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Gentechnik ist ein Risiko

Die grüne Spitzenkandidatin Renate Künast erklärt, warum Gentechnik weder auf dem Teller noch auf dem Acker etwas zu suchen hat

11.03.09

 

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26-01-10 17:46
Es ist schon interressant, wie ausgeprägt die öffentliche Meinungsbildung der Zuschreibung von Vorzügen der Planzengentechnik folgt und deren Feldzüge argumentativ meint unterstützen zu müssen, ob nun aus eigener Überzeugung oder im Interesse der treibenden Kräfte.
Die Beharrlichkeit der Verleugnung und Dissimulierung von Risiken ist beunruhigend. Und dafür wird stereotyp die Behauptung, es fehle an wissenschaftlichen Risikobeweisen und der Pauschalierung dass keine neue Technologie risikofrei sei.Das klingt recht klug, folgt aber rein der Befürworterideologie.
Es gibt wissenschaftliche Belege dafür, die man bei aufrichtigem Interesse an Gegenargumenten auch selbst ausfindig machen kann.
Unter der Frage, wem eine solche Technologie im Bereich Grundnahrungsmittel tatsächlich nutzt, ist äußerst kritische distanziertere Betrachtung sicher geboten.
Es wäre auch bisher hinreichend möglich die Menschen auf der Erde zu ernähren. Hunger in der Welt ist eine Frage von Geld und Macht. Und das wird es auch mit gentechnisch veränderten Lebensmitteln bleiben. Vor allem, wenn die gentechnisch reine Produktion verdrängt und verunreinigt wird. Ich kann schwer nachvollziehen, warum das so schwer zu begreifen ist, dass es viel weniger um fortschrittliche für Mensch und Umwelt vorteilhafte Entwicklungen als um
jedes noch nicht in überzähligen Studien nachgewiesene Risiko für zukünftiges Leben auf dem ganzen Planten im Interesse von mächtigen Geschäften oder profitabler Macht in Kauf zu nehmen.
Die Risikoleugner mögen sich einmal damit befassen, was gerade in Mexiko dem Ursprungsland von vielfältigen Maissorten durch Verunreinigung mit Genmais (gezielt oder nicht?), geschieht. Die Bauern werden zunehmend ihrer natürlichen Lebensgrundlagen beraubt un din die abhängigkeit von Chemie-Gen-Saatgutmonopolen gezwungen. Außerdem tauchen offensichtlich unkontrollierbar Mutationen und neue Pflanzenkrankheiten auf.
Die Gen-Mach-Bewegung unter dem Marketing von wissenschaftlich technischem Fortschritt ist weltweit angelegt. Aber vor allem in Europa gibt es mit den Grünen noch differenziert begründeten einen Widerstand.
Die Sache muss doch tatsächlich im ganzen Kontext und nicht nur technologisch gesehen werden.
Erschreckend, dass selbst wache Geister auf die breit angelegte Verharmlosungsstragie ansprechen.
Ist die Entfremdung von der Natur selbst bei an sich Grünen Anhängern doch teilweise fortgeschritten, dass nicht einmal die einfache Logik Gene von Lebewesen insbesondere von Grundnahrungsmittlen zu manipulieren, eben unberechbare Gefahren in sich birgt. Und die wollt Ihr Befürworter jetzt schon ausreichend berechnet haben. Züchtung mit direkter Genmanipulation gleichzusetzten ist naiv.
Für meine Begriffe werden hier sich hier Geschäfts- und Machtinteressen mit Hilfe politischer Institutionen (EU, Landesregierungen) möglichst durchgedrückt und die Risiken für Mensch und Natur vorsätzlich in Kauf genommen. Die Öffentlichkeit wird darüber getäuscht, nur zweckdienliche Wahrheiten kommen ans Licht und viele unterliegen der entsprechend manipulierten Meinungsbildung. Schade.
Andere Meinungsbilder und Beweise dafür gibt es längst, von kritischen Journalisten und Wissenschaftlicher recherchiert.
Wenn Ihr sie sucht, findet Ihr sie auch.
26-09-09 15:12
Ich kann mich Lukas Wilhelm nur anschliessen. Leider wird in dem Spot in keiner Weise erklärt, wieso grüne Gentechnik so furchtbar ist, sondern sie wird dargestellt wie das Böse schlechthin. Leider kann kein seriöser Wissenschaftler je behaupten, dass das Risiko einer neuen Technologie bei null liegt, ein Restrisiko - so klein und unwahrscheinlich es auch sein mag - wird aber leider gerne von Gegnern als Argument für den Einsatz neuer Technologien angeführt. Restrisiken gibt es bei allen neuen Technologien - Atomkraft, alternative Energien, Mobiltelefone und Gentechnik (ob rot oder grün). Ein kritischer Umgang ist für jede neue Technologie angeraten, eine pauschale Verteufelung dagegen verhindert Entwicklung und Fortschritt.

Anonym am 25.9. kritisiert, dass es nicht genügend Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen gibt. Dem kann ich nur zustimmen. Es sollte aber auch erwähnt sein, dass selbst der akademischen Forschung (hier ist nicht die Rede von grossen Saatgutkonzernen!) extreme bürokratische Hürden in den Weg gestellt werden, und die Durchführung von solchen Freilandversuchen sehr oft durch Aktivisten gestört wird. Um Risiken abzuschätzen sind Studien nötig - gleichzeitig heisst dies aber auch, dass sie ermöglicht werden müssen!

Frau Künast, sie bedauern, dass sie President Obama noch nicht kritisch zur Grünen Gentechnik geäussert habe. Die Tatsache, dass Sie dem amerikanischen Präsidenten keine eigene Meinung zu diesem Thema zugestehen, sondern eine bestimmte Haltung offensichtlich voraussetzen, finde ich sehr erschreckend. Gerade die Grünen haben sich doch sonst die freie Meinungsbildung auf die Fahnen geschrieben.

