerung vom letzten Herbst eine beispiellose Kehrtwende. Übrigens: Wir diskutieren in Berlin ebenfalls über die Griechenlandkrise und die Zukunft des Euros. Auch zu diesem existenziellen Thema kann ich bei den anderen Parteien keine Debatten mit der Basis erkennen.

Und was schlägt der Bundesvorstand den Delegierten zum Thema Atomausstieg vor?
Steffi Lemke: Die Kanzlerin hat zwar endlich erkennen müssen, dass Atomkraft in unserem Land weder notwendig noch mehrheitsfähig ist, aber die notwendigen Konsequenzen für eine schnelle und umfassende Energiewende zieht sie nicht. Wir finden es richtig, dass die sieben ältesten Atomkraftwerke plus der Pannenreaktor Krümmel abgeschaltet werden. Auch die Rücknahme der Laufzeitverlängerung unterstützen wir. Das sind gemeinsame Erfolge der Anti-AKW-Bewegung und der Grünen und nicht das Ergebnis schwarz-gelber Politik. Trotzdem bleibt richtig, dass der Atomausstieg schneller und sicherer zu machen wäre als das, was Angela Merkel plant. Auch die schwarz-gelben Pläne zur Energiewende kritisieren wir an vielen Punkten, weil sie einseitig zentrale Großanlagen bevorzugen, auf Kohle setzen, insgesamt unambitioniert sind und die Bürgerinnen und Bürger nicht mitnehmen.

Ist denn das, was Merkel vorlegt, ein gesellschaftlicher Konsens?
Steffi Lemke: Nein, diese Chance verspielt Merkel, weil sie Angst um ihre Wackel-Koalition hat. Wer wirklich einen breiten gesellschaftlichen Konsens für den Atomausstieg will, der muss auch ernsthafte Verhandlungen mit uns Grünen, den anderen Oppositionsparteien, mit den Umweltverbänden und der Anti-AKW-Bewegung führen. Auch ein Parteienkompromiss ist noch kein gesellschaftlicher Konsens. Aber anders, als noch 2001 sind jetzt auch Union und FDP für den grundsätzlichen Atomausstieg. Es wird ab Juli diesen Jahres keine Pro-Atomparteien in Deutschland mehr geben. Das ist ein Riesenerfolg!

Welche Anträge liegen für die BDK vor?
Steffi Lemke: Neben den beiden Leitanträgen des Bundesvorstands („Energiewende in Deutschland – Grün geht voran“ und „Die Krise gemeinsam überwinden. Das Europäische Projekt nicht aufs Spiel setzen.“) gibt es weitere eigenständige Anträge und fast 40 Änderungsanträge. Das Spannende ist, dass die Anträge in der Analyse zu 80 bis 95 Prozent deckungsgleich mit dem Antrag des Bundesvorstands sind. Wir haben also in vielen Punkten keine kontroversen Einschätzungen. Aber einige der Anträge kommen zu einer anderen Schlussfolgerung – sie wollen, dass die Fraktion der Atomgesetznovelle so wie sie vorliegt nicht zustimmt. Und diese Debatte um den richtigen Weg werden wir am Samstag führen.

Was für eine Stimmung erwartest Du?
Steffi Lemke: Es wird ein guter und sicherlich auch ein spannender Parteitag. Und es wird das Signal davon ausgehen, dass es eine echte Wende in der Energiepolitik nur mit den Grünen geben wird. Denn Schwarz-Gelb kann die Energiewende nicht ernsthaft voranbringen, weil sie die Energiewende nicht wollen.

Klicke auf die Buttons, um das jeweilige Netzwerk zu aktivieren. Beachte, dass dadurch persönliche Daten an Facebook, Twitter oder Google übertragen werden.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/BDK11_225x130_01.jpg

Ja zum schnellen Atomausstieg

Dem Atomausstieg bis 2022 soll zugestimmt werden, aber die Grünen werden alles daran zu setzen, das letzte AKW deutlich vor 2022 abzuschalten.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/SteffiLemke_225.JPG

Abwahl von Schwarz-Gelb beginnt

Auf dem Länderrat in drei Tagen soll ein deutliches Zeichen gegen die falsche Politik der schwarz-gelben Koaltionen in NRW und Bund gesetzt werden.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/BDK_2011_Stimmkarte_225x130_07.jpg

Aufbruch 2013

Auf dem Länderrat am 2. September wollen sich BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN für den Bundestagswahlkampf 2013 rüsten.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/Atomkraft_Erneuerbar_225x130.JPG

Licht und Schatten

Wie stehen die Grünen zum schwarz-gelben Energieplan? Claudia Roth erläutert den Antrag des Bundesvorstandes zum kommenden Parteitag am 25. Juni in Berlin.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/SteffiLemke_225_05.JPG

Grün regiert besser

Auf dem Länderrat wollen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN die Weichen stellen, um Schwarz-Gelb spätestens im Jahr 2013 abzulösen.

