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Auch hierzulande fanden viel zu lange gefährliche Gasbohrungen ohne Wissen der breiten Öffentlichkeit statt. Anfang 2013 wollte die Merkel-Koalition mit einem Gesetzentwurf ganz offiziell den Weg für diese umweltgefährdende Technologie frei machen. Ein halbes Jahr später – vor der Bundestagswahl – wurde das Streitthema fürs Erste vertagt. Fracking bleibt damit ungeregelt.
Statt sich um die Energiewende zu kümmern, streitet sich die Bundesregierung um die riskante Schiefergasförderung. „Fracking“, das heißt: Jede Menge Chemikalien, Millionen Liter Süßwasser und Quarzsand werden in den Boden gepumpt, um über künstliche Risse Erdgas aus tiefen Gesteinsschichten zu lösen. Zu welchen Schäden Fracking bei Mensch und Natur führt, weiß keiner genau – was die Merkel-Koalition aber nicht davon abgehalten hat, einen Gesetzentwurf vorzulegen, der diese Risikotechnologie in Deutschland legalisiert hätte.
Dieser Gesetzentwurf ist jetzt vom Tisch – zumindest vorerst! Bis zur Bundestagswahl pausieren die schwarz-gelben Fracking-Pläne. Die Merkel-Koalition hat das Gesetz aber nicht etwa aus Sorge vor Umweltschäden verschoben. Grund war ein Koalitionsstreit: CDU, CSU und FDP konnten sich nicht auf eine Fracking-Regelung einigen. Der öffentliche Protest hat offensichtlich Eindruck hinterlassen.
Landesweit protestierten Menschen gegen die Fracking-Pläne – auf der Straße und im Internet. Die Protestmail auf MEINE KAMPAGNE wurde über 3.500 Mal an Bundesumweltminister Altmaier und Bundeswirtschaftsminister Rösler verschickt! Hunderte Menschen forderten Altmaier und Rösler damit auf, ihren „Gesetzentwurf zur Einführung von Fracking zurückzuziehen“. Mit Erfolg!
Bei aller Erleichterung ist das aber nur ein Etappensieg. Dass die Merkel-Koalition das Thema im Wahlkampf vor der Bundestagswahl vermeiden will, bedeutet nämlich auch, dass Fracking nach wie vor nicht gesetzlich geregelt ist. Und solange muss es von den Behörden fast ohne Auflagen genehmigt werden. Die Menschen in den betroffenen Regionen leben also weiterhin in Ungewissheit.
Nach Presseinformationen soll nach der Bundestagswahl außerdem ein neues Gesetzesverfahren eingeleitet werden. Unsere Position ist klar: Wegen der unabsehbaren Gefahren für Gesundheit und Umwelt lehnen wir die Förderung von unkonventionellem Erdgas insbesondere mittels giftiger Chemikalien ab. Die Förderung von unkonventionellem Erdgas behindert zudem Klimaschutz und Energiewende. Vor der Bundestagswahl, nach der Bundestagswahl: Wir werden uns für ein Gesetz einsetzen, das die Umwelt und die Menschen schützt und in Deutschland keine Fracking-Bohrungen zulässt. Und wir werden jeden anderslautenden Vorstoß aus der Merkel-Union stoppen!
Mit „Fracking“ werden Gasbohrungen unter Einsatz von Chemikalien bezeichnet. Das Wort steht kurz für „Hydraulic Fracturing“. Ziel ist es, an Erdgas zu gelangen, das in kleinen Gesteinsporen tausende Meter tief in der Erde lagert. Erdgas ist ein fossiler Energieträger, der in Kraftwerken zur Stromerzeugung eingesetzt und zum Heizen verwendet wird
Fracking soll es ermöglichen, Erdgas freizusetzen, das vor allem in tief gelegenen Gesteinsschichten lagert. Bohrer schrauben sich senkrecht bis zu tausende Meter tief in den Boden. Sobald der Bohrkopf auf die Gesteinsschicht stößt, in der das Erdgas in kleinen Hohlräumen eingeschlossen ist, dreht er seitlich ab und durchbohrt die Gesteinsschicht einige hundert Meter lang waagerecht.
