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30 grüne Jahre (14): Parteitag in Neumünster 1991

Wie war es, als die Grünen in den Bundestag einzogen? Oder später regierten? Diese und andere prägende Meilensteine der Grünen Chronik werden hier in 30 Geschichten anlässlich unseres 30. Geburtstags in Erinnerung gerufen.

Aufbruch nach der Niederlage

Blick in die Holstenhalle, Veranstaltungsort der Bundesdelegiertenkonferenz vom 26. bis 28. April 1991 in Neumünster.

„Positiv betrachtet haben wir von unseren Nicht-mehr-WählerInnen den Auftrag erhalten einen inhaltlichen und strukturellen Neubeginn einzuleiten, der uns zu einer handlungsfähigen Partei mit einem klaren Profil macht“, schreiben DIE GRÜNEN in der Erklärung zum Parteitag von Neumünster. Das war Ende April 1991, knapp fünf Monate nach dem Wahldebakel der West-Grünen bei der Bundestagwahl. DIE GRÜNEN hatten mit dem Slogan „Alle reden von Deutschland. Wir reden vom Wetter“ den Wunsch einer breiten Bevölkerung nach Wiedervereinigung unterschätzt und kamen nicht in den Bundestag.

Werner Schulz, Gründungsmitglied des Bündnis 90 und von 1991 bis 1993 dessen Sprecher.

Die Ost-Grünen und das BÜNDNIS 90 zogen dagegen ins Parlament ein. DIE ZEIT zitiert damals in einem Artikel Werner Schulz, Bundestagsabgeordneter des Bündnis 90: „Das Bündnis halte den Grünen im Parlament 'die Plätze warm', versicherte er, sie müßten nur wieder die Partei des fröhlichen Aufbruchs werden."

Neugewählter Bundesvorstand in Neumünster. v.l.n.r.: Henry Selzer (Schatzmeister), Ludger Volmer (Sprecher), Heide Rühle (politische Geschäftsführerin) und Christine Weiske (Sprecherin).

Auch wenn der Parteitag heute immer noch vor allem mit dem Einsatz einer Wasserpistole und Jutta Ditfurths öffentlichen Partei-Austritt verbunden wird, war es doch in erster Linie ein Arbeitsparteitag. So gab es wichtige Satzungsänderungen: Die Sprecher/innen wurden von drei auf zwei begrenzt und bekamen von nun an eine Bezahlung. Außerdem wurden die politische und organisatorische Geschäftsführung auf zwei Schultern verteilt, die Rotation abgeschafft und der Länderrat als "kleiner Parteitag" eingerichtet.

Jutta Ditfurth bei ihrer Rede, Neumünster 1991.

Jutta Ditfurth, in den 80ern führende Vertreterin des Fundi-Flügels, beendete ihre Parteitagsrede mit den Sätzen: „Fakt ist: Es ist vorbei. Die Grünen sind nicht mehr unsere Partei.“ Mit Ditfurth verließen noch rund 40 weitere Grüne den Parteitag. Im Protokoll zu der Rede ist von starkem Beifall die Rede. Aber es war hier wohl eher als Zustimmung für ihren Abgang gemeint, denn die Parteilinken wurden für die Wahlniederlage veranwortlich gemacht. Jutta Ditfurth gründete später die Ökologische Linke. Die Partei konnte sich jedoch bundesweit parlamentarisch nicht durchsetzen.

„Das war damals eine ganz gesunde Abspaltung“, sagt Dietmar Strehl, damals Teilnehmer beim Parteitag in Neumünster und heute Schatzmeister von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. „Die Strukturveränderung führte dazu, dass die Partei professioneller wurde.“ 

 

Hier geht es zu allen Episoden unserer Serie "Grüne Geschichte(n)".

Weitere Jahreszahlen und Grüne Ereignisse finden Sie in unserer Überblicks-Chronik.

Quelle Abb.: Archiv Grünes Gedächtnis der Heinrich Böll Stiftung

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