Aus der Mitte der Bevölkerung

Auf der Bundespressekonferenz am 4. Juni stellten BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und die SPD den gemeinsamen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten vor: Joachim Gauck. Gleichwohl ist der Bürgerrechtler und Theologe kein rot-grüner Parteipolitiker, sondern ein unabhängiger Kandidat, der nicht immer die gleiche Meinung vertritt, wie jene, die ihn nominiert haben.

  • 01.01.1970
    Auf der Bundespressekonferenz am 4. Juni stellten Cem Özdemir, Bundesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Jürgen Tritten, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag, Sigmar Gabriel, Parteivorsitzender der SPD und Frank-Walther Steinmeier, Fraktionsvorsitzender der SPD im Bundestag, den gemeinsamen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten vor: Joachim Gauck.
     
  • 01.01.1970
    Auszüge aus Joachim Gaucks Statment im Wortlaut: "Als ich geboren wurde, war Krieg und es herrschte eine finstere, braune Diktatur. Und danach, Zeit meiner Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter, da herrschte auch eine finstere, aber wieder andere Diktatur. Eine, die Menschen entmächtigt hat. Die Menschen Lebensräume und Freiheit genommen hat. Und ich hatte das wunderbare Glück, Teilnehmer einer Freiheitsrevolution zu sein, von der die wenigsten meines Alters gemeint hätten, sie würden sie erleben. (…) Und so entstand jene stürmische Bewegung in Sachsen und anderswo, die dazu führte, dass wir ein vereinigtes Deutschland bekommen haben.
     
  • 01.01.1970
    Einer meiner Lehrsätze lautet seit vielen Jahren: Nie vergessen, vor der Einheit kam die Freiheit. Ohne diesen Freiheitswillen derer, die man so lange um ihre Freiheit und Bürgerrechte gebracht hatte, säßen wir in dieser Form hier nicht zusammen und gebe es dieses Deutschland nicht. Und das ist die prägende Zeit meines Lebens.
     
  • 01.01.1970
    Damals habe ich begriffen, dass es sich ganz einfach lebt in Ohnmacht. Nicht schön, aber einfach. Es ist alles geregelt, für die, die als Insassen eines Systems leben, das auf institutionelle Ohnmacht der Vielen setzt. (...) Seit der Zeit weiß ich, dass Angst etwas Normales ist, im privaten wie im politischen Leben. Aber noch stärker weiß ich, dass Angst nicht der Kompass eines Lebens sein kann. In keiner Krise übrigens, in keiner privaten und keiner öffentlichen.
     
  • 01.01.1970
    Und derzeit, in dieser verängstigten, westeuropäischen Sorgenmentalität möchte ich sagen, es gibt in diesem Land vielleicht eine ganze Generation von Menschen, die schlimmere Krisen durchlebt und die gelernt hat, Angst macht kleine Augen. Sie ist menschlich, aber sie ist nicht der Ratgeber, der Fantasie, Kraft und Zukunft in uns entstehen lässt. Deshalb habe ich immer nach Elementen von Ermutigung gesucht. Und deshalb hören sie heute, dass ich ein Ermutiger sei. Das mag sein, ich bin aber auch ermutigt worden. Von mutigen Frauen und Männern in meiner Umgebung, die mich an die Stelle gerufen haben, in Rostock 1989, wo ich stehen sollte.
     
  • 01.01.1970
    In diesem Miteinander von Ermutigten sehe ich Zukunftsperspektiven für unser Land. Natürlich bringt es manchmal publizistischen Gewinn, wenn man die aktuellen Ängste einer Gesellschaft noch aufhübscht und in gebrauchsfähigen Dosen jedem einzelnen anbietet. Klar kann man damit Aufmerksamkeit erregen, aber eben keine Zukunft.
     
  • 01.01.1970
    Darum möchte ich gerne, dass mit meiner Kandidatur Folgendes deutlich wird: In diesem Land gibt es nicht nur etablierte und gewählte und berufene Instanzen und Politiker, die diese Demokratie gestalten, bewahren, schützen und verteidigen. Sondern neben diesen und ihren Parteien gibt es Netzwerke engagierter Bürger. Dieser Staat ist nicht nur der Staat derer, die Staat machen in ihm. Sondern es ist der Staat derer, die als Bürger in freien Verbänden, in Gemeinschaften, in Vereinen und als einzelne Intellektuelle sich Sorgen machen um unsere Zukunft.
     
  • 01.01.1970
    Und ich trete aus der Mitte dieser Bevölkerung an, nicht weil ich unbedingt ein Amt anstrebe. Ich werde es annehmen, um Verantwortung zu tragen, wenn andere der Meinung sind. Aber ich werde auch ohne dieses Amt Teil jener Bevölkerung sein, die neben unseren Politikern sagt: Das ist unsere Demokratie, das ist unsere Freiheit. Und wir müssen diese bittere und wirklich schwer wiegende Distanz zwischen den Regierenden und den Regierten stärker in den Blick nehmen. Wir müssen sie überwinden. Und wir müssen uns vor allen Dingen nicht gegenseitig entmutigen, sondern ermutigen.
     
