Jetzt wird gemeinsam gerockt

Mit großer Einigkeit wählten die Delegierten des Grünen-Parteitages am Samstagnachmittag ihren alten Bundesvorstand zum neuen. Außerdem wurden der Parteirat, die Rechnungsprüfer und die Antragskommission neu gewählt sowie die Organisatorische Bundesgeschäftsführerin Emily May Büning im Amt bestätigt.

Claudia Roth am Redepult, Foto: © Ingo Kuzia
Claudia Roth hielt eine kämpferische Bewerbungsrede für den Grünen-Bundesvorsitz und wurde mit starken 88,49 Prozent im Amt bestätigt. Foto: © Ingo Kuzia

Mit ihrer Bewerbungsrede lieferte Claudia Roth den fulminanten Auftakt in der Personaldebatte. Sie stellte klar, dass nach der persönlichen Enttäuschung über ihre Niederlage bei der Urwahl die Zeit der Trauer nun vorbei sei. Mit donnerndem Applaus zeigten die Delegierten im Hannover Congress Centrum während der Rede immer wieder, dass sie ihrer Vorsitzenden dabei folgen wollen.

Von dieser Unterstützung getragen lieferte Claudia Roth pointierte Attacken: Auf Umweltminister Altmaiers Energieverhinderungspolitik, Landwirtschaftsministerin Aigners agroindustrielle Hybris und die verstaubte Familienpolitik von "Anti-Frauenministerin" Schröder. Der enttäuschenden Bilanz der Regierung Merkel stellte Roth die Themen Gerechtigkeit, Solidarität sowie Teilhabe und kulturelle Anerkennung entgegen.

Cem Özdemir am Redepult, Foto: © Ingo Kuzia
"Ich habe immer noch die Träume von damals, als ich angefangen habe in der Politik!", stellte Cem Özdemir in seiner Bewerbungsrede für den Bundesvorsitz klar. Der Grünen-Bundesvorsitzende wurde mit 83,29 Prozent im Amt bestätigt. Foto: © Ingo Kuzia

"Mit den besseren Frauen und Männer, den besseren Ideen und den besseren Mitteln werden es die Grünen schaffen, in den kommenden Landtagswahlen und zur Bundestagswahl 2013 den entscheidenden Impuls für eine moderne Gesellschaftspolitik und multikulturelle Demokratie zu setzen", so Claudia Roth. Mit einem Zustimmungsvotum von 88 Prozent feierten die Delegierten ihren Auftritt und ließen auf den digitalen Candystorm nach der Urwahl einen echten Belohnungsregen aus Bonbons und Süßigkeiten folgen.

Ein langer Atem in einer schnelllebigen Zeit

Auch der zweite Bundesvorsitzende Cem Özdemir holte sich mit 683 von 766 und damit 83 Prozent der abgegeben Delegiertenstimmen ein starkes Votum. Nach all den Jahren politischer Arbeit habe sich gezeigt, dass die Grünen das Land verändert haben und das Politik insgesamt die Verhältnisse verbessern könne – auch wenn in unserer schnelllebigen Zeit viele einschneidende Ereignisse mitunter aus dem Gedächtnis zu verschwinden drohten. Lediglich 18 Monate schließlich sei Fukushima her, erst im November des letzten Jahres kamen die Terrormorde des NSU-Nazitrios ans Licht - und doch könne man den Eindruck gewinnen, dass der entschlossene Wille, sich diesen Herausforderungen zu stellen, langsam verschwinde.

Diesem schnellen Vergessen werde er sich jedoch entgegenstellen, sagte Cem Özdemir. Mit den frisch gewählten Spitzenkandidaten und einem in den Startlöchern stehenden Programmprozess mit Mitgliederentscheid seien GRÜNE bereit, einen prinzipiengeleiteten und wertetreuen Wahlkampf zu führen, um schließlich 2013 die Wahl zu "rocken".

