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♀ = ♂ - 23 Prozent

Gemeinsam mit vielen Menschen, die sich dem Aktionsbündnis angeschlossen haben, protestieren wir am heutigen Equal Pay Day gegen die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern. In Deutschland herrscht eine Lohnlücke von 23 Prozent zulasten der Frauen das wollen und werden wir uns nicht länger bieten lassen.

25.03.11
Kundgebung zum equal pay day,- am Brandenburger Tor in Berlin, Foto: gruene.de

Kundgebung zum equal pay day,- am Brandenburger Tor in Berlin, Foto: gruene.de

Kundgebung zum equal pay day,- am Brandenburger Tor in Berlin, Foto: gruene.de

Trotz aller Appelle und Selbstverpflichtungen in den letzten Jahren – geändert hat sich an dieser Ungerechtigkeit nichts. Ministerin Schröder weigert sich konkret zu werden, die Kanzlerin windet sich und lässt ihrer Rhetorik keine Taten folgen. Die Bundesregierung darf nicht länger die Hände in den Schoß legen sondern muss zügig und entschlossen handeln.

„Wir brauchen endlich verbindliche gesetzliche Regelungen, die ernst machen mit den gleichen Chancen am Arbeitsmarkt“, sagt Astrid-Rothe-Beinlich. „Wir fordern ein umfassendes Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft, das mit Personalentwicklungsplänen und Vergaberichtlinien klare Vorgaben für die Unternehmen festlegt und gleichzeitig mit einem Verbandsklagerecht konkrete Unterstützung für die Betroffenen beinhaltet“, so die frauenpolitische Sprecherin des grünen Bundesvorstands.

Die grüne Bundesvorsitzende Claudia Roth fügt hinzu: „Geschlechtergerechte Arbeitsbewertungssysteme sind dafür ebenso notwendig, wie ein gesetzlicher Mindestlohn, die Abschaffung der Minijobs, eine eigenständige Existenzsicherung und eine Arbeitszeitpolitik, die es Frauen und Männern ermöglicht, Privatleben und Beruf zu vereinbaren und Aufgaben gerecht zu teilen."

Lohngleichheit - um was geht es?

Bereits vor 50 Jahren haben die Gründungsstaaten der EU in den Römischen Verträgen das Ziel der Lohngleichheit vorgegeben. Bis heute ist sie nirgendwo in der EU erreicht. Frauen erhalten überall in Europa immer noch weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen, selbst wenn sie eine gleichwertige Arbeit verrichten. Dabei ist ein großer Teil der Einkommensunterschiede auf die indirekte Diskriminierung von Frauen in der Arbeitswelt zurückzuführen. Aber während andere europäische Länder wie Frankreich und Spanien begonnen haben, mit gesetzlichen Maßnahmen dagegen anzugehen, legt schwarz-gelb die Hände in den Schoß. Dabei hätte die Bundesregierung allen Grund zu handeln: Deutschland liegt mit 23% Lohndifferenz nach wie vor auf einem der letzten Plätze in Europa!

Wir sagen, es ist höchste Zeit, sich für effektive und gesetzliche Maßnahmen zur Lohngerechtigkeit von Frauen und Männern einzusetzen.

Frauen am Arbeitsmarkt

Frauen haben ein Recht auf gleiche Chancen im Erwerbsleben, dennoch arbeiten sie wesentlich häufiger zu Löhnen und in Abeitsverhältnissen, die kein ausreichendes Einkommen bieten. Das Modell des Alleinernährers mit zuverdienender Ehefrau, das diese Tendenz befördert, ist längst nicht mehr zeitgemäß. Frauen wollen beides: eigenständige Sicherung durch Erwerbsarbeit und Familie. Grundvoraussetzung dafür ist eine verlässliche, bezahlbare und qualitativ hochwertige Infrastruktur. Aber auch hoch qualifizierte und allein stehende Frauen sind von Diskriminierungen am Arbeitsplatz und mangelnden Karrierechancen massiv betroffen. Auch in Führungspositionen sind Einkommensunterschiede alltäglich.

Lohndiskriminierung lohnt sich nicht

Niedrige Löhne und veraltete steuerrechtliche Regelungen wie das Ehegattensplitting grenzen Frauen aus dem Erwerbsleben aus und behindern ihre eigenständige Existenzsicherung - mit fatalen Folgen nicht nur für unsere Sozialsysteme. Wir wissen: wenn mehr Frauen existenzsichernd arbeiten, bringt das insgesamt positive Beschäftgungseffekte mit sich. Dazu bedarf es aber einer gerechten Bezahlung und einer gerechten Arbeitsteilung in allen Bereichen.

