Anträge und Tagesordnung

Pelze sind untragbar. -Haltungsverbot von Pelztieren in Deutschland und Einschränkung des weltweiten Pelzhandels

Nummer des Antrags: V-09 - Verschiedenes

AntragsstellerIn: KV Neu-Ulm

Wir fordern die Haltung von Pelztieren in Deutschland, wie schon seit Jahren in Österreich, der Schweiz und Großbritannien der Fall, zu verbieten.

Ergänzend zum bereits bestehenden europaweiten Handelsverbot von Robben-, Hunde- und Katzenfellen, fordern wir erst auf Bundes-, dann auf Europaebene weitere Handelsverbote und Beschränkungen für Pelzprodukte zu verabschieden, Straf- bzw. Luxussteuern auf Echtpelze zu erheben, sodass der Preis von Echtpelz über dem von Kunstpelz liegt und eine deutliche Kennzeichnungspflicht für Echtpelze und Produkte mit Pelzbestandteilen (z.B. Krägen/Applikationen) einzuführen. Falschauszeichnungen sind mit hohen Bußgeldern zu belegen.

Es ist zu verhindern dass deutsche Behörden oder Ministerien Modenschauen und Messen auf denen Pelze präsentiert werden, unterstützen oder gar fördern. Es muss von der Bundesrepublik Deutschland auf eine Verbesserung der Haltungsbedingungen von Pelztieren im Ausland, sowie ein Verbot der Fallenjagd und auf eine wirksame Einschränkung des Jagdtourismus z.B. nach Afrika  hingewirkt werden.

Hierzu sind in einem ersten Schritt, ergänzend zu Robben und Haustierfellen, weitere generelle Einfuhrverbote zuerst deutschlandweit und anschließend EU-weit einzuführen für: Felle und Pelze von gefährdeten Tierarten, auch von selbst geschossenen Tieren wie z.B. Schwarz-, Braun- und Grizzlybären, Elefanten, Nashörnern, Löwen, Leoparden, Giraffen usw. um tlw. vom Aussterben bedrohte Tierarten nicht durch Jagdtourismus weiter zu gefährden. Auch Schlupflöcher wie „Geschenke von anderen Jägern“ sind zu schließen.

Auch die grausamen Tötungsmethoden für Pelztiere v.a. analer/vaginaler Stromschlag und das Vergasen von Tieren mit Autoabgasen bzw. das in anderen Ländern verbreitete Erschlagenen oder gar die Häutung von noch lebenden Tieren müssen dringend durch zeitgemäße qualfreie Tötungsmethoden ersetzt werden um den Tieren unnötiges Leiden zu ersparen.

Alle oben genannten Forderungen sind sinngemäß auch auf Echsen zur Herstellung von Produkten aus Echsenleder anzuwenden.

Begründung:

In Deutschland und nahezu überall weltweit gibt es genügend Möglichkeiten auch ohne Pelze gut durch den Winter zu kommen. Dennoch werden pro Jahr 40. Millionen Tiere, darunter auch zahllose Katzen und Hunde für die Herstellung von Pelzen gezüchtet und getötet, davon mehr als 400.000 Tiere allein in Deutschland.

Durch Produktion und Import von Pelzen und die Aufzucht von Pelztieren wird der Welthunger vergrößert und das Klima geschädigt. Für einen einzigen Nerzmantel werden 3 Tonnen Futtermittel verschwendet. Er benötigt in der Herstellung 66 mal mehr Energie als ein vergleichbarer Kunstpelz. Das Fleisch von Pelztieren wird so gut wie nie verwendet und als Abfall entsorgt, sogar bei der Produktion von Kaninchenpelz. Hinzu kommt die Umweltbelastung durch die Behandlung des Felles mit Chemikalien. Mit Webpelz gibt es die umwelt- und tierfreundliche Möglichkeit einer täuschend echten Nachbildung von Pelz, auch für Applikationen.

