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Am 19. Mai kommt "Joschka und Herr Fischer" ins Kino. Der Film von Pepe Danquart ist nicht nur die Biografie eines Politikers sondern auch eine Zeitreise durch Deutschland in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Von Tim Meyer

Pepe Danquart, der 1994 für "Schwarzfahrer" den Oscar für den besten Kurzfilm bekam und zuletzt mit seiner Sportfilm-Trilogie sehr erfolgreich war, stellt Joschka Fischer in einen Keller voller von der Decke hängender Flachbildschirme und lässt den ehemaligen Politiker durch sein Leben wandern. Mit immensem Aufwand hat Danquart die Biografie Fischers recherchiert, 300 Stunden Archivmaterial gesichtet und daraus 24 kurze Filme destilliert. "Ich habe Fischer völlig unvorbereitet, ohne ihm ein Wort zu sagen, dort hineingestellt", sagt Pepe Danquart. "Plötzlich fängt er an, sich in die Zeit zu versenken, in die Zeit hineinzusinken, plötzlich platzen Erinnerungen los."
Natürlich sind viele der Aufnahmen bekannt, doch die Kombination aus altem Material und dem sich erinnernden Fischer sorgen für einen spannenden neuen Blick. Denn die Geschichte ist abgeschlossen, die Erinnerungen sind sortiert und bewertet. Und es kommt eine weitere Ebene dazu: die sogenannten Exkurse. Wegbegleiter wie Daniel Cohn-Bendit oder Jürgen Hempel, der in den 80er Jahren gegen die "Startbahn West" in Frankfurt protestiert und heute Bauplaner für Flughafen-Projekte ist, fügen in kurzen Interviews ihre Erinnerungen in das Puzzle mit ein.
Joschka Fischer wächst nach dem Krieg im Schwabenland auf. "Wir waren arm, aber es war herrlich." Aufgrund seiner Herkunft, ungarische Aussiedler, hat Fischer schon früh das Gefühl, er gehöre nicht dazu. Aber genau das gibt ihm Freiheit. Bald wird es ihm dennoch zu eng in der Familie und in dem "Junge-Union-Umfeld". Er beginnt eine Fotografen-Lehre, bricht sie jedoch bald wieder ab. Kurz darauf geht Fischer nach Frankfurt und besucht, auch wenn er kein Abitur hat und sich nicht einschreiben kann, Vorlesungen von Adorno und Habermas. Am Rande einer Demonstrationen gegen den Springer-Konzern gerät Fischer schließlich mit der Polizei aneinander und macht die Erfahrung, "durchgeprügelt" zu werden. Aber der Sponti driftet nicht in den Terrorismus ab. Einige Jahre später wird dann die Ermordung Schleyers für Fischer ein tiefgreifender Einschnitt, der ihm verdeutlicht, dass der Kampf der Linksradikalen aus seiner Sicht in eine Sackgasse läuft.
Der Real-Politiker Fischer kommt schließlich Ende der 70er Jahre auf die Welt. "Im Taxi bin ich zum Realo geworden", sagt er. "Ich habe gelernt, dass das Großartige und das Hundsgemeine in jedem Menschen ganz eng beieinander liegen." Es ist der Wendepunkt in seinem Leben, danach folgt ein Vierteljahrhundert Politik mit den Grünen: Hessen, die Turnschuhe, Umweltminister, Bundestag, Rot-Grün, Außenminister. 2006 legt Joschka Fischer sein Bundestagsmandat nieder und wird Privatunternehmer. "Wenn es vorbei ist, ist es vorbei, und dann werde ich nicht als Denkmal meiner selbst auf den Hinterbänken sitzen", sagt er über seinen Abschied.
Joschka Fischer erzählt seine Geschichte über zwei Stunden mit seiner typisch knarzenden Stimme. Die klingt wahlweise nach Weltschmerz oder jugendlichem Schalk. Letztlich steckt auch in dem Sound dieser Stimme die Biografie Fischers. Das Kaputte nach stundenlangen Diskussionen, die Heiserkeit nach Ochsentouren im Wahlkampf, ein Stück Resignation nach einem Vierteljahrhundert Politik machen.
Auch wenn der Film vom Menschen Fischer nicht allzu viel preisgibt, zeigt er einen Politiker mit einem außerordentlich reflektierten Verhältnis zur Macht. Etwa wenn sich Fischer beim ersten Gruppenbild der rot-grünen Regierung das triumphierende Lachen verkneift, zu dem Gerhard Schröder ihn überreden will. Nein, ihm sei nicht zum Lachen gewesen, weil er wusste, was auf ihn zukommt, erzählt Fischer rückblickend. Und in einem anderen Moment sagt er, wenn jemand hart im Nehmen sei, heiße das ja nicht, dass es nicht wehtut.
"Joschka und Herr Fischer" zeigt einen Mann, der die Anforderungen des politischen Betriebs perfekt erfüllt und die Rolle einer kantigen Identifikationsfigur, an der man sich reiben konnte, ganz eingenommen hat. Aber in dieser Rolle war er immer er selbst, immer den eigenen Überzeugungen treu. So etwas wie der Robert de Niro der Politik – ein bisschen Hollywood, aber immer mit Charakter.
Der Film heißt im Untertitel: Eine Zeitreise durch 60 Jahre Deutschland. Und genau das schafft der Film. Pepe Danquart setzt nicht nur dem Sponti und ehemaligen Politiker ein Denkmal, sondern auch einer Generation, die Strukturen aufbrechen und Dinge verändern wollte.