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Grüne Opposition: Nur eigenständig gut

Als gestärkte, aber dennoch kleinste Fraktion im Bundestag befinden sich die Grünen zwischen den Fronten: Von ihnen wird einerseits erwartet, dass sie die schwarz-gelbe Regierung angreifen, andererseits stehen sie im Wettbewerb mit den beiden anderen Oppositionsparteien und müssen sich von diesen abgrenzen.

05.01.10
Lothar Probst - (c) Uni Bremen

Lothar Probst ist Professor am Institut für Politikwissenschaft der Universität Bremen.

Von Lothar Probst

Die nächsten vier Jahr sind eine ernsthafte Herausforderung für die Grünen. Zum einen wird die CDU versuchen, mit ihrem neuen Umweltminister Norbert Röttgen ein weiteres Politikfeld zu besetzen, das bisher nicht zu ihren Kernkompetenzen gehörte. Ob Röttgen seine programmatischen Ankündigungen umsetzen kann, ist offen. Aber dass es sich für die Union lohnt, ihre Kompetenzen auch in der Umweltpolitik zu stärken, steht außer Zweifel. Wie man für die Union mit einer solchen Strategie erfolgreich sein kann, hat Ursula von der Leyen vorgemacht. Die CDU ist bestrebt, sich weiter für Wählerschichten zu öffnen, die auch von den Grünen umworben werden.

Steuern - ein Grünes Thema

Auch das Steuerthema, das die FDP bisher als einzige Partei in den Mittelpunkt gestellt hat, verdient mehr Aufmerksamkeit. Als Mittelschichtenpartei sind die Grünen gefordert, hier ihre Position deutlicher zu machen. Bisher werden sie in erster Linie als Steuer- und Abgabenerhöhungspartei wahrgenommen. Ein Konzept für einen gerechten Umbau des Steuersystems mit ökologischen Lenkungseffekten, der nicht nur neue Steuern, sondern auch Entlastungseffekte bei der bisher relativ stark belasteten Mittelschicht einschließt, steht bei den Grünen noch aus.

Das Verhältnis zur SPD und Linken

Zum anderen wird die Konkurrenz zur SPD und zur Linken die Grünen in der Opposition mehr fordern als bisher. Es gibt zwar eine Reihe von Gemeinsamkeiten in der Ablehnung der Politik der schwarz-gelben Koalition, aber es gibt auch elementare Differenzen. Die SPD hat unter ihrem neuen Vorsitzenden bereits deutlich gemacht, dass sie die Grünen keineswegs schonen wird, sondern sich auf deren Kosten regenerieren will. Und die Linke ist nicht etwa daran interessiert, gemeinsam mit den Grünen eine ökologische Reformpolitik zu verwirklichen, sondern braucht sie allenfalls als Mehrheitsbeschaffer für eine Linkskoalition. Darüber hinaus fallen die Präferenzen der Grünen- und Linken-Wähler in einer ganzen Reihe von Fragen – von der Ökologie bis zur Außen- und Sicherheitspolitik – auseinander.

Ein Schlüsselthema in der Auseinandersetzung mit SPD und Linken ist die Frage, wie ein nachhaltiger Sozialstaat unter den Bedingungen der Globalisierung und der Beachtung der Generationengerechtigkeit funktionieren kann. Ein Wettbewerb darum, wer die meisten und höchsten Sozialleistungen verspricht, wäre die falsche Strategie. Eine solche Strategie kann sich nur die Linke leisten, die sich um Fragen der Finanzierbarkeit keine ernsten Gedanken macht. Allerdings könnten die Grünen stärker als Anwalt für diejenigen auftreten, die mit ihrem sozialen Armutsstatus zunehmend auch ihre Rechte als Staatsbürger einbüßen, weil sozialer Ausschluss in vielen Fällen gleichzeitig Ausschluss von demokratischer Teilhabe bedeutet.

Betonung der Eigenständigkeit

Die Oppositionsstrategie der Grünen müsste sich vor diesem Hintergrund vor allem von einem Prinzip leiten lassen: Betonung der Eigenständigkeit. Diese Strategie schließt ein gemeinsames Vorgehen mit den beiden anderen Oppositionsparteien nicht aus, bedeutet andererseits aber auch: keine Opposition gegen Schwarz-Gelb um jeden Preis. In beiden Fällen geht es für die Grünen darum, ausgehend von ihrem Kernthema Ökologie, das eigenständige Profil kenntlich zu machen. Dabei kommt es darauf an, ob und wie es den Grünen gelingt, Ökologie mit der Umsteuerung der Wirtschaft in Richtung grüner Wachstumsmärkte, mit nachhaltiger Finanzpolitik sowie mit Armutsbekämpfung zu verknüpfen. Darüber hinaus bleiben Bürgerrechte und demokratische Teilhabe zentrale Anliegen, in denen auch zukünftig eine eigene grüne Handschrift erkennbar sein müsste.