Die Wirtschaft in die Pflicht nehmen

Auch die Wirtschaft ist auf das große Potential gut ausgebildeter Frauen angewiesen. Sie kann es sich nicht leisten, auf diese qualifizierten Fachkräfte zu verzichten. Einzelne gute Beispiele reichen nicht aus. Freiwillige Maßnahmen sind trotz Zusagen der Wirtschaftsverbände wirkungslos geblieben. Wir brauchen endlich ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft. Aber auch die Gewerkschaften sind gefordert, bei Tarifabschlüssen auf eine diskriminierungsfreie und transparente Arbeitsbewertung hinzuwirken, damit die verschiedenen Berufsfelder leistungsgerecht bezahlt werden können.

Frauen in Führungspositionen

Der eklatante Frauenmangel in Führungspositionen der Wirtschaft ist nicht nur ein Gerechtigkeitsproblem, sondern auch volkswirtschaftlich unsinnig. Die herrschende Männerdominanz in Führungsetagen ist ein Hindernis für Innovation und Entwicklung. Deshalb fordern wir nach norwegischem Vorbild eine 50 Prozent Quote für jedes Geschlecht in den Aufsichtsräten - für frischen Wind und bessere Kontrolle.

Was wir wollen - Was wir tun:

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordern die eigenständige Existenzsicherung von Frauen. Dafür wollen wir an verschiedenen Stellen ansetzen:

Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit

Frauenspezifische Berufe müssen ihren tatsächlichen Anforderungen entsprechend bezahlt und bewertet werden. Wir streiten für ein Verbandsklagerecht, damit Lohnungleichheit nicht nur durch individuell eingereichte Klagen gerichtlich bekämpft werden kann.

Mindestlohn

Frauen arbeiten häufiger im Niedriglohnbereich und in prekärer Beschäftigung. Diesen Frauen würde ein gesetzlicher Mindestlohn besonders zugute kommen und dazu beitragen, die Lohnschere zu schließen.

Berufswahlverhalten ändern

Wir fordern eine Berufsberatung, die Mädchen und Jungen bereits in der Schule ermutigt, Berufe mit Zukunft und Aufstiegschancen, auch jenseits der klassischen Rollenbilder zu ergreifen.

Frauen auf die Chefsessel

Wir wollen mehr Frauen in Führungspositionen. Als ersten Schritt fordern wir deshalb eine Quote für Aufsichtsräte. Auch in Führungspositionen sind flexiblere und moderne Arbeitszeitmodelle gefragt. Wir brauchen mehr Maßnahmen und Qualifizierung, um den Einstieg in den Beruf nach einer Familienphase zu erleichtern. Unternehmen, die Gleichstellung aktiv fördern, sollen bei der Vergabe öffentlicher Aufträge bevorzugt behandelt werden.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Wir brauchen endlich ein verlässliches Netz an Infrastruktur, um allen Menschen mit Familienpflichten eine Berufstätigkeit zu ermöglichen und sie so in die Lage zu versetzen für ihren Lebensunterhalt selbst aufzukommen.

Ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft

Wir wollen uns nicht länger auf unverbindliche Zusagen und Appelle verlassen. Wir fordern gesetzliche Rahmenbedingungen, die die Unternehmen in die Pflicht nehmen und die Betroffenen bei der Durchsetzung ihrer Rechte stärken.


Beschluss des Länderrats in Mainz, 19. März 2011

Die Hälfte der Macht – für eine verbindliche Quote in der Wirtschaft (PDF)

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Kommentar

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Ingrid
15-04-11 10:16
Tja, die Grünen müssen in ihren ERklärungen neben der Änderung des Berufswahlverhaltens auch sagen, daß es volkswirtschaftlich weiter nötig ist, Kranken- und Altenpflegerinnen, hauswirtschaftliche Fachkräfte. Erzieherinnen, Fachpersonal für Nahrungszubereitung auszubilden und den Anforderungen gemäß zu bezahlen. Wo kommen wir denn hin, wenn alle jungen Frauen Mechatroniker werden, dann geht nämlich niemand mehr in o.g. Berufe.
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf läßt grüßen und die alten Eltern auch. Bitte vergeßt diese Berufsgruppen nicht.
Erika
13-04-11 22:33
Was machen die Grünen gegen die Leiharbeit?
Die meisten Stellen bei der Agentur für Arbeit (im Bürobereich) laufen über Leiharbeit.

Und davon sind sehr viele Frauen betroffen.

Wann werden diese Leute endlich so bezahlt wie ihre Kollegen im Betrieb, die die gleiche Arbeit machen`?
Klappspaten
31-03-11 02:47
Was steht im Artikel 3 de Grundgesetzes?
Rudi
29-03-11 16:19
Hier geht es wohl weniger um Equal Pay im Allgemeinen. Doch gerade das müsste das oberste Ziel sein. Es sollte als allgemein verbindlich im Grundgesetz verankert werden, dann gibt es auch keine Abweichung mehr durch "Selbstgestrickte" Tarifverträge wie: IGZ und BZA und wie sie noch alle heißen. In der der Metall und der Elektroindustrie gibt es kaum noch normale Arbeitsangebote. Da lohnt sich noch nicht mal mehr der Blick in die Zeitung, es ist absolut frustrierend.
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