  •  

    Joachim Gaucks Vorstellung in der Bundespressekonferenz

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Glückwunsch, Christian Wulff! Danke, Joachim Gauck!

Christian Wulff wurde am 30. Juni 2010 von der 14. Bundesversammlung zum Bundespräsidenten gewählt. Wir blicken auf drei Wochen zurück, in denen Kandidat Joachim Gauck die Herzen und Köpfe der Menschen erreichte.

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Wir wollen keine Partei-Pappfiguren

Über einen Bundespräsidenten, an dem man sich reiben kann, die Personalpoltik der FDP und die Rechtschreibschwäche der Bundesregierung.

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Überwachung stoppen!

Tausende setzten sich auf der Demo "Freiheit statt Angst" für Bürgerrechte und einen modernen Datenschutz ein.

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Mädchen in die Politik!

Was junge Frauen über Wirtschaft, Job und die Zukunft denken

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"Wir sind das Volk"

Joachim Gauck über sein Leben, seine Ideale, Bürgersinn in allen Schichten und Menschen, die nach ihren Möglichkeiten den Staat tragen.

Kommentare

17-06-10 20:39
Herr Gauck wird Präsident, macht seine fünf Jahre und genießt danach das Alter. Ist doch ideal. Ein Mensch, der die Generationen verbindet. Der die schwierige Nachkriegszeit miterlebt hat, der die zweite deutsche Diktatur erlebt hat.

Er darf das, was sich Millionen von Menschen gewünscht haben: In einem freien Deutschland leben, er darf in einem Deutschland leben, dass mit seinen Nachbarländern friedlich zusammensteht und aus der Vielfalt gestärkt wird. Ohne die europäische Einheit, wäre es noch viel schlimmer gekommen, als es aktuell der Fall ist. Dies dürfen wir nicht vergessen.

Joachim Gauck hat Charisma, er ist hoch geachtet. Er kann Deutschland gut nach Innen und Außen vertreten. Er hat sehr wohl politische Erfahrung und er weiß, wovon er redet.

Ich bin mir sicher, dass er den Menschen in dieser schweren Zeit Mut zusprechen kann.

Der Sieg von Lena Meyer-Landrut beim Eurovision Songcontest in Norwegen, der erfolgreiche Auftakt der deutschen Fußballnationalmannschaft in Südafrika haben für einen kurzen Augenblick den Menschen das Gefühl von Stolz, Freude und Zuversicht gegeben. Ich bin mir sicher, dass Herr Joachim Gauck auch dieses Können hat.

Wir alle müssen anpacken für UNSER Land.

Anmut sparet nicht, noch Mühe,
Leidenschaft nicht, noch Verstand,
auf dass unser Deutschland blühe...

Wenn wir unsere Kräfte und unser Können nicht HEUTE einsetzen, wann dann?
Günter Frigge
15-06-10 10:14
Einen 70-jährigen zum Bundespräsidenten zu machen finde ich nicht gut.Herr Gauck ist doch für seine Arbeit bezahlt worden.Seine Verdienste für Deutschland hat man doch gewürdigt! Er soll seine Rente genissen.

Mit freundlichem Gruss
Günter Frigge
K. S.
13-06-10 20:35
Also ich halte die Nominierung von Gauck für die schwächste "Leistung" der Grünen seit den Jugoslawien-Kriegen!

Ich war schon zu einem Zeitpunkt auf DDR-Demos, als auch eine Eskalation a la Tiananmen-Massaker möglich schien. Trotzdem ist eine Schwarzweiß-Malerei a la Gauck absolut nicht mein Ding, bei der Erarbeitung langfristig tragbarer Gesellschaftsmodelle scheint mir ein Kommunistenfresser keine konstruktive Triebkraft zu sein.

