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Die Karte der Ungerechtigkeit

Männer und Frauen sind gleichberechtigt? Von wegen! Wir zeigen die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern in der EU

09.03.09
Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt im EU-Vergleich

Die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern in der EU. Klicke hier für die Großansicht

Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt?

"Da gibt es keinen gesetzgeberischen Handlungsbedarf", sagte Dr. Achim Dercks Anfang dieses Jahres. Herr Dercks ist stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Er sprach während einer Anhörung im Familienausschuss des Bundestages über die ungleichen Löhne von Männern und Frauen.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich in einem Interview mit der Zeitschrift EMMA gegen rechtliche Konsequenzen aus - obwohl ihr durchaus bewusst sei, dass Frauen im Schnitt immer noch bis zu 10 Prozent weniger verdienen als Männer. Sie wolle höchstens "von seiten der Politik immer wieder mahnen und Druck machen.”"

Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt

Kein Handlungsbedarf Frau Merkel, Herr Dercks? Unsere Karte zeichnet ein ganz anderes Bild. So traurig wie in Deutschland ist es in keiner anderen Industrienation Europas um die Gleichbehandlung von Männern und Frauen bestellt. Schlechter sind die Verhältnisse nur noch in Zypern, Estland und der Slowakei.

Warum das so ist? Dafür gibt es viele Gründe. Zum Beispiel werden typische Frauenberufe prinzipiell schlechter bezahlt als typische Männerberufe.

Unser Programm zur Bundestagswahl - Hier findest Du alle Informationen

Ursachen für mangelnde Gleichberechtigung

Häufig ist die Ursache in den unterschiedlichen Erwerbsbiografien zu finden. Frauen erziehen die Kinder und führen den Haushalt. Deshalb arbeiten sie häufig in Teilzeit. Teilzeit bedeutet: niedrigerer Lohn, weniger Berufserfahrung, geringere Aufstiegschancen. In der Folge verstärkt sich die traditionelle Rollenverteilung. Der Mann hat den Vollzeitjob, verdient mehr Geld, steigt auf.

Die zweite Ursache für den geringeren Verdienst von Frauen: Sie arbeiten in Berufen, die schlechter bezahlt sind als die typischen Männerdomänen. Eine Krankenschwester oder Altenpflegerin hat körperlich und geistig schwere Arbeit zu leisten. Ihre Tätigkeiten werden nicht angemessen entlohnt. Die Rechtslage macht es Frauen nicht einfacher. Es gibt kein Gleichstellungsgesetz, auf dessen Grundlage Frauen Gerechtigkeit einfordern können. Und wenn sie den Gang vor den Kadi wagen, folgt Problem Nummer zwei: Lohndiskriminierung stichhaltig nachzuweisen, ist fast unmöglich. Deshalb ziehen zuwenig Frauen in den Kampf für gerechte Bezahlung.

Mittel gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz

Kampf und Durchsetzungsvermögen sind auch bei Gehaltsverhandlungen nötig. Doch darin schlagen sich Männer häufig erfolgreicher als Frauen. Frauen sind in ihrem Verhalten konsensorientierter und weniger aggressiv.

Nicht natürlicherweise, denn solche Unterschiede zwischen Mann und Frau entstehen durch Sozialisation, also Erziehung, Medien, gesellschaftliche Normen und persönliche Erfahrungen. Sozialisation prägt ebenso das männliche Verhalten, bewusst oder unbewusst. Häufig befördert ein Chef bei gleicher Bezahlung eher einen Mann. Und so bleiben die Vorstandsvorsitzenden unter sich.

Diese Faktoren bilden einen Kreislauf, der nur schwer zu durchbrechen ist.

Was wir für mehr Gleichstellung tun wollen

Kann es sein, dass auch nach 50 Jahren Kampf für die Gleichberechtigung niemand in der Lage ist, gleiche Löhne für Frauen und Männer durchzusetzen? Nicht die Wirtschaft, nicht die Gesellschaft und auch nicht der Staat?

