Fleischeslust
Welche politische Dimension der Genuss von Schnitzel, Gulasch und Co. hat, erklärt die Heinrich Böll Stiftung in ihrem Fleischatlas. MEHR
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Wie war es, als die Grünen in den Bundestag einzogen? Oder später regierten? Diese und andere prägende Meilensteine der Grünen Chronik werden hier in 30 Geschichten anlässlich unseres 30. Geburtstags in Erinnerung gerufen.
Frühjahr 2007: „Green is the new red, white and blue”, schreibt Thomas Friedman in der New York Times und malt die US-Flagge grün an. Al Gore tourt mit der „Unbequemen Wahrheit“ durch die Welt, und Sir Nicolas Stern hat erstmals die Kosten des Klimawandels errechnet. In Deutschland schießen die Öko-Lifestyle-Ratgeber aus dem Boden. Dank aufsehenerregender wissenschaftlicher Studien hat der Klimaschutz den publizistischen Durchbruch geschafft. Plötzlich wollen alle grün sein: sogar Siemens, VW, McDonald‘s, die BILD-Zeitung und Angela Merkel. Nur an den Taten hapert es gewaltig – vor allem bei der Bundesregierung. Für die GRÜNEN ist der Öko-Hype eine Chance: Endlich stehen ihre Themen nicht mehr am Rand, sondern in der Mitte der Debatte. Im Wahljahr 2009 kann die Partei deshalb mit der selbstbewussten Botschaft antreten: „Aus der Krise hilft nur Grün.“

„Small is beautiful“ oder „global Denken, lokal handeln“ sind als grüne Maxime älter als unsere Partei: Freie Lebensentwürfe, Autarkie, ökologisch bewusstes Handeln, Wachstumskritik, globale und Zukunftsverantwortung brauchen dezentrale Lösungen, so die Philosophie. Wo die Industrie falsche Lösungen anbietet und die Konsum- und Mehrheitsgesellschaft in die falsche Richtung geht, ist Unabhängigkeit und selber machen gefragt.
In den USA ist dieses Lebensprinzip historisch und kulturell bedingt viel stärker verankert und ausgeprägt als in Deutschland. Aus Sicht dieser Bewegung und Philosophie, die sich stark auf den Autor Henry David Thoreau bezieht („Walden Oder Leben in den Wäldern“), ist der amerikanische Traum, es besser zu haben als das von Krieg, Unfreiheit, Dekadenz, Elend und Sünde geplagte Europa, schon im 19. Jahrhundert an seine Grenze gestoßen. Fortschritt heißt hier: Rückzug und Rückbesinnung auf die Natur.
Grün wird zur realpolitischen Option
Während wir GRÜNE in Europa bereits in Regierungsverantwortung über Laufzeiten von Atomkraftwerken und das Erneuerbare Energien-Gesetz verhandelten, galt „Grün“ in den USA immer noch als Hippie, Müsli, „Tree-hugging“ und schlimmstenfalls als „slightly European“, wie der New Yorker Autor und Kolumnist Thomas Friedman es vor einigen Jahren zusammenfasste. Auf keinen Fall galt Grün als konkrete Strategie oder Partei, als ein gangbarer Weg und ein realpolitische Option, um die Gesellschaft zu verändern.
Das hat sich grundlegend geändert. Zwar sind die klassischen amerikanischen Grünen immer noch zwischen „Tree-hugging“ und Kapitalismuskritik eingeklemmt, doch zugleich ist in den letzten Jahren eine grüne Bewegung in Orkanstärke über sie hinweggefegt.