Kommentare

h.g.
03-07-11 08:17
vermutlich sieht die Zukunft für Deutschland wie folgt aus:
nach Abschaltung aller AKW`s in Deutschland beziehen wir insbesondere in den kälteren und dunkleren Jahreszeiten die
benötigten Strommengen von AKW´s aus Frankreich, womit wir nach Öl und Gas uns in weitere Abhängigkeiten begeben.
Eure ideolosch motivierten Berechnungen über den Ertrag aus
erneuerbareb Energien kann man wohl in die Rubrik: "ich glaub noch an den Weihnachtsmann" einordnen, aber keine Sorge die Franzosen bauen noch einige Atomkraftwerke, damit sie den Phantasten jenseits des Rheins ihren Strom teuer verkaufen können.
Dies wiederum hat dann sicher zur Folge, dass etliche Industriezweige hier in Deutschland nicht mehr konkurenzfähig sind und abwandern, wodurch wesentlich mehr Arbeitsplätze verloren gehen, als Ihr in Eurer Phantasie
schaffen wollt. Gleichzeitig wollt Ihr noch mehr sog. Flüchtlinge aus Ländern eines anderen Kulturkreises aufnehmen, obwohl es hier bereits ständig wachsende Probleme mit arabischen Clans, welche sich eher wie Besatzer aufführen, gibt. Immer mehr Menschen in der dichtbesiedelten BRD bedeute auch erhöhter Energiebedarf,
mehr Konflikte usw.
Eure Poltik kommt mir vor wie ein Getriebe, bei dem man beliebig Zahnräder austauscht, weil sie einem besser gefallen als die bewährten nur um etwas zu verändern.
Wenn das Getriebe dann mehr so läuft findet man sicher eine
Begründung und wenn sie noch so haarsträubend daneben ist.
Man konnte es bei der unheilvollen Koalition Rot/Grün auf Bundesebene schon sehen. Hier wurden oft genug Gesetze kurz nach der Veröffentlich wieder geändert, weil es vorn und hinten nicht passte. Erst denken dann lenken.
Und jetzt steuert man wieder in die Richtung Chaos.
Das alberne und immer wieder vorgetragene Argument, dass in einem Land wie Japan mit hohen technischen Standard so etwas passieren konnt geht völlig fehl, wenn man die Ursachen nüchtern analysiert und berücksichtigt dass der japanische Konzern in krimineller Weise die Sicherheit vernachlässigt hat. Eine veränderte Atompolitik kann nur weltweit in die Wege geleitet werden und nicht im nationalen
Alleingang. Dass Merkel jetzt Euren absonderlichen Forderungen hinterherhechelt, können die Grünen zwar als Sieg feiern, aber gut für unser Land ist es sicher nicht.
omcu
Michael
25-06-11 16:28
Die Grünen erfreuen sich einer historisch hohen Zustimmung wegen ihrer bislang konsequenten Haltung u.a. in Sachen Eneriepolitik. Und wegen des Images eben nicht auf Gedeih und Verderb zu taktieren. Auf die Zustimmung zu Merkel wird folgen, dass die Grünen auf Dauer wieder die 20%-Marke von unten anstaunen dürfen. Und wozu das? Das was uns die Tigerenten als Ausschluss verkaufen wollen kommt eh. Sollten aber die Grünen als Juniorpartner von rot-grün im Bund (sollte es trotz des aktuellen Umfallens) den Ausstieg forcieren wollen, wird es heißen, die machens auch nichts anders als weiland schwarzgelb in Sachen Laufzeotverlängerung.
Ich verstehe es nicht und trage mich mit Austrittsgedanken.
Hans
25-06-11 14:31
Wenn die Grünen mit der CDU stimmen hat sich diese Partei für mich erledigt. Da wähle ich doch lieber das Original, und zwar die CDU.
Liebe KollegInnen von der Basis
25-06-11 08:14
es ist allerhöchste Zeit, Eurer Parteispitze mal wieder so richtig die Hölle heiss zu machen. Es kann nicht sein, dass Roth und Konsorten vor der Bundesregierung einfach so einknicken. Der Atomausstieg ist ein Erfolg der Grünen und niemand sonst. Wichtig ist jetzt ein starkes NEIN flankiert von vielen Gegenanträgen und Konzepten. Loyalität spielt keine Rolle, die grüne Vision muss leben !
Gruen ist nicht zu trauen
24-06-11 15:55
Grünen-Parteichefin Claudia Roth hält die Atomausstiegspläne der schwarz-gelben Regierung für besser als die rot-grüne Vereinbarung von 2000. "Dass es jetzt eine stufenweise Abschaltung mit einem festen Enddatum gibt, das ist besser als der rot-grüne Konsens", sagte Roth.

