back
next

Abi oder nicht?

Abitur oder Hauptschule? Unsere Karte zeigt: Nirgendwo sonst in Europa müssen Kinder und Eltern so früh entscheiden, wie es weitergeht

08.03.09
Europakarte, auf der die gemeinsame Schulzeit von Kindern verzeichnet ist

Fast überall in Europa lernen Kinder länger zusammen als in Deutschland. Klicke hier für die Großansicht der Karte

In Deutschland ist Wahrsagen leicht. Ein zehnjähriges Kind, das nach dem Ende der Grundschule in die Hauptschule kommt, wird ... nie Mercedes fahren. Es sei denn, es wird mal Taxifahrer.

Unser Bildungssystem bietet keine Chancengleichheit. Wer aus einem gesicherten sozialen Umfeld kommt, hat gute Chancen, einen höherwertigen Schulabschluss zu erreichen. Kinder aus sozial schwachen Familien oder mit Migrationshintergrund hingegen landen meist auf den Hauptschulen, wie PISA eindrucksvoll beweist. Von dort aus gibt es meist kein Zurück. Muss das eigentlich so sein?

Ein Blick ins europäische Ausland zeigt: Nein, muss es nicht. In der Frage nach dem richtigen Schulsystem, ob Gesamtschulprinzip oder Trennung der Kinder ab einer bestimmten Klassenstufe, gibt es Unterschiede.

Ein Trend aber ist deutlich: Überall bleiben die Schüler länger zusammen. Dadurch steigt das Leistungsniveau aller. Das haben PISA-Sieger wie Schweden oder Finnland gezeigt. Warum machen wir das nicht einfach auch so?

Gute Bildungspolitik muss beides im Blick haben: sowohl Struktur als auch Qualität. Wir müssen einerseits aufhören, zehnjährige Kinder in verschiedene Schultypen zu sortieren oder gar auszusortieren. Die Kinder müssen nicht nur länger gemeinsam lernen, sie müssen auch individuell gefördert werden - und selbstverständlich gilt das auch für die Hochbegabten unter ihnen.

Die Hauptschule abzuschaffen reicht allein nicht, es bedarf zugleich auch einer verbesserten Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer sowie neuer Methoden des Lernens und Lehrens, die in einer entsprechenden Unterrichtsqualität münden. Das ist der einzige Weg, um sowohl Kinder aus bildungsfernen Familien zu fördern als auch das Vertrauen der Mittelschichtfamilien in unser öffentliches Schulsystem zurückzugewinnen.

Teilen studiVZ meinVZ schülerVZ EmpfehlenVersendenKommentar schreiben
Leeres Klassenzimmer, Wolfra/flickr.com (CC BY-NC 2.0)

Aktuelle Artikel zum Themengebiet Bildung

Übersichtsseite zum Thema Bildung.

Logo Meine Kampagne

Meine Kampagne

Etwas verändern? Registriere Dich hier und verfolge Deine politischen Ziele gemeinsam mit uns.

Prof. Jukka Sarjala, finnischer Bildungsexperte

"Da muss sich die CDU nicht sorgen"

Beim Bildungssystem sollten wir von den Strebern lernen. Ein Gespräch mit dem finnischen Bildungsexperten Prof. Jukka Sarjala

Bild von Cem Özdemir

Wenn daheim kein Brockhaus steht

Was gibt Cem Özdemir allen Schülern mit auf den Weg? Durchkämpfen, niemand kann Euch aufhalten!

Kommentar

Wir freuen uns auf Meinungen zu diesem Artikel. Bitte beachtet unsere Nutzungsbedingungen.
Die Kommentarfunktion dient nicht dazu, direkt mit uns Kontakt aufzunehmen oder Fragen zu stellen. Dafür haben wir ein Kontaktformular.