Es braucht die grüne Revolution
Das Auge des Orkans ist in den Eliteuniversitäten und der „Environmental Technology“. Thomas Friedman analysiert in seinem Buch „The World is Flat. A Brief History of the 21st Century“, dass es angesichts der geopolitischen Verschiebungen auf den Märkten – China, Indien, Ölpreis u.a. – und angesichts der Klimakrise nichts weniger braucht als eine grüne Revolution. Wenn die USA die Krisen ernst nehmen und sowohl das Klimaproblem als auch den drohenden wirtschaftlichen Verfall abwenden wollen, so Friedman schon vor der letzten Wirtschaftskrise und hunderten Milliarden Dollar Konjunkturpaketen, dann muss es schleunigst und umfassend in eine grüne Transformation seiner Wirtschaft investieren.
„Running out of Planet to Exploit“ schrieb Krugman nüchtern und erklärte wie sein Kollege Friedman, dass wir erstens nicht die Zeit dafür haben, „small is beautiful“ zu praktizieren (und es vielleicht auch gar nicht wollen) - und darauf zu warten, dass alle mitmachen. Und zweitens war er der Meinung: „It's Easy Being Green“. Oder, anders gesagt. Das Land, dass sich am schnellsten auf die Ressourcenknappheit und die Innovationsrevolution bei den Umwelttechnologien einstellt, wird die globale Wirtschaftsmacht des 21. Jahrhunderts sein.
Süd-Korea investiert in grüne Technologien
Erinnern wir uns an das Krisenjahr 2009, just zur Europa- und Bundestagswahl. Die Krise bot schlagartig die Chance, durch die Zielrichtung der millardenschweren staatlichen Programme den Kurs der wirtschaftlichen Verhältnisse in eine Grüne Richtung zu lenken. In den USA hat Obama dies beispielsweise im Energiesektor nutzen können, andere wie Süd-Korea haben gar einen Großteil ihrer Finanzspritzen in grüne Technologien investiert. Die damalige Große Koalition war leider nicht fähig, dem vielen Steuergeld mehr als einen Schmerz lindernden Sinn zu geben.


Thomas Friedman und die Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman und Joseph Stieglitz hatten mit ihrer sehr offensiven Haltung unseren grünen wirtschaftspolitischen Kurs in Deutschland längst geprägt. Wir Grüne traten mit dem Grünen New Deal vor die Wähler, um die Wirtschaft in eine grüne Richtung zu lenken, die Finanzmärkte zu regulieren und die drohende Verschärfung der sozialen Desintegration aufzuhalten – und wir wurden selbst von der wirtschaftsfreundliche Fachpresse hoch gelobt. Die Financial Times Deutschland rief zur Wahl der Grünen bei der Europawahl auf und das Handelsblatt sprach am 13. März von der „Hoffnung auf den grünen Staat“.
Grün wird groß oder wir fallen krachend auf den Hosenboden
Sowohl Grüne Progressive in den USA als auch bei uns, glauben nicht daran, dass der amerikanische Traum aufs Land zurück in die Natur in das Dorf „Walden“ flüchten muss, wohin sich Thoreau zurückgezogen hatte. Zumal für neun Milliarden Menschen auf diesem Planeten nicht genügend „Walden“ zur Verfügung stehen werden. Wer 1969 auf dem Mond gelandet ist, kann im nächsten Jahrhundert auch die Grundlagen für global gerecht verteilten Wohlstand mit Effizienztechnologie „Made in America“ sorgen, so das hoffnungsvolle Argument: Entweder wird Grün groß oder wir werden alle krachend auf den Hosenboden fallen.
Es ist sicher so, dass wir global gesehen keine Zeit und aus westlicher Perspektive gesprochen auch nicht das Recht dazu haben, Postmaterialismus und Entsagung als Dogma zu verordnen. Ob es aber möglich ist, nicht den Lebensstil zu ändern, sondern vielmehr die Bereitstellung der dafür benötigten Mittel, bleibt ein offenes Risiko, das uns Grüne in diesem und in den kommenden Jahren noch ausgiebig beschäftigen wird. Können wir alle weiter Auto fahren und damit rechnen, dass sie ausreichend energieeffizient sein werden – oder müssen wir weniger Auto fahren?
Hier geht es zu allen Episoden unserer Serie "Grüne Geschichte(n)".
Weitere Jahreszahlen und Grüne Ereignisse finden Sie in unserer Überblicks-Chronik.
Quelle Abb.: Archiv Grünes Gedächtnis der Heinrich Böll Stiftung