Starkes Votum für kompletten Bundesvorstand

Gruppenbild des Grünen-Bundesvorstand: Claudia Roth, Cem Özdemir, Steffi Lemke, Benedikt Mayer, Astrid Rothe-Beinlich und Malte Spitz., Foto: © Ingo Kuzia
Der Bundesvorstand wurde komplett im Amt bestätigt. Claudia Roth, Cem Özdemir, Steffi Lemke, Benedikt Mayer, Astrid Rothe-Beinlich und Malte Spitz erhielten alle starke Ergebnisse. Foto: © Ingo Kuzia

Steffi Lemke sprach in ihrer Bewerbungsrede als Politische Bundesgeschäftsfüherin davon, wie sehr die Bürgerinnen und Bürger nach den krisenbedingten Umbrüchen und dem Versagen unseres bisherigen Wachstumsmodells in einer Vertrauenskrise steckten. Eine Krise, in der ihnen die Regierung Merkel keine Orientierung geben könnte. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN haben nicht nur das Potential sondern auch die Verantwortung, den Menschen die Gewissheit wieder zu geben, dass Zukunft gestaltbar und ein gerechter Zugang zu Vermögen, Bildung und Infrastruktur möglich ist. Rund 83 Prozent der Delegierten stimmten am Ende für Steffi Lemke.

Anschließend wurden alle weiteren Bundesvorstandskandidaten mit sehr guten Zustimmungswerten erneut in ihr Amt gewählt. Astrid Rothe-Beinlich überzeugte die Delegierten mit viel Engagement gegen die rechtsextremistische Szene und erhielt 78 Prozent der Stimmen.

Von den Chancen der Digitalisierung sprach Malte Spitz, aber auch von der Notwendigkeit, neue Ungleichheiten in Bezug auf Zugang zu Wissen, zu digitaler Infrastruktur entgegenzuwirken. Mit einem starken Votum von 84 Prozent revanchierten sich die Delegierten für Maltes netzpolitischen Einsatz und seine Arbeit für die internationale Zusammenarbeit mit grünen Geschwisterparteien.

Und schließlich fuhr Benedikt Mayer mit einem genauso griffigen wie humorvollen Auftritt einen beeindruckenden Wahlerfolg ein. Ihn bestätigte die Bundesdelegiertenkonferenz mit 97 Prozent aller Stimmen im Amt des Bundesschatzmeisters.

Mit einer Marathonwahl zum neuen Parteirat

Gruppenbild des neuen Parteirates, Foto: © Ingo Kuzia
Und das ist der neue Parteirat: Bärbel Höhn, Katrin Göring-Eckardt, Annalena Baerbock, Gesine Agena, Renate Künast und Theresa Schopper, Rebecca Harms, Jürgen Trittin, Volker Beck, Gerhard Schick, Johannes Remmel, Tarek Al-Wazir und Rasmus Andresen! Foto: © Ingo Kuzia

Mit dem Parteirat wurde im Anschluss ein weiteres Gremium neu gewählt. Nachdem Claudia Roth, Cem Özdemir und Steffi Lemke durch ihre Rolle als Bundesvorsitzende bzw. Politische Bundesgeschäftsführerin qua Amt im Parteirat sind, waren noch 13 der insgesamt 16 Plätze neu zu besetzen. Der neue Parteirat setzt sich wie folgt zusammen: Gesine Agena, Annalena Baerbock, Katrin Göring-Eckardt, Bärbel Höhn, Renate Künast, Theresa Schopper, Tarek Al-Wazir, Rasmus Andresen, Volker Beck, Rebecca Harms, Johannes Remmel, Gerhard Schick und Jürgen Trittin.

Außerdem wurden die Antragskommission und die Rechnungsprüfer neu gewählt.


