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30 grüne Jahre (12): Bürgerrechtsbewegung in der DDR

Wie war es, als die Grünen in den Bundestag einzogen? Oder später regierten? Diese und andere prägende Meilensteine der Grünen Chronik werden hier in 30 Geschichten anlässlich unseres 30. Geburtstags in Erinnerung gerufen.

Kerzen schlagen Knüppel

Montagsdemonstration auf dem Georgiring in Leipzig, 16.10.1989.
Montagsdemonstration auf dem Georgiring in Leipzig, 16.10.1989.

"Wir waren auf alles vorbereitet, nur nicht auf Kerzen und auf Gebete”, soll DDR-Spitzenfunktionär Horst Sindermann kurz vor seinem Tod gestanden haben. Dem gewaltlosen Protest der Straße hat der morsche SED-Staat im Herbst 1989 nichts mehr entgegenzusetzen. Den Keim der friedlichen Revolution in der DDR legen mutige Bürgerrechts-, Umwelt- und Friedensaktivisten, die sich zu oppositionellen Bündnissen zusammenschließen: zur „Initiative für Frieden und Menschenrechte“, zu „Demokratie Jetzt“, zum „Unabhängigen Frauenverband“ und zum „Neuen Forum“.

Berlin, 09.04.1985, gegen 12:20 Uhr, das MfS observiert mit verstecker Kamera Gerd Poppe und Reinhard Weißhuhn, der sich auf dem Weg zur Arbeit befindet. Quelle: BStU-Kopie / Matthias-Domaschk-Archiv Berlin.
Berlin, 09.04.1985, gegen 12:20 Uhr, das MfS observiert mit verstecker Kamera Gerd Poppe und Reinhard Weißhuhn, der sich auf dem Weg zur Arbeit befindet. Quelle: BStU-Kopie / Matthias-Domaschk-Archiv Berlin.

Zur ersten freien Volkskammerwahl im März 1990 schließen sich diese Bürgerrechtsbewegungen zusammen und treten im „Bündnis 90“ und als Grüne Partei an – und werden von der CDU dominierten „Allianz für Deutschland“ an den Rand gedrängt. Die Kontakte zu westdeutschen GRÜNEN, die seit den 80er Jahren bestehen, werden in dieser Zeit schnell enger, bis zu einer gemeinsamen Partei wird aber noch einige Zeit vergehen.

Arbeitstreffen der Mitglieder des Neuen Forum in der Wohnung von Bärb l Bohley (1.v.l.) am 29.10.1989
Wolfgang Ullmann, Mitbegründer von „Demokratie Jetzt“, arbeitete den nicht mehr beschlossenen Entwurf für eine neue DDR-Verfassung aus.

Demokratie jetzt

Am 13. August 1989 trafen sich Mitglieder der "Initiative Absage an Praxis und Prinzip der Abgrenzung" (IAPPA) in der Berliner Bekenntnis-Gemeinde. Sie forderten eine oppositionelle Sammlungsbewegung zur demokratischen Erneuerung der DDR. Die IAPPA-Mitglieder riefen zur Gründung der Bürgerbewegung "Demokratie jetz"« auf. In dem Gründungsaufruf heißt es: "Der Sozialismus muss nun seine eigentliche, demokratische Gestalt finden, wenn er nicht geschichtlich verloren gehen soll." Gründungsmitglieder waren unter anderen Hans-Jürgen Fischbeck, Katrin Göring-Eckardt, Reinhard Lampe, Ludwig Mehlhorn, Ulrike Poppe, Wolfgang Ullmann und Konrad Weiß.

Initiative Frieden und Menschenrechte (IFM)
Die IFM, gegründet 1986, ist die erste kontinuierlich arbeitende Bürgerrechtsgruppe in der DDR. Mit dem "grenzfall" gibt sie ihre eigene Zeitschrift heraus. Mitbegründer waren Martin Böttger, Bärbel Bohley, Gerd Poppe, Werner Fischer, Thomas Rudoph, Ralf Hirsch, Wolfgang Templin und Reinhard Weißhuhn.

Neues Forum (NF)
In Grünheide bei Berlin versammelten sich am 9. September 1989 aus elf der 15 DDR Bezirke 30 Personen und gründeten das Neue Forum. Am 10. September 1989 wurde der Aufruf "Aufbruch 89 – Neues Forum" verbreitet. Unterschrieben wurde er unter anderen von Bärbel Bohley, Frank Eigenfeld, Katrin Eigenfeld, Rolf Heinrich, Katja Havemann, Sebastian Pflugbeil, Jens Reich, Reinhard Schult, Jutta Seidel und Hans-Jochen Tschiche. Das Neue Forum strebte im Gegensatz zu den anderen oppositionellen Organisationen von Anfang an einen legalen Status an.

Mehr Informationen zu dem Thema gibt es auch bei der Havemann Gesellschaft.

Hier geht es zu allen Episoden unserer Serie "Grüne Geschichte(n)".

Weitere Jahreszahlen und Grüne Ereignisse finden Sie in unserer Überblicks-Chronik.

Quelle Abb.: Archiv Grünes Gedächtnis der Heinrich Böll Stiftung

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