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30 grüne Jahre (8): Realos und Fundis

Wie war es, als die Grünen in den Bundestag einzogen? Oder später regierten? Diese und andere prägende Meilensteine der Grünen Chronik werden hier in 30 Geschichten anlässlich unseres 30. Geburtstags in Erinnerung gerufen.

Kampf der Strömungen

Jutta Ditfurth, damals Stadtverordnete in Frankfurt am Main, am 16.09.1984 beim Zumauern von Sprengstoffkammern an der Frankfurter Friedensbrücke. (Foto: Klaus Malorny)

Regierung oder Fundamentalopposition? Alternative im System oder zum System? Über diese Fragen tobt in den 80ern der Streit der Strömungen. „Realos“ und „Fundis“ bekämpfen sich mit einer außerhalb der Partei kaum nachvollziehbaren Schärfe und bis an den Rand der Selbstzerfleischung. Im Fokus der Auseinandersetzungen: Die erste rot-grüne Koalition in Hessen, die 1985 startet und 1987 scheitert.

Die „Fundis“ – also die Fundamentalisten – lehnen Kompromisse mit etablierten Parteien ab und sind radikal systemkritisch. Die „Realos“ – die Realpolitiker – wollen Koalitionen ermöglichen und das System von innen heraus reformieren. Sie sind der Meinung, man müsse zu Kompromissen bereit sein, um eine grüne Politik durchzusetzen.

Ein bekannter Vertreter des Realo-Flügels ist Joschka Fischer, von den Fundis ist Jutta Ditfurth besonders präsent. Ditfurth kritisiert später, dass DIE GRÜNEN unter den Realos ihre ureigenen Prinzipien etwa in der Friedensbewegung verwässerten. Die Auseinandersetzungen der Flügel gehen sogar soweit, dass sich DIE GRÜNEN in einigen Bundesländern spalten und einfach mit zwei Parteien antreten.

Später verlassen führende Fundis die GRÜNEN. Aber auch einige Realos ziehen ihre Konsequenzen: Der prominenteste Austritt ist wohl jener von Otto Schily, der die Partei 1989 verlässt und zur SPD wechselt.

Otto Schily, Joschka Fischer und Hubert Kleinert (von links) bei der BDK in Karlsruhe 1988. (Foto: Quelle unbekannt)

Man streitet sich aber auch über die festgelegte Trennung von Amt und Mandat sowie das Rotationsprinzip. Die Trennung von Amt und Mandat bedeutet, ein Bundestagsabgeordneter darf nicht weitere Parteiämter übernehmen. Das Rotationsprinzip legt fest, dass bei den Bundestags- und Landtagsmandaten jeweils nach zwei, später dann nach vier Jahren der nächste Abgeordnete von der jeweiligen Liste nachrückt.Vom Rotationsprinzip verabschiedet man sich Anfang der 90er Jahre, 2003 wird auch die Trennung von Amt und Mandat gelockert.

Diese intensiven innerparteilichen Auseinandersetzungen können den Erfolg der Grünen jedoch nicht aufhalten. Bei der Bundestagswahl 1987 kommen sie auf 8,3 Prozent und legen fast drei Prozent zu.

Heute heißen die Strömungen Flügel und gehen wesentlich zivilisierter miteinander um. „Linke“ und „Reformer“ strukturieren inhaltliche Debatten und bereiten Personalentscheidungen vor. Nicht wenige Mitglieder verorten sich jedoch unabhängig von den Flügeln.

Hier geht es zu allen Episoden unserer Serie "Grüne Geschichte(n)".

Weitere Jahreszahlen und Grüne Ereignisse finden Sie in unserer Überblicks-Chronik.

Quelle Abb.: Archiv Grünes Gedächtnis der Heinrich Böll Stiftung

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