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Grüne Politikerinnen und Politiker schildern ihre persönlichen Erinnerungen an die friedliche Revolution.
Am 20. Jahrestag des Mauerfalls fand an der Gedenkstätte Berliner Mauer, Bernauer Straße, in der Kapelle der Versöhnung eine Andacht statt. Grüne Politikerinnen und Politiker nahmen an der Feier teil. Gruene.de hat sie gefragt, wie sie den 9. November 1989 erlebt haben.
Astrid Rothe Beinlich, Mitglied des Bundesvorstands:
"Am 9. November war ich in Erfurt. Wir haben damals eine der nächsten Demonstrationen vorbereitet, auf der ich auch gesprochen habe. Ich war damals 16 Jahre alt. Das war eine ganz verrückte Situation, die man heute nicht mehr richtig nachfühlen kann. Unser Ziel war eine alternative Jugendorganisation zur FDJ zu gründen. Dass an diesem Tag dann die Mauer geöffnet wurde, war völlig unvorstellbar.
Michael Cramer, Europaabgeordneter:
"Ich komme nach Hause, ich habe damals in einer Wohngemeinschaft gewohnt. Meine Mitbewohnerin, die ein typisch deutsch-deutsches Schicksal hatte - sie ist mit ihrer Mutter nach Westberlin gegangen, und ihr Bruder ist bei der Oma in Güstrow geblieben - sagt zu mir: "Die Mauer ist offen."
Ich dachte, sie mache Witze und habe erstmal den Fernseher angemacht und wir haben uns alles angeschaut. Ich bekam dann den Anruf, dass es gleich am nächsten Tag eine Sondersitzung im Abgeordnetenhaus geben würde. Wir hatten die Sitzung, am Nachmittag war die bedeutsame Kundgebung vor dem Schönerberger Rathaus, wo einst John F. Kennedy sagte: "Ich bin ein Berliner." Und da kam Kohl aus Polen und Willy Brandt kam, Genscher, dann gab es all diese Reden und das war alles sehr bewegend."
Claudia Roth, Parteivorsitzende:
Erster Gedanke war die Ungläubigkeit: Das kann doch alles gar nicht sein. Die Mauer ist auf, die Trabbis fahren nach Westberlin. Und dann war es eine große Freude, im zweiten und dritten Gedanken vielleicht sogar ein bißchen eine eigene Scham, das gar nicht für möglich gehalten zu haben.
Cem Özdemir, Parteivorsitzender:
Wir haben natürlich damals gesagt, dass man vieles hätte anders machen müssen im Vereinigungsprozess. Andererseits, manches war damals auch gar nicht anders zu machen. Eines bleibt aber als Versäumnis: Was das Zusammenwachsen in den Köpfen angeht, da haben wir viele Defizite. Und da fällt mir vor allem ein Bereich ein: Wir haben damals die Gelegenheit verpasst zu sagen, dass nicht nur Ost und West zusammenwächst, sondern auch die Werkvertragsarbeitnehmer im Osten und die so genannten Gastarbeiter und ihre Kinder im Westen zusammen. Die zweite Deutsche Einheit, neben der ersten Deutschen Einheit haben wir verpasst.
Michael Cramer, Europaabgeordneter:
"Natürlich gibt es auch negative Seiten. Zum Beispiel, dass die Grundstücke den ehemaligen Eigentümern ohne Wenn und Aber zurückgegeben worden sind, dass die Deutsche Einheit nicht auf Steuern, sondern auf Pump finanziert wurde, dass die Sozialversicherungssysteme zerschlagen wurden.
All das kann man reparieren es schmälert jedenfalls nicht die Bedeutung dieses Tages für Deutschland, für Europa und für die ganze Welt."