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wollen das nicht länger hinnehmen. Wir fordern:

  • Gleiche Löhne für Männer und Frauen - und nicht nur Lippenbekenntnisse wie die der SPD
  • ein Verbandsklagerecht, das es Frauen leichter macht, Lohngerechtigkeit einzuklagen
  • Unternehmen, die flexible Arbeitsmodelle und gerechte Lohnverhältnisse zwischen Mann und Frau schaffen, sollten bei der Vergabe öffentlicher Aufträge bevorzugt behandelt werden
  • Damit Familie und Beruf endlich miteinander vereinbar sind, brauchen wir außerdem mehr Kitas, einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem 1.Lebensjahr und ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen
  • Und als wirksamste Maßnahme: Eine Frauenquote. Um die Weitergabe der Chefposten von Männerhand zu Männerhand zu stoppen

Hintergrundinformationen als PDF:

Dokumentation der Bundesfrauenkonferenz

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Eine Frau zeigt ihre Muskeln. Foto: Morning theft/flickr.com (CC BY 2.0)

Frauenpolitik

Die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ist ein Kernziel grüner Politik.

Mädchen in die Politik!

Mädchen in die Politik!

Was junge Frauen über Wirtschaft, Job und die Zukunft denken

Stimmzettel der SPD: Immer gegen Gleichberechtigung

Gut gesagt, Münte

Die SPD fordert gleichen Lohn für Männer und Frauen? Warum hat sie dann in den letzten Jahren alle Anträge abgelehnt?

Bild von Franziska Brantner

"22% sind zu viel"

In Deutschland verdienen Frauen ein Viertel weniger als Männer. Franziska Brantner, grüne Kandidatin für das Europaparlament, erklärt das Problem

Frauenlohnspiegel

Informationen zum Gehalt von Frauen. Vergleiche und Umfrageergebnisse

Kommentar

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asya
15-11-09 16:20
Ich bin mir sicher,dass Frauen Job und Familie mit Leichtigkeit unter eine Hut birngen können.Die Männerwelt sieht das anders,weil sie Angst haben,dass Frauen in Jobs,die normaler Weise von Männer verrichtet werden,besser sind als die Männer.Das männliche Geschlecht will halt immer in Allem besser sein,dabei checken sie nich das wir im 21.Jahrhundert und nicht im 16. Ich hoffe,dass die Männer in 200 Jahren anders denken und alle gleichberechtigt sind.
Reo
02-09-09 14:36
@Franz: Niemand bezeichnet Frauen, die ihre Kinder daheim erziehen wollen, als zurückgeblieben. Das Problem ist, dass viele Frauen das nicht wollen - sondern müssen. Weil es für ihre Kinder einfach nicht genügend Betreuungsangebote gibt. Ich will ein Recht auf Betreuung für jedes Kind ab dem ersten Tag. Ob die Mütter das in Anspruch nehmen, ist ganz und gar ihre Sache. Punkt.
Franz (18)
02-09-09 14:13
Ich glaube Herrn Hoffmann ging es eher darum, darzustellen, dass das Thema künstlich dramatisiert wird.

Zum Artikel:
Muss man denn Beruf und Familie immer unter einen Hut bringen? Ist es der richtige Weg, seine Kinder in Kitas und Ganztagsschulen abzuschieben, sie übertrieben gesagt "fremderziehen" zu lassen.
Selbst in Zeiten der Emanzipation und Gleichberechtigung kann eine Frau aus meiner Sicht auch als fürsorgliche Mutter glücklich sein. Klar sollte man den Frauen die Möglichkeit geben, stattdessen die Karriereleiter zu wählen.

Das Problem ist tatsächlich in der Gesellschaft verankert, und zwar das leidenschaftliche Mütter als zurückgeblieben und minderwertig im Vergleich zur "modernen" Karrierefrau gesehen werden. Außerdem wird die Eltern-Kind-Beziehung in der Politik nicht gerade hochgehängt.

mfg
Michael Melzer
02-09-09 11:20
Als erstes möchte ich mich als durchaus nach Gleichberechtigung strebenden Menschen bezeichnen. Und das nicht nur in den geschlechtsspezifischen Fragestellungen.