Dank Bemühungen von Tierschutzorganisationen waren Pelzmäntel in Deutschland, außer in speziellen Leder- und Pelzgeschäften, vor einigen Jahren nur noch sehr selten im Handel und in den Fußgängerzonen anzutreffen. Nach und nach ist Echtpelz jedoch wieder in die Modewelt und damit in die großen Bekleidungshäuser zurückgekehrt und es sind wieder vermehrt Pelze in Form von Applikationen bis hin zu Bommeln an Mützen und ganzen Pelzmänteln in den Läden zu sehen und mit dem Angebot kommen auch die Käufer.

Viele unbedarfte Konsumenten kaufen Mäntel mit Echtpelzkragen ohne über das Tierleid und die Umweltfolgen nachzudenken oder wissen nicht dass es sich um Echtpelze handelt. Wenn man bedenkt dass z.B. 150 Chinchillas oder 50 Nerze allein für einen einzigen Mantel grausam mit Autoabgasen vergast, erschlagen oder mit einem vaginalen oder rektalen Stromschlag getötet werden; eine unvorstellbare und vor allem unnötige Grausamkeit; zeigt sich dringender Handlungsbedarf.

Die geforderten Maßnahmen sollen dazu beitragen dass die Produktion von Pelzen in Deutschland verboten wird und die Preise für echte Pelze in Deutschland deutlich über denen von Kunstpelz liegen. Wo das Tragen von Pelzen nicht generell verhindert werden kann, müssen zumindest die Lebensbedingungen der Tiere, die im Ausland Ihres Pelzes wegen getötet werden, verbessert werden.

Pelztierhaltung in Deutschland:

In Deutschland werden jährlich ca. 400.000 Tiere in ca. 30 Farmen für die reine Pelzproduktion gezüchtet und getötet. Über die Zahl der Chinchilla-Zuchten gibt es keine Angaben. Bei der Zucht von Nerzen und Füchsen werden auch heute noch, nach über 5 Jahren Übergangsfrist, die Vorschriften aus der Pelztierverordnung von 2006 auf keiner einzigen Farm eingehalten und Nerze weiter in 0,27 Quadratmeter großen Käfigen gehalten und als Wassertiere ohne Zugang zu Wasser. Ziel ist die bereits langen Übergangsfristen mit einer Klage weiter hinauszuzögern. Begründung der Pelztiefarmen ist, dass es sich bei den in Gefangenschaft lebenden Nerzen nicht mehr um Wildtiere handle. Bis zu einer endgültigen gerichtlichen Entscheidung betreiben die Farmen die Pelzzucht in zahlreichen Bundesländern einfach weiter.

In Anbetracht dieser Tatsachen ein sofortiges generelles Verbot von Pelztierfarmen in Deutschland, wie es bereits seit Jahren in Österreich, der Schweiz und Großbritannien gilt längst überfällig.

Auszug aus dem österreichischen Tierschutzgesetz: „Die Haltung von Pelztieren zur Pelzgewinnung ist verboten.“.  Der vom Tierschutzgesetz in § 1 geforderte vernünftige Grund um einem Tier Schmerzen oder Leiden zuzufügen, ist bei der Produktion und Tötung von Pelztieren nicht gegeben.

Pelzhandel in Deutschland:

Nachdem jedoch ein Großteil der in Deutschland verkauften Pelze/Pelzprodukte aus dem Ausland importiert wird, besteht auch hier dringender Handlungsbedarf. 40. Millionen grausam gehaltene und getötete Pelztiere weltweit sind nicht hinnehmbar.

Bereits seit 01. Januar 2009 gilt ein EU-weites Import-und Handelsverbot von sogenannten Haustierfellen (Hunden- und Katzenfellen). Auch bezüglich Robbenfellen gibt es seit 2009 ein weitreichendes EU-weites-Einfuhrverbot. Das kann nur ein Etappensieg, aber noch lange nicht das Ende sein.

Über 50 % der in Deutschland verkauften Pelzprodukte stammen aus China und zahlreiche weitere aus Ländern mit ähnlich niedrigen Tierschutzstandards und unsicherem Urkundswesen.

