Fleischeslust
Welche politische Dimension der Genuss von Schnitzel, Gulasch und Co. hat, erklärt die Heinrich Böll Stiftung in ihrem Fleischatlas. MEHR
Welche politische Dimension der Genuss von Schnitzel, Gulasch und Co. hat, erklärt die Heinrich Böll Stiftung in ihrem Fleischatlas. MEHR
Der Monitoringbericht macht deutlich: Die Schwarz-Gelben Regierung kann die Energieeffizienzziele nicht erreichen. MEHR
Die von der Merkel-Regierung verabschiedete Beihilferegelung für die Industrie fördert weder den Klimaschutz noch entlastet Sie die Bürger. MEHR
Eine Geschichte über unfaire Ausnahmen, die Schwarz-Gelb der Industrie gewährt. MEHR
Wie wir bis 2050 unabhängig von fossilen Energieträgern werden können. MEHR
Wir erklären, warum Solarstrom ein wichtiger Baustein für die Energiewende ist. MEHR
Alle Infos rund um EU-Fiskalvertrag, ESM und die Position der Grünen. MEHR
Grüne Mitglieder können zehn Projekte für die Bundestagswahl 2013 auswählen. MEHR
Nummer des Antrags: V-29 - Verschiedenes
AntragsstellerIn: Gabriela Seitz-Hoffmann (KV Weilheim-Schongau)
Weitere AntragsstellerInnen: Andreas Beltz (KV Landsberg), Doris Zint (KV Oberallgäu), Thomas Maurer (KV Bad Tölz-Wolfratshausen), Christian Hohn (KV Olpe), Ekin Deligöz (KV Neu-Ulm), Eike Heinicke (KV Kaiserslautern Land), Barbara Holzmann (KV Oberallgäu), Anne Franke (KV Starnberg), Bernhard Röhrl ( KV Fürth-Stadt), Fred Konrad (KV Zweibrücken), Astrid Normann (KV Rhein-Sieg), Ernst Bögershausen (KV Lüneburg), Veronika Weithe (KV Peine), Jörg Dähn (KV Hannover), Marcel Duda (KV Hildesheim), Andrea Piro (KV Rhein-Sieg), Monika Maier-Kuhn (KV Hardt), Karl Möller (KV Wolfenbüttel), Andreas Roll (KV Ludwigsburg)
Wir, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN, wollen die Eltern bei der Ernährungserziehung ihrer Kinder unterstützen. Deshalb fordern wir zur vorzeitigen Vermeidung von weiteren Gesundheitsrisiken ein generelles Werbeverbot für Nahrungsmittel innerhalb des Kinderprogramms im deutschen Fernsehen als vordringliche Maßnahme gesundheitlicher Prävention bereits im Kindesalter.
Wie die Vergangenheit zeigt, werden die im „Staatsvertrag über den Schutz der Menschenwürde und den Jugendschutz in Rundfunk und Telemedien“ (Jugendmedienschutz-Staatsvertrag – JMStV) festgelegten Regelungen zum Schutz unserer Kinder in der Realität durch die Nahrungsmittelindustrie und die Medien nicht eingehalten. Viele gesendete Werbespots widersprechen unseres Erachtens diesem Vertrag.
Begründung:
„Werbespots nehmen direkten Einfluss auf die Ernährungsweise von Kindern zwischen zwei und fünf Jahren: Der Verzehr von kalorienreichen und nährstoffarmen Getränken und Speisen steigt. Wir beobachten sogar die Tendenz, dass die Firmen und Hersteller immer jüngere Altersgruppen ansprechen.“1
Selbst Erwachsene können sich nur schwer irreführender Werbung entziehen. Umso mehr sollten Lebensmittelhersteller und Fernsehanstalten darauf verzichten, Kinder mit Nahrungsmittelwerbung zu konfrontieren und sie in ihrer Urteilsfähigkeit zu überfordern. „Die Lebensmittelindustrie manipuliert Kinder mit perfiden Marketing- und Werbepraktiken, täuscht Eltern und versucht mit allen Mitteln, deren Erziehungsautorität zu untergraben.“2
Ernährungsabhängige Krankheiten wie z.B. Diabetes, Fettstoffwechselstörung oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen (wie z.B. Bluthochdruck) und Erkrankungen des Bewegungsapparats nehmen auch bei Kindern eklatant zu. In den meisten Fällen ist Übergewicht oder gar Adipositas an der Entstehung dieser Erkrankungen beteiligt. Dabei ist die Mortalität und Morbidität umso höher, je früher die Adipositas im Kindesalter beginnt.3
Untersuchungen des RKI (Robert-Koch-Institut) 2008 zeigen deutlich, dass in Deutschland 15 % der Kinder und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren übergewichtig sind. Bei 6,3 % der 3- bis 17-Jährigen ist das Übergewicht so stark ausgeprägt, dass man von Adipositas spricht. Im Vergleich zum Zeitraum 1985 bis 1998 ist der Anteil der Übergewichtigen auf das Eineinhalbfache gestiegen, der Anteil der Adipösen hat sich sogar verdoppelt. In absoluten Zahlen ausgedrückt muss man für Deutschland von ca. 1,9 Millionen übergewichtigen Kindern und Jugendlichen, davon ca. 800.000 adipösen, ausgehen.4
Besonders Kinder sind durch falsche Ernährung und Einübung falscher Ernährungsgewohnheiten gefährdet. Einmal benötigen sie für die optimale Entwicklung von Körper und Geist ökologische und beste Lebensmittel. Zum anderen entfalten im Kindesalter antrainierte Ernährungsfehler ihre krankmachende Wirkung zunehmend während der gesamtem Lebenszeit. Die bereits in der Kindheit angelegten gesundheitsrelevanten Defizite erhöhen mit zunehmendem Alter massiv die Gesundheitsrisiken. Sie später zu korrigieren ist schwierig, aufwändig und sehr teuer. Die Kosten fallen nur zum Teil bei den Selbstzahlern an, das Gros der Kosten wird im Gesundheitssystem verbucht. Die Verschärfung der schon sehr angespannten finanziellen Situation des Gesundheitssystems ist leicht prognostizierbar.