CAPTCHA Bild zum Spamschutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
K. T.
19-10-10 15:45
Gut, solange Eltern mitentscheiden dürfen. Ich war in Baden-Württemberg in der 4. Klasse und zählte als ehemalige DDR-Bürgerin zu den sozial Schwachen. Mit einem Notendurchschnitt von 2,25 bekam ich eine Hauptschulempfehlung. (Ich hatte keine 4, 5 oder 6 auf meinem Zeugnis)Und Empfehlung hießt dort Verpflichtung. Auf der Hauptschule gab es Lehrerinnen und Lehrer, die von der Untauglichkeit ihrer Schüler insofern ausgingen, dass sie für hervorragende Leistungen keine Einsen verteilten. Bestnoten, die erreicht werden konnten waren Zweien. Wie soll das einen jungen Menschen motivieren? Mittlerweile habe ich einen Hochschulabschluss. Den Umweg über die Hauptschule und somit Extrajahre hätte man mir sparen können und einigen meiner Klassenkameraden auch (die Mehrzahl hat einen Fachhoschulabschluss).
Luki
11-02-10 10:08
Ich besuche eine Gesamtschule und gehe jetzt in die 10. In unserer Klasse gibt es Schueler die den Realschulabschluss machen und andere die eben abi machen. Als Klasse kommen wir sehr gut voran, obwohl wir alle zusammen sind bessere und schlechtere Schueler. Mir als Gymnasialschueler ist es persoenlich noch nie aufgefallen, dass Realschulschueler den Unterricht behindern, wir alle stellen fragen, beantworten sie auch gegenseitig und es herrscht eine ziemlich gute Klassengemeinschaft. Die Realschuler haben natuerlich schlechtere Noten, aber ich finde, indem sie zusammen mit uns lernen und wir uns gegenseitig unterstuetzen, lernen sie viel mehr als auf einer getrennten Schule. Ausserdem werden wir nicht auf Realschule oder Gymnasium eingestuft, sondern entscheiden selbst mir unserer Familie. Insofern bin ich fuer 2 verschiedene Abschluesse, also nach der 10 und nach der 12, aber gegen eine Trennung der Klassen.
Johannes
11-01-10 16:00
Hallo...
Ich bin in der 10B einer Haupschule und werde somit (hoffentlich) bald meine Fachoberschulreife bekommen.
Diese Weg bis in die 10B war nciht gerade einfach.
Ich muss zugeben ich bin ein Spätzünder. Früher war ich faul und ja..und jetzt immernoch ein wenig. Aber das heißt nicht direkt das man als Hauptschüler dumm ist. Um auf den punkt zu kommen. Ich stimme den Aussagen im oberen Text föllig zu.
Ich finde wenn es nur eine Schulform geben würde, dann würden viel Schüler mehr Erfolg haben. Durch viel mehr Mutivation in der Klasse wird auch mehr erreicht. Ein Beispiel von der Hauptschule: Ich war immer recht gut in der Schule. Mit einem Notendurchschnitt von 2,0 und Kopfnoten die alle 1 sind, wird man schonmal schnell als Streber oder Schleimer abgestempelt. Das heißt Mutivation = 0. Allerdings könnte man in einer Gesammtschule sowas wie einen Grund- und Erweiterungskurs- einführen um mehr auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen eingehen zu können (jetzt in den Hauptschulen). Allerdings sollten sich die Politiker mal mehr um den Lehrermangel kümmern. an unserer Schule fehlen 3 Lehrer. Der 1. ist schon seit ca einem halben Jahr Krank, der 2. ist in Vaterschaftsurlaub, und der dritte ist erst seit kurzem krankgeschrieben. Das bedäutet einerseits fällt viel Unterricht weg und andererseits viel Stress bei den Lehrern die den Vertretungsunterrich machen müssen. Einige Lehrer sind auch föllig unmutiviert. Da farg ich mich: Und die sollen unsere Vorbilder sein..NEIN DANKE!...
An der jetzigen Schulpolitik habe ich einiges zu meckern.
Aber da können ja die Grünen noch nichts dran machen.
Das sollte nur als Anreitz dienen um noch mehr ins Programm für die "Schulverbesserung" hereinzunehmen.

LG und danke für das Lesen
Johannes
PS: Aber als hauptschüler ist man auch nicht direkt verloren. ich werde mein Fachabi nachmachen und danach habe ich vor zu studieren. Wie meine Brüder die auch auf der Hauptschule waren und jetzt Studieren bzw schon fertig mit dem Studium sind.
Otto Normalverbraucher
09-12-09 00:26
Ich mache mir sehr viele Gedanken über dieses also ich bitte um Verständniss, wenn es etwas länger wird.

Jeder Mensch in Deutschland hat ein Recht auf Bildung - und das ist auch gut so. Das Problem liegt bekanntlich bei der Umsetzung.
Ich finde die Trennung der Schüler nach der vierten Klasse katastrophal. Eine sehr gute Möglichkeit wäre ein Einsäulen-Prinzip mit individueller Förderung und Forderung.
Es gibt mehrere Grunde hierfür:

- Das Drei-Säulen-Prinzip separiert die Gesellschaft schon im Kindesalter(nach der 4. Klasse). Es werden soziale Schluchten geschaffen, die sich durch das ganze Leben ziehen. Es kann sich ja mal jeder selber Fragen wie sein Freundes- und Bekanntenkreis aufgebaut ist. Meistens Menschen, die man in der Schule, Arbeit, Uni,... kennengelert hat. Es ist doch sehr selten, dass ein Gymnasiast haupsächlich Freunde aus der Hauptschule hat und umgekehrt.