Um das Gas aus den Gesteinsporen zu lösen, muss ein Cocktail von zum Teil giftigen Flüssigkeiten eingesetzt werden: Jede Menge Chemikalien, Millionen Liter Süßwasser und Quarzsand werden unter hohem Druck in den Boden gepumpt. Die Gesteinsschicht bricht auf und künstliche Risse entstehen, durch die das Erdgas entweicht. Über die gebohrten Löcher wird es an die Oberfläche transportiert.
Das Gemisch aus Chemikalien, Wasser und Quarzsand wird zum Großteil wieder abgepumpt, ein Teil verbleibt jedoch für immer in der Gesteinsschicht. Das Abwasser, welches nach dem Frack-Vorgang zurück an die Oberfläche gespült wird, ist mit Schwermetallen und radioaktiven Elementen belastet. Dieser giftige "Flowback" wird in sogenannten Versenkbohrungen einfach unterirdisch verpresst. Die zementierten Bohrlöcher werden nach Abschluss der Förderung zubetoniert.
Ein Teil der giftigen Flüssigkeit, die in die tiefen Gesteinsschichten gepresst wird, verbleibt dauerhaft im Boden – mit ungewissen Auswirkungen auf Mensch und Natur. In vielen tiefen Gesteinsschichten sind außerdem von Natur aus radioaktive Elemente oder auch Schwermetalle wie Quecksilber enthalten, die durch den Rückfluss des chemischen Gemischs und des natürlich vorkommenden Lagerstättenwassers an die Erdoberfläche treten können.
Boden und Luft werden schädlich belastet – entgegen aller Beteuerungen der Erdgasunternehmen ist in manchen Regionen in den USA, wo Fracking seit Jahren betrieben wird, selbst Trinkwasser durch Spuren dieses Rückflusses verseucht. Es ist außerdem bekannt, dass durch die tiefen Gasbohrungen leichte bis mittlere Erdbeben ausgelöst werden.
Die Bevölkerung in den Fracking-Regionen ist diesen gesundheitsschädlichen Stoffen in Boden, Gewässern und Luft schutzlos ausgesetzt. Anwohnerinnen und Anwohner von Fracking-Förderstätten werden durch chemische Gasbohrungen überdies einer hohen Lärmbelastung ausgesetzt. Davon abgesehen ist stark zu bezweifeln, dass in Deutschland die nötigen Freiflächen für Fracking zur Verfügung stehen. Da Fracking-Bohrmaschinen nur wenige hundert Meter waagerecht die Gesteinsschichten durchdringen, sind großflächige Freiräume für unzählige Bohranlagen nötig. In den USA wird die Methode auf weitgehend unbewohnten Flächen angewandt. In Deutschland sind die potenziellen Fracking-Flächen jedoch dicht besiedelt.
Gar nicht - zumindest nicht vor der Bundestagswahl! CDU, CSU und FDP streiten seit drei Jahren, wie sie Fracking in Deutschland einführen wollen. Anfang Juni 2013 wurde bekannt, dass die Koalition das Streitthema vor der Wahl nicht mehr regeln will.
In welche Richtung es danach geht, hat schon der erste Gesetzentwurf gezeigt: Im Februar 2013 legten Bundesumweltminister Altmaier und Bundeswirtschaftsminister Rösler einen Gesetzentwurf vor, der Fracking-Bohrungen auf 86 Prozent der deutschen Landesfläche ermöglicht hätte. Zum Schutz von Mensch und Natur waren nur ein Fracking-Verbot in Trinkwasserschutzgebieten und Umweltverträglichkeitsprüfungen vorgesehen. Das hätte aber nicht gegen die grundsätzlichen Gefahren geholfen, die vom Fracking ausgehen.
Die entscheidenden Probleme, wie zum Beispiel die Vergiftung des Erdreiches oder die Entsorgung giftiger Abwässer, blendeten Altmaier und Rösler aus. Ein Gutachten des Bergbau- und Umwelt-Juristen Dirk Teßmer im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion bestätigte, dass der Gesetzentwurf eine rechtliche Grundlage für die Fracking-Technologie geschaffen hätte.
