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Was können Trainees lernen, was nicht in den Büchern steht? Und was müssen Trainee-Bewerber mitbringen? Lest dazu ein Doppel-Interview mit Schirmherrin Steffi Lemke, politische Bundesgeschäftsführerin, und dem Ex-Trainee Benjamin Raschke, der heute Vorsitzender der GRÜNEN in Brandenburg ist.
Steffi, der Begriff Trainee-Programm klingt ja ein bisschen nach Firmennachwuchs, aber eigentlich ist es doch eine Art GRÜNE Parteischule, oder nicht?
Steffi Lemke:
Zu allererst bietet es vor allem jungen, engagierten Menschen die Möglichkeit unseren Laden besser kennen zu lernen und sich daneben auch selber fortzubilden. Es hat aber viel mit mitmachen und ausprobieren zu tun. Also durchaus etwas mit Schule, wie wir sie uns vorstellen – praktisch und lebensnah. Aber Parteischule würde ich als Begriff nur ungern verwenden, da haben ja eher andere ein Patent drauf, denen ich das wirklich nicht abjagen möchte.
Benjamin, erinnerst du dich noch daran, was du gedachst hast, als du den Begriff des GRÜNEN Trainee-Programms das erste Mal gehört hast?
Benjamin Raschke: Ja sicherlich. Ich dachte schon eher an Deutsche Bank als an die GRÜNEN und war anfangs vielleicht auch deswegen etwas kritisch und skeptisch. Aber als ich mich dann reingelesen und auch mal im Büro von Steffi angerufen hatte, war ich überzeugt , dass man das auf alle Fälle machen sollte.
Was können Trainees genau in diesem Programm lernen? Welche Fähigkeiten können sie sich aneignen?
Steffi Lemke: Sie können sich zum einen über Themen - sei das Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit oder Europapolitik - weiterbilden, haben erfahrene Trainer oder Trainerinnen an der Hand, die sie dabei betreuen, ins praktische Politikgeschäft reinzuriechen, von der Sitzungsbegleitung bis ins Hinterzimmer der Politik. Und sie können sich in Presse-, Öffentlichkeitsarbeit, Organisations- und Projektmanagement weiterbilden – erlernen also einen bunten Strauß von Fähigkeiten.
Viele Fähigkeiten, die so ein Politiker können muss, stehen ja in keinem Lehrbuch – die sogenannten Soft Skills, die gerade in der Politik eher Hard Skills sind: Mehrheiten organisieren, Strippen ziehen, Überzeugungsarbeit leisten. Kann das Trainee-Programm sowas beibringen?
Steffi Lemke: Absolut, wahrscheinlich ist das Trainee-Programm eine der wenigen Möglichkeiten, das tatsächlich zu lernen, bevor man möglicherweise selber irgendwann ins kalte Wasser springt. Weil man Trainer und Trainerin durch das praktische Alltagsgeschäft begleiten kann - vom Hinter- oder Klüngelzimmer bis zur Parlamentssitzung, also die ganze Palette durchlaufen kann. Wo anders geht das sicherlich ganz schlecht. Es hängt aber immer davon ab, dass der Trainee auch wirklich bereit ist, diese Zeit, diese Nerven dafür zu investieren. Es heißt immer „Geben und Nehmen“.
Benjamin, was ist denn für dich persönlich der wichtigste Nutzen, den du aus diesem Programm gezogen hast?
Benjamin Raschke: Neben viel Spaß vor allem zwei Dinge: Zum einen habe ich mal selber hinter die Kulissen schauen können und identifiziere mich seitdem noch viel stärker mit dem GRÜNEN Projekt. Zum anderen knüpft man natürlich auch viele wichtige Kontakte. Man lernt ja nicht nur die anderen Trainees kennen, sondern auch die Bundesgeschäftsstelle, die das ganze Projekt organisiert, das Büro von Steffi, Steffi selber, aber natürlich auch die ganzen anderen Trainerinnen und Trainer und darüber hinaus die GRÜNE Partei. Das hat sich auf jeden Fall gelohnt.
Mit wie vielen Trainees stehst Du denn noch in Kontakt?
Benjamin Raschke: Natürlich nicht mit allen, wie das immer so ist im Leben, aber mit sechs bis sieben Trainees von damals habe ich noch regelmäßigen Kontakt und darüber hinaus auch mit einigen Trainern. Da sind zum Teil auch gute Freundschaften entstanden.
Wer war denn dein Trainer?
Benjamin Raschke: Das war komplizierter – zunächst Axel Vogel aus Brandenburg, damaliger Landesvorsitzender und jetziger Fraktionsvorsitzender, aber nur ungefähr ein, zwei Monate und danach ist es Kathrin Vohland geworden, die damalige Landesvorsitzende. Das lag daran, dass Axel damals schon einen Trainee hatte und für ihn als ehrenamtlich arbeitenden Landesvorsitzenden zwei Trainees ganz einfach zu viel waren.
Gibt es Dinge, die du nicht gelernt hast, aber dir eigentlich versprochen hattest?
Benjamin Raschke: Ja, aber das hatte vor allem mit der Wahl meines Projektes zu tun. Ich rate jedem, der das macht, sich ein gutes Projekt auszusuchen. Ich hatte ein spannendes Projekt – aber keines, in dem es um Inhalte oder eine Themenfindung ging, sondern um den Aufbau einer grünen Hochschulgruppe in Cottbus. Da gab es kaum Gelegenheit, in ein inhaltliches Thema rein zu kommen oder Argumente mit anderen auszutauschen. Bei anderen Trainees war das anders. Wie gesagt, ich hatte ein spannendes Projekt - ich würde jedoch jedem raten, sich genau zu überlegen, für welche Art von Projekt man sich bewirbt.
Steffi, hast Du denn in deiner Erinnerung an die vielen Projekte, die du schon begleiten konntest, sowas wie ein persönliches Lieblingsprojekt eines Trainees?
Steffi Lemke: Ja, ich glaube durchaus, das Projekt meiner letzten Trainee, Stefanie, die einen Austausch zwischen politisch aktiven Frauen aus Ex-Jugoslawien und Deutschland in beide Richtungen organisieren wollte. Ein irre großes, aufwendiges Projekt, das dann in Teilen realisiert worden ist, lief anders als anfangs gedacht, wie es aber normal ist bei jedem Projekt. Aber der Einfall und die Entschlossenheit mit der es die Stefanie angepackt hat, hat mich schon beeindruckt.
Was müssen denn nachfolgende Generationen von Trainees mitbringen um sich sinnvollerweise zu bewerben?
Benjamin Raschke: Sie sollten auf jeden Fall Lust und Motivation mitbringen - und sich nicht halbherzig bewerben. Das Programm kostet natürlich viel Kraft und viel Zeit - neben dem vielen Spaß und Positiven was es natürlich auch bringt. Daneben braucht es auch tatsächlich die Fähigkeiten ein bisschen zu planen, Konzepte zu machen. Wenn man einen Plan und ein richtiges Konzept hat, dann gelingt das Projekt auch in der Regel und man hat eine Menge Spaß.
Steffi, welcher Schlagzeile über das Trainee-Programm würdest du Dir in den nächsten zehn Jahren wünschen?
Steffi Lemke: „GRÜNER Ex-Trainee zum Bundesvorsitzenden gewählt.“
Benjamin Raschke: (lacht) Man beachte, dass sie nicht gesagt hat „zur Bundesgeschäftsführerin“.
Steffi Lemke: (lacht) Das wäre natürlich auch eine super Schlagzeile!