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Auf der grünen Frauenkonferenz in Bonn debattierten Vertreterinnen aus Wissenschaft, Politik und Journalismus zwei Tage lang, wie eine geschlechtergerechte Gesellschaft aussehen soll. Annelie Buntenbach, Mitglied im Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes, spricht im Interview über die Probleme von Teilzeitbeschäftigung und die längst überfällige Aufwertung von Care-Arbeit.

Welche Erwartungen bringen Sie als Gewerkschafterin mit auf eine Grüne Frauenkonferenz?
Ich hoffe vor allem, dass von der grünen Frauenkonferenz viele Impulse für die Gleichstellung in der Wirtschaft, bessere soziale Absicherung und mehr Teilhabe ausgehen werden.
Überwiegend Frauen arbeiten immer häufiger in Teilzeit. Wie sehen Sie diese Entwicklung und was ist aus ihrer Sicht zu tun?
Teilzeit ist für eine Reihe von Frauen und Männern eine bewusst gewählte Form der Arbeitszeitverkürzung, weil es für sie in einer bestimmten Phase ihres Lebens oder auch grundsätzlich eine gute Lösung darstellt. Dann muss die Teilzeitbeschäftigung aber gut abgesichert sein und möglichst mit der Möglichkeit auf Rückkehr in Vollzeit verbunden.
Das große Problem liegt darin, dass immer mehr Menschen, und das betrifft vor allem Frauen, in Teilzeit abgedrängt werden, obwohl sie lieber Vollzeit arbeiten wollen. Sei es, weil sie dadurch bessere berufliche Perspektiven haben oder weil sie von ihrer Teilzeittätigkeit überhaupt nicht leben können.
Das ist natürlich besonders schlimm, wenn sie über diese Teilzeitbeschäftigung, wie zum Beispiel Minijobs, aus der Sozialversicherung herausfallen und damit praktisch keine Chance mehr auf eine eigenständige soziale Absicherung haben. Deshalb müssen diese geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse wieder in den Schutz der Sozialversicherung integriert werden.
Gleichzeitig müssen gerade Frauen die Chance bekommen, voll am Erwerbsleben teilnehmen zu können, indem beispielsweise die Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Familie und Beruf für beide Partner verbessert werden. Dafür sind bei flexiblen Arbeitszeiten Kinderbetreuungsmöglichkeiten auch in Randzeiten nötig.
Das wären Schritte, die helfen, dass unfreiwillige Teilzeit vermieden wird. Menschen, die Vollzeit arbeiten wollen, sollen dies auch können. Gerade im Niedriglohnbereich arbeiten zu knapp zwei Drittel Frauen. Dort können viele nicht von einem vollen Job leben, mit Teilzeit hat man dort kaum eine Chance, über die Runden zu kommen. Da ist Teilzeit für viele Frauen überhaupt keine Perspektive. Wenn ihr Lohn höher wäre, sähe das schon etwas besser aus - ein existenzsichernder Mindestlohn wäre da ein Anfang.
Thema: Lohnungleichheit. Noch immer verdienen Frauen fast 23 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Viele Frauen arbeiten in schlecht bezahlten Berufen, oft im Care-Sektor. Was tun die Gewerkschaften, vor allem in den Tarifverhandlungen in diesen Bereichen, um dies zu ändern?
Es ist eine Schande, dass in unserer Gesellschaft die Menschen, die wirklich verantwortungsvolle Aufgaben in sozialen, erziehenden und pflegerischen Berufen übernehmen, so unglaublich schlecht bezahlt werden. Da müssen wir gegensteuern und uns natürlich auch die Kriterien bei den Tarifverhandlungen genauer anschauen. Es geht jedoch um eine ganze Reihe von Stellschrauben in diesem Bereich. Ganz entscheidend wird hierbei sein, ob wir es schaffen, diese Berufe gesellschaftlich auf zu werten. Das hieße auch, sie insgesamt besser bezahlt zu bekommen. Hier könnte uns der Fachkräftemangel, der sich zurzeit abzeichnet, in die Hände spielen. Das müssen wir nutzen.
Aber auch im sozialen Bereich haben wir es immer mehr mit Unterbietungsmechanismen zu tun, die die Löhne, zum Beispiel durch Out-Sourcing und Leiharbeit, immer weiter nach unten drücken.
Dem muss ein Riegel vorgeschoben werden. Es muss der Grundsatz gelten: gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit. Aber auch existenzsichernde Mindestlöhne sind hier ganz entscheidend.
Wir Gewerkschaften kämpfen für eine besser Entlohnung und bessere Lebensverhältnisse. Das haben wir gezeigt beim ErzieherInnenstreik im letzten Sommer und beim Streik in der Gebäudereinigung.
Welche frauenpolitischen Impulse erwarten Sie sich von Ministerin Schröder in den kommenden Jahren? Können wir nach ihren aktuellen Vorstößen auf eine Quotenreglung für Aufsichtsräte hoffen?
Meine Hoffnungen, dass Frau Ministerin Schröder für uns die frauenpolitische Welt jetzt richtet, sind doch sehr begrenzt. Ich glaube, hier werden wir die Ministerin zum Jagen tragen müssen. Ich erwarte nicht viel, wenn sie sich unter so offensichtlichen Schmerzen gerade einmal dazu durchringt, die Möglichkeit einer Quote für Aufsichtsräte als eine letzte Möglichkeit in ferner Zukunft zu nennen, statt sich offensiv für Frauenrechte einzusetzen. Da wird wohl noch gehöriger Zuspruch aller engagierter Frauen und Männer nötig sein, um das längst überfällige Gesetz zur Gleichstellung in der Privatwirtschaft auf dem Weg zu bringen.
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