Während Altmaier und Rösler also Fracking mit ihrem Gesetzentwurf großflächig genehmigen wollten, ohne die Risiken der Technik wirklich bewerten zu können, teilten immer mehr Unionsabgeordnete unsere Einschätzung, dass der schwarz-gelbe Gesetzentwurf Fracking durch die Hintertür eingeführt hätte. Der öffentliche Druck auf die Merkel-Koalition wurde zu groß. Bis zur Bundestagswahl pausieren die schwarz-gelben Fracking-Pläne - und nach der Wahl?
Wegen der unabsehbaren Gefahren für Gesundheit und Umwelt lehnen wir die Förderung von unkonventionellem Erdgas insbesondere mittels giftiger Chemikalien ab. Die Förderung von unkonventionellem Erdgas behindert zudem Klimaschutz und Energiewende. Wir fordern daher klare gesetzliche Regelungen, die die Anwendung der Technologie ausschließen. Weiter muss grundsätzlich dafür gesorgt werden, dass giftiges Lagerstättenwasser aus der Öl- und Gasförderung nicht mehr unterirdisch verpresst werden darf. Daneben bedarf es einer grundlegenden Reform des Deutschen Bergrechts. Hier müssen Umweltschutz und Verursacherprinzip viel stärker in den Mittelpunkt gerückt werden, als es gegenwärtig der Fall ist. Eine Politik, nach welcher wieder mal die Konzerne die Gewinne machen, während die Menschen vor Ort mit den Gefahren und Altlasten leben müssen, lehnen wir Grüne ab.
Der sicherste Weg, ökologische Schäden bei der Öl- und Gasförderung zu vermeiden, ist der schnelle Umstieg auf 100 Prozent Erneuerbare Energien, da fossile Energieträger dann nicht mehr benötigt werden. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzen sich daher konsequent für die Energiewende ein.
Es liegen zwei Studien zu den Gefahren der Fracking-Technologie vor, die letztes Jahr von staatlichen Stellen in Auftrag gegeben wurden – beide kommen zum Ergebnis, dass Fracking in Deutschland derzeit nicht zu empfehlen ist. Die von der rot-grünen Landesregierung in NRW beauftragten GutachterInnen stellten erhebliche Wissens- und Informationsdefizite fest. Ein vom Umweltbundesamt in Auftrag gegebenes Gutachten zu den Umweltauswirkungen ist ebenso alarmierend. Laut der umfangreichen Studie birgt Fracking tatsächlich diverse Umweltrisiken und ist derzeit technisch nicht komplett kontrollierbar. Das Urteil der ExpertInnen ist eindeutig: „Wir stellen zusammenfassend fest, dass zu einer fundierten Beurteilung dieser Risiken und zu deren technischer Beherrschbarkeit bislang viele und grundlegende Informationen fehlen.
Eine dritte Studie belegt, dass chemische Erdgasbohrungen keine Zukunft haben. Die Energy Watch Group, ein internationales Netzwerk von Wissenschaftlern und Parlamentariern, stellt in ihrer Studie klar: Es erscheint „sehr wahrscheinlich, dass die weltweite Erdgasförderung um oder bereits vor dem Jahr 2020 das Fördermaximum erreichen wird.“ Die Potenziale des Fracking werden maßlos überschätzt. In den USA mussten sie um 50 Prozent nach unten korrigiert werden. Für Europa hat eine Studie im Auftrag der Europäischen Kommission außerdem ergeben, dass die Potenziale dort ebenfalls überschätzt werden. Aktuellen Schätzungen zufolge würde Fracking das Erdgasangebot in Deutschland nur im einstelligen Prozentbereich decken. Eine verschwindend geringe Ausbeute angesichts der drohenden Schäden für Mensch und Natur.
In Deutschland finden bereits seit Jahren Tiefbohrungen statt, zum Teil am Rand von konventionellen Erdgas-Förderstätten, zum Teil in eigenen Testgebieten. In Niedersachsen wird die Technologie seit ca. 30 Jahren in verschiedenen Formen angewendet, ohne dass die breite Öffentlichkeit darüber informiert wurde.
Erdgaskonzerne haben sich in den vergangenen vier Jahren Aufsuchungslizenzen für Erdgas in tiefen Gesteinsschichten gesichert: In Niedersachsen und NRW, wo die größten Gasvorkommen vermutet werden, aber auch in Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Auch in Hessen haben Erdgasunternehmen Interesse am Fracking bekundet.