Somit ist ein sofortiges generelles Einfuhrverbot, für Pelze die außerhalb Deutschlands produziert werden und nicht einmal den Haltungsbedingungen der deutschen Pelztierhaltungsverordnung von 2006 entsprechen und für Wildtiere die beispielsweise mit grausamen Fallen gefangen werden, sofern dies nicht geltendem europäischen Recht widersprucht, dringend nötig. Auch die Tötungsmethoden für Pelztiere bedürfen unbedingt einer Überprüfung hinsichtlich unnötigen Leidens, welches ein sofortiges Importverbot nach sich ziehen muss.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie unter Philip Rösler präsentierte noch dieses Jahr den deutschen Pelz-Pavillon auf der Pelzmesse „Hong Kong International Fur & Fashion Fair 2012“ und unterstützt somit diese grausame und rückschrittliche Kleidung, noch dazu in China dass sich gerade durch besonders laxe Tierschutzauflagen auszeichnet. Mit oben genannten Maßnahmen soll verhindert werden, dass Veranstaltungen auf denen u.a. auch Pelze gezeigt werden, z.B. Modenschauen, Messen, auch noch staatlich gefördert oder unterstützt werden. Vielmehr sollen beispielsweise das Umweltministerium und das Verbraucherschutzministerium Alternativen fördern und Aufklärungsarbeit in diesem Sektor unterstützen.

Pelze die z.B. in Europa hergestellt wurden und aufgrund geltenden EU-Rechts in Deutschland vertrieben werden dürfen, müssen deutlich als Echtpelz gekennzeichnet werden. Auch kleinere und kleinste Pelzapplikationen, die mittlerweile eine Haupteinnahmequelle der Pelzindustrie sind müssen deutlich als Echtpelz kenntlich gemacht werden. Auch muss die wissenschaftliche Bezeichnung der Tierart und das produzierende Land deutlich aus der Kennzeichnung hervorgehen. Ziel muss hier der mündige Verbraucher sein. Die richtige Kennzeichnung (Echtpelz und von welcher Tierart) muss von den zuständigen Aufsichtsbehörden in regelmäßigen Abständen überprüft werden, bei Falschauszeichnung mit hohen Bußgeldern für den entsprechenden Einzelhandel geahndet werden.

Im Anschluss an einen deutschen Vorstoß, sollen wo möglich ein Haltungsverbot zumindest jedoch verbindliche Mindeststandards für Pelztierhaltung zunächst auf EU-Ebene, später weltweit angestrebt werden z.B. über die offene Methode der Koordinierung. Die Bundesrepublik soll sich zusammen mit Österreich, der Schweiz und Großbritannien bei der WTO für weitere weltweite Handelsbeschränkungen, Verbote von Pelzprodukten weiterer Tierarten einsetzen und für ein weltweites Verbot der Fallenjagd.

Pelzmäntel und Artikel mit Pelz müssen so deutlich gekennzeichnet werden, dass für den Verbraucher auf den ersten Blick ersichtlich wird, dass es sich um echten Pelz handelt. Eine deutliche Kennzeichnungspflicht muss gerade auch für Onlinehandel und den Versandhandel gelten (ggf. Trennung in eigener Rubrik „Echtpelz“)

Desweiteren ist eine Straf- bzw. Luxussteuer für Echtpelze dringend notwendig um sicherzustellen, dass diese in der Produktion nicht günstiger sind als Mäntel ohne Pelz(-besatz) und umweltschonendere und tierfreundlichere Alternativen wie z.B. Webpelz.

In einem nächsten Schritt ist auch die Pelztierhaltungsverordnung von 2006 als Maßstab für Importpelze regelmäßig daraufhin zu überprüfen, ob diese mit ihren Käfiggrößen und geforderten Beschäftigungsmöglichkeiten, dem aktuellen Erkenntnisstand über das artgerechte Verhalten dieser Tiere entspricht.

Kommentare

Kommentar

Wir freuen uns auf Meinungen zu diesem Artikel. Bitte beachtet unsere Nutzungsbedingungen.
Die Kommentarfunktion dient nicht dazu, direkt mit uns Kontakt aufzunehmen oder Fragen zu stellen. Dafür haben wir ein Kontaktformular.



CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz

Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.