Lothar Probst ist Professor am Institut für Politikwissenschaft der Universität Bremen und leitet den Arbeitsbereich Wahl-, Parteien- und Partizipationsforschung.

Der Beitrag erschien in der Dezember-Ausgabe des schrägstrichs.

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Veronika - die Realität ist da!
06-01-10 09:24
So langsam mal ankommen?
Klaus Möhle
05-01-10 22:39
Der Glaube, dass die Wirtschaft ordnungspolitisch "gezwungen" werden muss ökologischer zu werden verkennnt, dass der Markt selber eine ökologisierende Dynamik entwickelt die 10 mal schneller umsteuert als Grüne Konzepte entwickelt werden können. Wer heute nicht sieht, dass die größere Aufgabe die Soziale Frage ist, geht meiner Meinung nach an Realtitäten vorbei. Wirtschaft muss verbunden gedacht werden. Ökonomie, Ökologie, und Soziales. In vielen Bereichen machen sich die Grünen überflüssig, weil die Vordenkereigenschaft abhanden gekommen ist.
Veronika
05-01-10 18:55
Die Stärke der Grünen ist: zur aktuellen Krise Konzepte zu haben, um langfristig Jobs zu schaffen. Die Betonung liegt auf Nachhaltigkeit und ökologisch. die CDU hat zwar die Umweltpolitik aufgegriffen, wird aber kaum etwas erreichen, weil sie unter dem Einfluss der Industrie steht (Parteispenden, Beratung in den Ministerien durch Lobbyisten/Schmiergelder).
Grüne stehen für Gerechtigkeit auf allen Ebenen. Es gibt z. B. in den Führungsetagen eine Doppelspitze aus Mann und Frau. Eben Gender Mainstreaming. Das hebt sie deutlich von anderen Parteien ab, wo das starke Geschlecht alzuoft bevorzugt wird.
Eine weitere Stärke ist die Fähigkeit, Unangenehmes anzupacken, und auch das Eigenintersse/Lobby nicht obenan sondern hintenan zu stellen. Manchmal ist die Selbstverleugnung schon fast zu viel.
Und das Wichtigste überhaupt: Was Grüne sagen, leben sie auch, und mobilisieren die Gesellschaft, aktiv mit zu machen. Das Internet wird dafür effizient genutzt. Damit sind die Grünen die glaubwürdigste Partei von allen.
Die Grünen sind aus einer Bürgerbewegung entstanden, die die Rechte der Bürger und Verbraucher sieht und durchsetzen möchte. Vom Ansatz her müsste hier mehr Demokratie möglich sein als bei anderen Parteien, die gerne bevormunden.
Das Thema Selbstständigkeit ergibt sich von selbst, wenn man nicht nach eigenen wichtigen Prinzipien handeln kann und zu viele Kompromisse eingehen muss. Die Integrität und Authentizität muss gewahrt bleiben.
Dirk
05-01-10 16:53
Eine Strategieempfehlung basiert in der Regel auf eine Analyse der Ziele und der Möglichkeiten und zieht dann daraus Konsequenzen. Das ist in dem Beitrag von Herrn Probst aber nicht der Fall. Welche Konsequenz sieht er aus der stärkeren Konkurrenz auf dem Gebiet der Umweltpolitik? Keine. Wie begründet er seine These, dass die Grünen eine Mittelschichtspartei sind? Gar nicht (Abgesehen davon verorten sich in Deutschland fast alle in der Mitte, Mittelschicht, Mittelstand oder auch als "kleiner Mann"). Und dass eine Partei eine andere Partei vor allem als Mehrheitsbeschaffer für eine Regierungskoalition schätzt, gilt nicht nur für die Linkspartei, sondern für alle Parteien. Also ingesamt sehr unbefriedigend der Beitrag. Ach so: eigenständig ist natürlich super und wichtig und so. Aber ist das für eine Partei nicht eine Selbstverständlichkeit?
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