Ich bin an sich seit langer Zeit Anhängerin der Grünen. Die Pauschalisierungen zum Thema Grüne Gentechnik machen mir die Unterstützung dieser Partei im Moment aber leider (fast) unmöglich.
25-09-09 11:46
Grüne sind nicht ohne Grund gegen die Freisetzung von Gentech-Pflanzen in die Umwelt. Es gibt Studien, die deutliche Hinweise auf Risiken liefern - und es gibt auch immer noch viel zu wenig Studien. Die Auswirkungen gentechnisch veränderter Organismen auf die Umwelt sind bisher überhaupt nur bei etwa einem Prozent der weltweiten experimentellen Freisetzungen untersucht worden. Und zu den untersuchten Risiken gentechnisch veränderter Nahrungsmittel kann man bisher weltweit noch nicht einmal auf rund zehn wissenschaftlich anerkannte Studien von unabhängigen Instituten zurückgreifen. Dazu kommt, dass es kaum unabhängige Risikoforschung gibt, weil es hierfür zu wenig Forschungsgelder gibt. So wurden bisher die meisten Risikostudien von denen durchgeführt, die selbst ein Interesse an der Zulassung ihrer Produkte haben (Monsanto und Co.). Natürlich ist es wichtig, dass auch die Betreiber der Agro-Gentechnik selbst Studien durchführen. Aber genauso wichtig sind unabhängige Studien anderer Wissenschaftler, damit die Ergebnisse überprüfbar sind. Bestimmte Fragestellungen (z.B. Wirkung des Herbizids, Untersuchung des in der Gen-Pflanze produzierten Toxins nicht nur hinsichtlich der tödlichen Dosis, sondern auch der Auswirkungen des Giftes auf sublethale Aspekte wie Fress- oder Fortpflanzungsverhalten) werden zum Teil gar nicht untersucht. Darum sagen wir Grüne auch auf die Behauptung, dass Risiken nicht nachgewiesen wurden. "Nicht-bekannt" ist nicht gleichzusetzen mit "nicht-gefährlich", höchstens mit "nicht-untersucht".
Trotzdem gibt es natürlich inzwischen einige Studien, in denen Risiken durch herbizid- oder insektenresistente Gentech-Pflanzen nachgewiesen wurden (derzeit sind so gut wie alle Gentech-Pflanzen, die weltweit auf dem Markt sind und die in den Forschungspipelines der großen Agro-Gentechnik-Konzerne sind, herbizid- oder/und insektenresistent). Gerade weil Gentech-Pflanzen wie alle Organismen nicht rückholbar sind, wenn sie erst einmal in die Natur freigesetzt sind, sind wir Grüne hier für die strikte Anwendung des Vorsorgeprinzips.

Lukas Wilhem schreibt in seinem Kommentar, dass die gentechnische Veränderung von Pflanzen sei nichts anderes als Züchtung - und deswegen auch nicht gefährlich(er) - sei. Sorry, aber das ist schlicht falsch. Selbst die Befürworter der Agro-Gentechnik preisen den bekannten wesentlichen Unterschied ihrer Methode zur klassischen Züchtung: Mit der gentechnischen Veränderung können Gene zwischen verschiedenen Arten übertragen werden. Damit werden jedoch nicht nur Artgrenzen, sondern auch natürliche Schutzmechanismen überwunden, die sich im Laufe der Evolution als durchaus sinnvoll erwiesen haben. So gibt es zum Beispiel in der Natur bisher keine einzige Pflanze, die in allen Pflanzenteilen - sogar im Pollen - Gift erzeugt, erst Recht nicht Gift, das normalerweise von einem Bakterium produziert wird. Aber der gentechnisch veränderte Mais MON810, um den in Deutschland besonders gestritten wird, tut genau dies: Der Mais wurde gentechnisch so "umgerüstet", dass er selbst ein Pestizid ist und das Toxin wird sogar im Pollen produziert. Das Auskreuzungsproblem stellt vor allem auch ein sozio-ökonomisches Risiko für die gentechnikfreie Landwirtschaft dar, die sich mit zum Teil der sehr hohen Kosten vor ungewollten Verunreinigungen und zahlreichen teueren Analysen schützen muss. Aus grüner Sicht darf die Einführung einer neuen Technik in der Landwirtschaft nicht dazu führen, dass eine bereits bestehende Landwirtschaftsform (z.B. die ökologisch wirtschaftende Landwirte oder konventionell wirtschaftende Landwirte, die keine Agro-Gentechnik einsetzen wollen) oder zum Beispiel Imker, die ihren Kunden Honig ohne Gen-Pollen-Verunreinigungen verkaufen wollen, in ihrer Existenz bedroht wird. Wenn noch bedarf an Studien zum Thema ist, bitte an Sabine Riewenherm, Referentin für Biotechnologie und Bioethik der Bundestagsfraktion, wenden.
24-09-09 11:43
Den Kommentar von Lukas finde ich sehr treffend und diese Kritik ist mir selber allzu oft durch den Kopf gegangen.
Ich werde sehr wahrscheinlich die Gruenen am Sonntag waehlen, trotzdem find ich diese Argumentation, Gentechnik als "schlecht und boese" hinzustellen sehr einseitig. Schliesslich greifen wir durch Zuechtung,Kreuzung und Landschaftsgestaltung schon seit Jahrtausenden aufs Erheblichste in die Natur ein und das auch noch auf gut Glueck bzw. "try and error".
Die Gentechnik gibt uns hingegen die Chance, gezielt und kontrolliert zu forschen und dadurch auch eventuelle (Langzeit)-Folgen besser ab-und einzuschaetzen.
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