Tja, viel mehr schleimen geht eigentlich nicht. Der Atomausstieg ist der Erfolg von schwarz-gelb, wie Frau Roth jetzt auch offen zugibt. Trittin, Kretschmann und alle anderen Typen, schleimen mit der CDU um die Wette. Stuttgart 21 wird wahrscheinlich demnaechst auch als ganz toll empfunden. Glueckwunsch zu so viel Heuchelei.
Stefan
24-06-11 13:42
Ich denke die Grünen sollten Merkels Atomausstieg zustimmen, da die Chance für einen parteiübergreifenden Konsens noch nie so groß war wie jetzt. Die "Aussenseiter" sind die in CDU und FDP, die an der Vergangenheit festhalten und Merkels Kurs nicht unterstützen.
Liebe Grüne, nutzt diese Chance !
Das bedeutet aber lange noch nicht, dass der Weg in´s erneuerbare Zeitalter nachhaltig eingeschlagen wird. Merkel will Deutschland mit neuen Kohlekraftwerken "beglücken", das kann nicht die Alternative sein. Wenn der Parteitag der Sache zustimmt, aber den Weg kritisiert und Alternativen aufzeigt, wäre ich zufrieden.
(Als kritischer Wähler)
Sebastian
24-06-11 11:52
Der Leitantrag des grünen Bundesvorstandes geht grundsätzlich in Ordnung.
Torsten
24-06-11 08:49
Der jetzt diskutierte Weg der Bundesregierung zum Atomausstieg geht in wichtigen Punkten über das hinaus, was Rot-Grün damals erreicht hatte. Als Grünen-Anhänger der ersten Stunde bin ich dafür, dass die Grünen diesem Weg grundsätzlich zustimmen.
Natürlich sollte eine Opposition immer mehr fordern, als die Regierung, und fünf Jahre früher ist weniger Atomrisiko und weniger Atommüll, keine Frage - aber seien wir doch realistisch: Das bisher Erreichte ist sehr viel und mehr ist nicht drin. Und die Atomkonzerne werden sich alles, was sie über das mit Rot-Grün Verhandelte hinausgeht, sauber abgezählt bezahlen lassen - und zwar gerichtlich bestätigt. Das wird teuer!
Andreas
23-06-11 21:33
Wenn dem ausstieg jetzt nicht zugestimmt wird, weiss ich nicht warum ich grün gewählt habe. Das ist doch die große Chance und ein verdienst der grünen. Danach kann ja immer noch für eine Beschleunigung gekämpft werden, indem alternativen gefördert werden.
Werner Winkler
23-06-11 17:21
Hätten die Grünen 1989 (ich war damals noch nicht Mitglied) bereits realisiert, dass durch die Wiedervereinigung eines ihrer Träume - die atomare Abrüstung und der Frieden in Europa - dabei war, sich zu erfüllen und hätten sie damals laut und mutig und aktiv mit an diesem Zwischenschritt mitgearbeitet ... Helmut Kohl hätte nicht "all of the credits" für sich gehabt.

Wollen wir heute Angela Merkel dabei alleine lassen, diesen großen Schritt hin zur weltweiten Nutzung regenerativer Energien zu gehen und die Atomkraftwerke dauerhaft in die Geschichtsbücher zu verbannen? Das darf nicht geschehen.
Kommentar

Wir freuen uns auf Meinungen zu diesem Artikel. Bitte beachtet unsere Nutzungsbedingungen.
Die Kommentarfunktion dient nicht dazu, direkt mit uns Kontakt aufzunehmen oder Fragen zu stellen. Dafür haben wir ein Kontaktformular.



CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz

Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.