Die genauen Ergebnisse der Wahlen findet ihr hier Überblick (in alphabetischer Reihenfolge)

Wahlen zum Bundesvorstand

Claudia Roth: 88,49 Prozent

Cem Özdemir: 83,29 Prozent

Steffi Lemke: 83,03 Prozent

Benedikt Mayer: 97,42 Prozent

Astrid Rothe-Beinlich: 78,14 Prozent

Malte Spitz: 84,02 Prozent


Parteirat

1. Wahlgang: Frauenplätze – es konnten max. 6 Stimmen abgegeben werden

Gesine Agena: 66,13 Prozent

Annalena Baerbock: 67,88 Prozent

Katrin Göring-Eckhardt: 72,06 Prozent

Rebecca Harms: 59,24 Prozent (in diesem Wahlgang nicht in den Parteirat gewählt)

Bärbel Höhn: 72,33 Prozent

Renate Künast: 65,99 Prozent

Theresa Schopper: 61,40 Prozent


2. Wahlgang: Offene Plätze – es konnten max. 7 Stimmen abgegeben werden

Tarek Al-Wazir: 60,08 Prozent

Rasmus Andresen: 59,27 Prozent

Volker Beck: 63,60 Prozent

Rebecca Harms: 66,85 Prozent

Johannes Remmel: 55,21 Prozent

Gerhard Schick: 69,42 Prozent

Jürgen Trittin: 73,48 Prozent


Wahlen RechnungsprüferIn

1. Wahlgang: Frauenplatz

Beate Adler: 89,72 Prozent

1. Wahlgang: Offener Platz

Dietmar Kuhn: 86,05 Prozent

Stellvertretende RechnungsprüferInnen

Steffen Patzschke: 78,70 Prozent

Klaus Stöckert: 79,25 Prozent


Wahl Antragskommission

Ska Keller: 93,56 Prozent

Anja Hajduk: 83,01 Prozent

Felix Pahl: 92,47 Prozent

Konstantin von Notz: 90,14 Prozent

Steffi Lemke - qua Amt gesetzt

 

Reden der Bundesdelegiertenkonferenz in Hannover

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Die BDK 2012 in Bildern

Wir zeigen euch den Parteitag in Bild und Text.

BDK Hannover: Bewerbungen

Übersicht der Bewerbungen für Bundesvorstand, Parteirat, Antragskommission und Rechnungsprüfung.

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Wir kämpfen für mehr Gerechtigkeit

Die BDK beschloss am zweiten Tag den sozialpolitischen Leitantrag.

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Grüne wählen Parteiführung neu

Starke Ergebnisse und spannende Kampfkandidaturen: In Freiburg wurde der Bundesvorstand im Amt bestätigt.

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Bundesvorstand

Welche Aufgaben übernimmt der Bundesvorstand? Für wie lange wird er gewählt? Alle Informationen dazu gibt es hier.

