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"Wir müssen ganz anders denken"

Die Krise eröffnet uns die Chance, unsere Wirtschaft nachhaltig umzubauen. Renate Künast und Jürgen Trittin erklären, warum wir einen Grünen Neuen Gesellschaftsvertrag brauchen

11.03.09

 

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medicus007
18-04-09 13:44
Die Verflechtung von Politik und Wirtschaft ist so eng, dass eine echte Erneuerung schwer möglich ist.
Man muss sich klar darüber sein, dass Wachstum nicht mehr Arbeitsplätze sondern möglicherweise weniger bedeutet (Stichpunkte: Automatisierung, KI usw. und auch das BSP steigt auch bei negativen Dingen zB Unfällen usw.. Auch steigt es durch die wundersame Geldvermehrung durch Aufkauf, Durchmischung und Weiterverkauf von Hypothekenpapieren.
Als Konsequenz kann Arbeit für Alle nicht mehr versprochen werden, die Ressourceneffizienz und ökölogischer Rucksack müssen berücksichtigt werden.
D.h.
-Grundversorgung für alle
-Wegfall der Lohn/ Einkommenssteuer
-Einführung des Aachener Modells nach Schmidt-Bleek et al.
- Priorität für ökologische sinnvolle Energiegewinnung
- Preise auch abhängig vom ökölogischen Rucksack
- Verbot aller Inkasso und Finanzmakler, die nicht von der Bafin kontrolliert werden.
- Verschärfte Finanzaufsicht
- Finanzielle Unterstützung für nachhaltiges Wirtschaften

Ohne einen grundlegenden Wandel müssen wir alle die Kosten der in die Banken gesteckten Gelder in den nächsten 5-10 Jahren an Steuern zurückzahlen.
Ich möchte nicht über die Abwrackprämie den CO2 Porsche mitfinanzieren!
Romy
16-04-09 11:01
Und hier noch der Link zum erwähnten Film: http://www.kultkino.ch/kultkino/besonderes/grundeinkommen
Romy
16-04-09 11:00
Die drei von Herrn Trittin angesprochenen Punkte Gerechtigkeit, Klima, Bildung halte ich ebenfalls für DIE zentralen Punkte in den kommenden Jahren und Jahrzehnten.

Wie Frau Künast schon richtig sagt: Die alten Paradigmen stimmen nicht mehr und wir brauchen eine ganz andere Art zu denken.

Ein Paradigma welches nicht mehr stimmt ist in meinen Augen, dass wir der Vollbeschäftigung hinterherrennen. Der technologische Fortschritt der letzten Jahre macht immer mehr Arbeit überflüssig. Anstatt gegen diese Entwicklung anzukämpfen indem wir überflüssige Arbeit schaffen (z.B. durch Privatisierung der Post - es ist für mich einfach nicht einsehbar wie es ökonomisch und logisch sinnvoll sein soll wenn jeden Tag drei verschiedene Menschen bei mir die Straße abklappern müssen) sollten wir lieber uns von diesem Denkmuster befreien und den Menschen mehr Möglichkeiten z.B. zu Teilzeitarbeit geben.

Eine weitere Frage ist auch wie man „Arbeit“ überhaupt definiert. Bereits heute wird enorm viel „Arbeit“ geleistet, die jedoch nicht richtig entlohnt wird, und somit im klassischen Sinne nicht als „Arbeit“ im Sinne von Erwerbsarbeit gesehen wird. (z.B. Kindererziehung und ehrenamtliches, gesellschaftliches Engagement in Vereinen etc.)
Dennoch erhöht diese Arbeit den volkswirtschaftlichen Wohlstand immens.

Ein weiterer Punkt ist, dass Produkte momentan so entworfen werden, dass sie nach einer bestimmten (kurzen) Lebensdauer von alleine kaputt gehen, sodass neu konsumiert und somit neu produziert werden muss. Warum? Damit Arbeitsplätze erhalten bleiben. Aber kann das ein nachhaltiger Prozess, auch gerade mit Hinsicht auf den nicht rational begründbaren Ressourcenverbrauch, sein?
Rein technisch wäre nämlich eine vielfach höhere Lebensdauer kein Problem und auch nicht nennenswert teurer.