Trotz umfassender Präventionsprogramme der Krankenkassen und Programmen an Schulen und Kindergärten hat sich die Anzahl der adipösen Kinder nicht verringert, sondern verdoppelt. Sehr viele Eltern, viele Kindergärten und Schulen wirken bereits auf eine vorbildliche Ernährungserziehung hin. Dennoch sind die negativen Auswirkungen falscher Ernährung offensichtlich. Die Fehlimpulse der permanenten Werbung sind sehr wirksam. Nicht umsonst werden hohe Summen in Werbung und sonstige Marketingmaßnahmen investiert. Die größte Summe fließt dabei an die Fernsehanstalten. 2011 waren dies insgesamt 3 981 Mio € .5 Dem gegenüber relativieren sich die Anstrengungen der ErnährungserzieherInnen, die ihre Arbeit zunehmend als Kampf gegen Windmühlen empfinden.
Die Gesamtwerbeausgaben der deutschen Nahrungsmittelbranche für 2011 sind rund 696 Millionen Euro für Süßwarenwerbung, plus 26,5 Millionen für Eiscreme und 41 Millionen für Brotaufstrich, aber gerade mal 7,3 Millionen für Obst und Gemüse.6
Fakt ist, dass die Ursachen für Übergewicht komplex sind. Mangelnde Bewegung und falsches Ernährungsverhalten wären hier genauso zu nennen wie die Rolle der Erbanlagen. Unbestritten bleibt aber, dass eine der Ursache dieses Phänomens der tägliche Fernsehkonsum der Kinder ist. In Kindersendungen wird vermehrt Werbung für Süßigkeiten und Junkfood geschaltet. (Jedes Kind sieht ca. 20.000 – 40.000 Werbespots pro Jahr). Kinder können diese Werbeaussagen nicht ausreichend differenzieren. „Etwa 65 % der Werbung, die sich an Kinder richtet, gilt Nahrungsmitteln, die wiederum zu 100 % ungesund sind. Die Folge ist eine epidemieartige Zunahme von Fettleibigkeit und sogar Altersdiabetes schon bei Kindern und Jugendlichen“7.
Eltern haben es in diesem Umfeld sehr schwer, ihren Kindern klar zu machen, dass Werbung nicht immer Wahrheit ist und dass viele Nahrungsmittel zu süß, zu salzig und/oder zu fett sind und insgesamt eine zu hohe Energiedichte haben. Die oft geäußerte Forderung, sogenannte „Quengel“-Ware an Supermarktkassen zu verbieten ist als erster Schritt nicht geeignet. Kinder quengeln nur, wenn sie Dinge sehen, die sie bereits kennen. Sie kennen die dort angebotenen Waren aber meist aus der Fernsehwerbung.
1 Prof. Dr. Bertholt Koletzko, Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin (DGKJ) in: Thilo Bode Foodwatch (HG): Kinderlebensmittelreport 2012, Berlin 2012
2 Thilo Bode Foodwatch (HG): Kinderlebensmittelreport 2012, Berlin 2012, S. 8
3 Thomas Reinehr Vestische Kinder- und Jugendklinik Datteln (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr.med. W. Andler), Universität Witten/Herdecke in: Epidemiologie der Adipositas im Kindes- und Jugendalter, Diabetes aktuell 2007, S. 17
4 Vgl. RKI Robert-Koch-Institut: Lebensphasenspezifische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland Bericht für den Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, Berlin 2008, S.47
5 ZAW Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft e.V.
6 Vgl. Thilo Bode Foodwatch (HG): Kinderlebensmittelreport 2012, Berlin 2012, S 42f
7 Spitzer, Manfred: Dopamin & Käsekuchen – Hirnforschung à la carte“ Stuttgart, 2011
Kommentare
Wir freuen uns auf Meinungen zu diesem Artikel. Bitte beachtet unsere Nutzungsbedingungen.
Die Kommentarfunktion dient nicht dazu, direkt mit uns Kontakt aufzunehmen oder Fragen zu stellen. Dafür haben wir ein Kontaktformular.