Ich denke jedoch, dass der Sachverhalt sehr viel komplexer ist, als das eine so einfache politische Lösung "Frauen nach oben" die Eierlegendewollmilchsau darstellen will.

Zum einen sehe ich an meinen Kindern, dass die angesprochene Sozialisierung nicht nur durch Erziehung erfolgt (weil sowohl mein Sohn als auch meine Töchter nach den gleichen ethischen Wertvorstellungen, u.a. der Gleichberechtigung, erzogen werden). Dies können wahrscheinlich die meisten Eltern bestätigen.

Ich bin der Meinung, dass Unterschiede zwischen Frauen und Männer auch gut sind. Akzeptieren wir uns doch einfach so, wie wir sind. Mann als Mann und Frau als Frau. Jeder mit seinen geschlechtsspezifischen Eigenschaften ("Stärken" und "Schwächen" - immer eine Frage der Betrachtungsweise).

Vielleicht sind die "typischen" Frauen- oder Männerberufe einfach deshalb überwiegend von dem jeweiligen Geschlecht "besetzt", weil hier gerade die jeweiligen Stärken am besten zum Einsatz kommen (die soziale und konsensorientierte Kompetenz der Frauen in der Sozialberufen). Kann da wirklich eine Frauenquote die Lösung sein? Brauchen dann auch Männer für frauendominierte Berufe eine Männerquote?

Sicherlich ist auch die Frage (ausgesprochen oder unausgesprochen), in einem Vorstellungsgespräch, nach einem Kinderwunsch arbeitsrechtlich nicht gestattet. Aber setzen sich die Frauen hier nicht selbst unter Druck? Warum wird in unserer heutigen Gesellschaft das Kinderkriegen und die damit verbundene Erziehung geringer geschätzt als eine berufliche Karriere? Warum "schätzt" der Staat eine solche - meiner Meinung nach - bedeutende Leistung nicht durch eine angemessene finanzielle Unterstützung? Dann könnten Frauen vielleicht auch wieder "stolze" Mütter werden, wenn ihnen von der Gesellschaft die "Türen aufgehalten werden", sie in einer Schlange mit einem Lächeln vorgelassen werden, das brüllende und weinende Kind nicht mit einem genervten Blick bedacht wird, sondern mit Verständnis und einem Hilfsangebot und sie als besondere Mitglieder unserer Gesellschaft anerkannt werden, da ihre "Leistung" nicht wirklich in Geld zu bewerten ist.

Fangen wir also bei uns selber an, unsere Sichtweisen und Beurteilungen an der Wurzel zu betrachten. Freuen wir uns, dass es Frauen und Männer gibt und akzeptieren wir uns, wie wir sind. Unterstützen und respektieren wir uns gegenseitig und hinterfragen wir unser eigenes Wertesystem an einer anderen Stelle. Warum ist es so viel mehr Wert mit virtuellen Geld noch "mehr" von diesem zu schaffen, als einem alten Menschen, der seine Lebensleistung für die Gesellschaft schon erbracht hat, einen menschengerechten und würdevollen Lebensabend zu ermöglichen? Wenn wir hier ansetzen, könnte sich viel von der angesprochenen "Ungerechtigkeit" von alleine lösen. Muss es denn immer höher und weiter und "Mehr" sein? Das größere Auto, der teuere Urlaub? Warum wird man mit mehr als zwei Kindern als asozial angesehen?

Lösungsorientierte Politik sollte das Problem an der Wurzel packen. Dies ist nicht immer einfach und bedeutet sicherlich auch lange gegen den Wind zu gehen. Aber nur so lässt sich - meiner Meinung nach - Nachhaltigkeit in der gesellschaftlichen Sozialkompetenz, der oft angesprochenen Ethik, eine Abgrenzung zu den "platten" Wahlversprechen der anderen Parteien schaffen.

Herzliche Grüße
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