- Hauptschüler sind meistens schlechter als andere Schüler, weil ihnen die Motivation fehlt. Sie haben meistens das Gefühl auch nach einem erfolglich abgeschlossenen Hauptschulabschlus kaum eine Anstellung bzw. Lehrstelle zu bekommen und selbst wenn wird das Gehalt heutzutage kaum zum Leben reichen. Zumal teilweise sogar für Friseurstellen Abitur verlangt wird.

- Kinder aus sozial schwächeren Familien und Migrantenfamilien haben es oft schwieriger. Ganz klar: Die Eltern haben die größte Sorgfaltspflicht ihren Kindern gegenüber. Aber auch der Staat hat eine Sorgfaltspflicht und Kinder solten nicht für die Gedankenlosigkeit ihrer Eltern büßen.

- "Hauptschüler bleiben Hauptschüler auch wenn man die Hauptschule abschafft!". Ein Kommentar eines Bildungspolitikers. Dazu fällt mir leider nichts positives ein. Dieser Mensch hat keinerlei Ahnung von Pädagogik und Psychologie. Eins muss ich mal feststellen: Die Hauptschule gibt es nicht wegen der Hauptschüler, sondern die Hautschüler gibt es wegen der Hauptschule. Hier wurden Ursache und Wirkung vertauscht. Wenn eine Gruppe zusammen geführt wird, deren Motivation relativ niedrig ist, die keine Unterstützung aus ihrem Elternhaus erfahren, die unsicher sind weil sie keinen Zuspruch erfahren, die sich als noch unreife Menschen leicht unterordnen lassen... enteht eine separierte, hoch explosive Gruppierung, die nur schwer im späteren Alter "resozialisiert" werden kann.
Allerding wenn von vornherein eine Motivation besteht mit einem höheren Schulabschlus eine gute Arbeits-/ Ausbildungsstelle zu erhalten und keine Separierung Schülern gleichen Alters ist der Anteil leistungschwacherer Schüler auf ein Minimales zu reduzieren.

- und vielleicht noch einen wichtigen Punkt:
Den Kommentar "Es muss ja auch Elektriker und Klemptner geben" lass ich nicht gelten. Warum soll eine Handwerker nicht das gleich Recht oder besser gesagt die gleich Plicht haben wie ein Gynasiast das gleiche Grundwissen zu erhalen?
Warum Soll nicht eine Putzfrau die selbe schulische Ausbildung wie ein Arzt erfahren. Hierdurch würde auch die Grundbildung der Deutschen steigen unabhängig vom Beruf. Natürlich muss es auch Handwerker geben, aber ein Recht auf Grundbildung hat jeder was meiner Meinung nach in der Hautschule mangelhaft unterrichtet wird.

- Es gäbe noch so viel mehr was ich ansprechen möchte, z.B.
Sich im Unterrichtsstoff auf das wesentlich konzentrieren,
wichtige Fächer als Pflichtfächer einfüren wie Politik, Sozialkunde, Pädagogik, Umweltkunde,...
Lehrer gezielter ausbilden und unterstützen,...

Ich denke meine Intension ist klar:
>Grundbildung für alle
>Zusammengehörigkeitsgefühl im Jugendalter
>Motivation schaffen
>die Psychologie als wichtigen Drehpunkt zu erkennen
>Unterricht besser Strukturieren

Ein-Säulen-Sytem mit Förderung der Schwächeren und Forderung der Stärkern und Interessenbezogene Zusatzfächer.

Danke fürs Zuhören (Mitlesen)!
Bin offen für Fragen und Kritiken.
Naziaufmärsche am 13. & 18. Februar in Dresden blockieren!
Stop Acta! Warum wir das Anti-Piraterie-Abkommen ablehnen.
Fukushima mahnt! Großdemos am Jahrestag, 11. März 2012.
Fragen und Antworten zur europäischen Schuldenkrise.
POLENS EINSTIEG IN DIE ATOMKRAFT STOPPEN!
Facebook, was weißt du über mich? Hol dir jetzt deine Daten zurück!
Atomausstieg einfach selber machen: Jetzt Stromanbieter wechseln
30 grüne Jahre = 30 grüne Geschichten
Hilf GRÜN beim Wachsen. Jetzt Mitglied werden!
Unterstütze Grün mit Deiner Spende
20 Dinge, die Du über Atomkraft wissen solltest
Freunde werden? Claudia Roth auf Facebook
Freunde werden? Cem Özdemir bei Facebook.
In welchen sozialen Netzwerken sind die Grünen zu finden?
Bundesvorstand von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
RSS-Feeds abonnieren
Grüner Shop
Kanal Grün auf Youtube
Deine Daten gehören Dir! Datenschutz ist Bürgerrecht
Die Grünen bei twitter
Immer mit dabei - Meine Kampagne auf twitter