Kommentare

h.g
25-11-12 20:32
Folgende Zeilen stammen nicht etwa aus dem rechtspopulistischen Umfeld, sondern von einem türkischstämmigen Sozialarbeiter:
"Auf den Mord türkischstämmiger Schläger an Jonny K. haben Migrantenverbände kaum reagiert. Auch Justiz und Sozialarbeiter in Berlin schützen Schwerstkriminelle. Scharfe Kritik kommt von Deutschtürken".
Der Deutschtürke Ercan Yasaroglu, seit 30 Jahren in Berlin u.a. als Sozialarbeiter tätig, prangerte mit diesen und anderen Worten (nachzulesen im Internet und in der aktuellen Welt am Sonntag) die einseitige, ignorierende Haltung welche gegenüber Straftaten bis zum Mord von Türken bzw. türkischstämmigen Imigranten begangen werden. Es wird zwar richtigerweise das Thema NSU-Morde behandelt oder erwähnt (s.o. Özdemir) Verbrechen aus dem türkischen Umfeld in den meisten Fällen teilweise,oder aber ganz ausgeblendet. Vieleicht sollten sich die Grünen und hier insbesondere Frau Roth auch einmal mit dem Thema beschäftigen, auch wenn es wohl nicht ganz auf ihre Multikulti Blumenwiese passt, dennoch aber leider grausammen Realität ist. Wenn die Grünen zu diesem Thema endlich Anspruch auf Glaubwürdigkeit erreichen wollen sollten sie sich mit der entsprechenden Initiative
von Herrn Ercan Yasaroglu Autorin Gülcin Wilhelm, die ehemalige Richterin
Freudenberg-Pilster u.v.a.m. beschäftigen.
franky2000
25-11-12 14:21
hallo zusammen
erstmal Glückwunsch an die gewählten in der Partei
warum immer gegen Claudia Roth sie ist und war immer die Politikerin die offen ehrlich und aus vielem Herzen gehandelt hat sich für die gemeinsamen sachen in der Partei einsetzte.
Wer sagt da Wähl ich lieber die CDU die mit ihere Energiewende den Erfolg von über 20 jahre Arbeit der Grünen als sein Verdienst verkauft zb was für ein Hohn
die beste Kriktik ist sich selber in der Partei einsetzten es versuchen mit vielen etwas besser zu machenoder anders ich werde das jetzt tun
nur Jammern bringt nichts
auch Claudia hat sicher in der Situation aus Fehlern gelernt und das sollte dann auch gut sein
steffeng
21-11-12 21:14
Warum kleben die abgewählten so an Ihren Posten?
Warum wird eine Frau Roth wiedergewählt?
Wollen die Grünen keine Wählerstimmen?
Warum schleimen alle so um Frau Roth?
Sie war so gut wie weg, die Chance einen Haken dran zu machen, aber nein, alle loben Sie in den Himmel, grrr....
komisch nur das sie bei der Urabstimmung so abgeschnitten hat???
Umfragewerte werden ignoriert, da haben sich die Grünen den anderen Parteien schon angepasst.
Ich als Wähler kann das nicht verstehen. Schade!!!
Vielleicht auf bessere Zeiten mit frischem Blut...
frank
19-11-12 20:44
schade früher wurde bei den grünen rotiert heute sieht man gefühlt 100 jahre
die selben machtpolitiker( selbst wenn die basis sie nicht will)
die grünen mit guten ideen gestartet, sind nur noch die machtbasis für paar berufspolitiker
Karl Otto
19-11-12 13:26
Solange Frau Roth u.Herr Özdemir ,den Parteivorsitz haben,
sind die Grünen nicht wählbar.
Dann lieber die CDU.
Silence
19-11-12 11:02
Schön, dass die Basisdemokratie einen Moment funktioniert hat.
Schade, dass durch die Hintertüre die Basis - und das sind die Wähler - ausgebootet wurde.

FALLS Grün mit der SPD regieren sollte, möchte ich mir keine Claudia Roth als Ministerin vorstellen müssen!
pancholine
18-11-12 15:02
@Der Elch beliebt wohl zu scherzen....
@Partreivorsitz: Endlich mal jemand, der den Durchblick hat.
C.R. sollte möglichst umgehend ihren Posten räumen, es gibt bestimmt einige bessere Kandidaten/Kandidatinnen.
Die Grünen habe ich noch nie gewählt, und ich werde wohl in absehbarer Zeit auch nicht in die Verlegenheit kommen, sie zu wählen....
elchvonosl
18-11-12 14:23
Herzlichen Glückwunsch zum erfreulichen Ergebnis der Vorstandswahlen!
Wer nicht versteht, wieso sich Claudias guten und schlechten Ergebnisse innerhalb einer Woche hervorragend vertragen, sollte mal die Funktionslehre der Politik studieren.
Ich bin so mächtig stolz auf den grünen Schwarm (besser wohl die bunte Blumenwiese und ihre Intelligenz Allen an ihrem Ort das Beste zu ermöglichen)!

der Elch!
Parteivorsitz
18-11-12 11:50
Wie kann es sein, das eine von der Parteibasis abgewählte Person von dem Parteikader
wieder durch die Hintertür zum Parteivorsitz gewählt wird. Die Grünen haben die Altparteien
auf der Überholspur links überholt.? Die Kanzlerin wird`s freuen,denn die Alte und Neue
Parteivorsitzende ist ist in ganz Deutschland so gut wie unten durch.
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