Mit freundlichen Grüßen
von einem West-Berliner Ossi
Ben
09-06-10 18:01
da haben wir beide das nicht ganz richtig verstanden. Es war mir nicht klar, auf welchen Kommentar Du jetzt Bezug genommen hast.
09-06-10 10:36
ja, da habe ich mich wohl nicht klar genug ausgedrückt (es geht nicht um reibereien zwischen opposition und regierung, sondern darum, dass es menschen gibt, die meinen, es dürfe nur der eine kandidat für das amt des bundespräsidenten, der auch von den regierungsparteien aufgestellt wurde, gewählt werden). ich bin nur der meinung, dass diese kommentare hier nicht hingehören. wenn es sachliche kritik an der aufstellung der kandidatur von herrn gauck bzw. herrn wulff gibt, dann darf man die sicherlich äußern- keine frage. aber einer partei aus der opposition vorwerfen, sie wollen mit ihrem vorschlag eines gegenkandidaten für dieses amt nur unfrieden stiften, finde ich ungeheuherlich und demokratiefeindlich! Opposition kommt vom lateinischen Verb opponere und bedeutet "entgegenstellen"- nicht "unfrieden stiften"! es ist aufgabe der opposition, einen kandidaten dem vorgeschlagenen kandidaten der regierungspartei bzw. -parteien entgegenzustellen. die demokratie lebt von der vielfalt der meinungen, von dem recht, diese zu äußern und von einer opposition, die die regierung daran erinnert, dass es auch die anderen meinungen gibt! es ist doch eine selbstverständlichkeit, dass dieser grundsatz gilt, welche parteien auch immer gerade an der regierung oder in der opposition sind!
Ben
08-06-10 16:30
Na ja, unfair ist es schon, auf einzelne Mitglieder herumzuhacken, nur weil sie einmal anderer Meinung sind. Also von daher ist die Kritik an die Regierungsparteien, die Druck ausüben, damit die rechnerische Mehrheit auch eine reale Mehrheit ist, gerechtfertigt.

Die Frage ist natürlich, hätten SPD und Grüne, wenn sie eine rechnerische Mehrheit hätten und sich einige Mitglieder den Gegenkandidaten näher fühlen würden, anders reagiert? (Dies ist jetzt nur als Frage gemeint.)

Ich denke mal, es geht auch um gewisse moralische Werte: Man kann nicht einfach sagen: "Du musst für den und den stimmen und den darfst Du nicht wählen." Es geht hier wahrscheinlich eher auch darum, als um eine Auseinandersetzung zwischen Opposition und Regierung.

Und zum Thema Kandidaten: Jede Partei der Bundesversammlung hat selbstverständlich das Recht, einen eigenen Kandidaten aufzustellen. Das gehört zur Demokratie. Wäre ja schlimm, wenn es nur einen geben würde, den man wählen kann.

Am besten, wir halten uns alle an eine klare Regel: "Ich lasse Dir Deine Wahl, also lasse Du mir meine." Wer für Wullf ist wird seine Gründe dafür haben, wer für Gauck ist, wird auch seine Gründe dafür haben. Die Demokratie lebt von der Vielfalt - gerade von der Vielfalt der Meinungen.
08-06-10 09:34
wer diese feindlichen kommentare hier ablässt, der hat sich doch schon längst selbst als anhänger eines politischen lagers geoutet- absolut kontraproduktiv an dieser stelle! ich erinnere daran, dass es hier um den zukünftigen bundespräsidenten geht. nicht um irgendwelche reibereien zwischen opposition und regierung!
svenni
07-06-10 22:31
natürlich mussten die grünen gleich einen gegenkandidaten präsentieren, nein, nicht weil sie aus überzeugung einen präsentieren wollen, sondern nur aus protest und um unfrieden zu stiften, da man es sich ja zur bundestagswahl auf die fahne geschrieben hat.

merken denn die grünen überhaupt nicht das sie einen nur noch auf den zünder gehen mit dieser kleinkarieren kinderkacke!!??

dieses land steht vor gewaltigen problemen, nur die grünen haben bis jetzt nicht ein einziges gelöst.
Es reicht jetzt wirklich!
07-06-10 19:35
Manche Leute haben echt Probleme.

Dass manche von den Jungen Liberalen und der Jungen Union sich für Herrn Gauck aussprechen ist doch kein Verbrechen! Wir leben hier in einer Demokratie - oder nicht?

Ich finde es das Letzte, auf Parteimitglieder so einen Druck auszuüben, doch ja für Wulff zu stimmen. Es ist zum Fremdschämen, dass Menschen nicht einmal mehr ihre Meinung sagen dürfen, sondern immer nur die Parteilinie abnicken müssen. Solche Sachen habe ich satt.

Die Zeiten, wo ein "Nein" für Isolation stand, sollten vorbei sein.

Mir tun diejenigen in der FDP und Union leid, die am Liebsten für Herrn Gauck stimmen würden. Sie werden - sollten sie bei der Abstimmung ihren Herzen folgen und nicht einem Kalkül von Merkel, Westerwelle und Seehofer - parteiintern enormen Druck ausgesetzt sein. Und das finde ich das Letzte.

Die Landesverbände von Union und FDP sind bei der Kandidatensuche übergangen worden und diejenigen, die sich für Herrn Gauck aussprechen werden wohl dafür parteiintern gerügt werden.

Hut ab vor Menschen, wie Hildegard Hamm-Brücher, für ihren Mut!
Andreas Doser
07-06-10 17:57
Vorher hatte ich mich mit dem Thema des Bundespräsidenten auseinandergesetzt. Hier ist etwas, wo man Demokratie leben kann. Hatte ich vergessen. Es wäre jedenfalls ein guter Ansatz. www.deine-kommune.de
Kommentar

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