Zusammengefasst denke ich sollten wir die Zeichen der Zeit erkennen, die technischen Fortschritte endlich zu unserem Vorteil nutzen, und uns von dem Mythos der Vollbeschäftigung verabschieden. Es ist meiner Meinung nach einfach nicht mehr nötig, dass alle Menschen (vollzeit) arbeiten müssen.
Und ganz ehrlich – ich persönlich stelle mir ein ausgefülltes Leben anders vor – als mein Leben lang, Tag für Tag von morgens bis abends zu arbeiten (auch wenn mir die Arbeit Freude bereitet) um dann körperlich und geistig vielleicht sehr angeschlagen, zu versuchen meinen Lebensabend zu genießen.

Eine Lösung für das Thema ist in meinen Augen, wie auch schon von Patrick oben genannt (schön auch hier auf Gleichgesinnte zu treffen!) das bedingungslose Grundeinkommen. Ich weiß nicht ob ich einen Link zu einem sehr guten im Internet frei verfügbaren Film hier posten darf, daher mach ich es lieber in einem getrennten Beitrag.

Noch ein paar Worte zur Bildung:
Zentral ist in meinen Augen auch, WIE die Schulen der Zukunft aussehen. Wir brauchen keine Selektion nach der Grundschule, die den Hauptschülern den psychologischen Stempel aufdrückt "ihr seid nichts wert" - das nimmt den Personen jegliche Hoffnung und dann ist die soziale Spaltung vorprogrammiert. Viel mehr kommt es darauf an die individuellen Stärken und Schwächen der SchülerInnen zu erkennen und deren intrinsischer Motivation genügend Raum zu geben.
Wir brauchen also eine binnendifferenzierte, demokratische, weiterführende Schule - welchen Modenamen man ihr auch immer geben mag.

Weiterhin halte ich es für zivilisatorisch dringend erforderlich das Zentralabitur abzuschaffen.
Die Menschheit entwickelt sich weiter, weil ganz unterschiedliche Menschen, ganz unterschiedliches Wissen haben und es so zu immer neuen Rekombinationen unterschiedlichen Wissens kommt.
Ein Mensch kann dadurch anders Denken, andere Verbindungen herstellen, die ein anderer Mensch so nicht gemacht hätte.
Das gleiche Prinzip welches die Natur bei der Evolution anwendet - auf die Vielfalt kommt es an!

Die Vereinheitlichung von Lehrplänen die das Zentralabitur mit sich bringt führt dazu, dass es zu einer viel stärkeren Uniformität der Menschen kommt und wirkt somit dieser positiven (Denk)-Vielfalt entgegen.
Somit wird viel Potenzial verschenkt.

Ich könnte noch viel schreiben, aber ich glaub das reicht nun erstmal ;)
Patrick
15-04-09 14:39
Denken wir an Menschen mit Behinerung - ich habe eine Sehbehinderung. Obwohl ich eigentlich nicht dumm bin und auch durchaus ausreichend qualifiziert ist es schwer für mich am "ersten Arbeitsmarkt" Fuß zu fassen. Die Selbständigkeit ist für mich und viele andere Menschen mit Behinderung ein guter Ausweg gewesen. Wir können unsere Arbeit dann auch als freie Mitarbeit anbieten und die Vorurteile oder sagen wir höflich die Bedenken einiger Arbeitgeber so elegant aus der Welt geschaffen werden - wenn wir ein Grundeinkommen erhalten, dass unsere Existenz sichert.

Auch ein Kind zu bekommen sollte keine Ängste auslösen, ob man sich dieses auch "leisten kann". Wir reden hier von Menschen. Wie würden wir Kinder auf der Welt willkommen heißen, wenn sie nicht mehr für viele (auch) als Belastung empfunden würden.

Durch ein bedingungsloses Grundeinkommen, erhalten Arbeitnehmer zum ersten Mal Verhandlungsmacht. Das Recht "Nein!" zu sagen. Die künstlich erzeugte Nachfrage durch Hartz IV würde wegfallen. Der Arbeitsmarkt wäre endlich wirklich ein "Markt". Wichtig ist, dass wir Arbeitsplätze ablehnen können, die wir moralisch nicht vertreten können. Wenn wir Bürokaufleute sind, einen Job "vermittelt" bekommen im Atomkraftwerk dort in einem Büro zu arbeiten, aber gegen Atomkraft sind... das ist doch eine Farce. Also: wir brauchen das Recht auf ein "Nein!", nur wer verzichten darf bzw. kann ist wirklich frei.

Hartz IV... die Sätze zu erhöhen mag ein guter Schritt für eine Sofortmaßnahme sein, aber mittelfristig muss dieser offene Strafvollzug, der die Bürgerrechte mit Füßen tritt abgeschafft werden! Meine Lösung habe ich hoffentlich deutlich und überzeugend rüber bringen können.
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