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Törichte Kleinstaaterei

Das Bildungssystem in Deutschland bedarf einer grundsätzlichen Reform, damit Bildung für alle wieder möglich und qualitativ hochwertig ist. Cem Özdemir sagt, wie es gehen muss

11.08.09
Cem Özdemir, Bundesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Cem Özdemir, Bundesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Cem, Du bist ausgebildeter Sozialpädagoge. Würdest Du manchmal gern in Deinen Beruf zurückkehren?

Wer sagt denn, dass ich meine Kenntnisse aus der Ausbildung nicht auch als Parteichef anwenden kann? Manche Konfliktlösungs-Konzepte können im Politikgeschäft sehr nützlich sein.

Seit der Föderalismusreform ist Bildungspolitik fast ausschließlich Ländersache. Sind die Grünen mit dieser Aufteilung zufrieden?

Überhaupt nicht. Es ist töricht, dass sich der Bund völlig aus der Bildungspolitik und ihrer Finanzierung zurückgezogen hat. Die Konsequenzen werden künftige Generationen ausbaden müssen. Das Thema gehört wieder auf die Tagesordnung. Wir brauchen Berlin nicht nur bei der finanziellen Beteiligung, sondern auch für einheitliche Bildungsabschlüsse.

Weiß denn Berlin besser, welche Bücher in Herzhausen gelesen werden sollten?

Gar nicht. Eine Konkurrenz der Methoden ist herzlich willkommen. Aber die Abschlüsse müssen am Ende vergleichbar sein. Familien müssen umziehen können, ohne dass das Kind wieder bei Null anfängt. Der Bund muss beim Ausbau des pädagogischen Angebots helfen können. Meine Befürchtung ist, dass wir uns zu stark auf die Frage der Quantität konzentrieren. Die Qualität droht dabei auf der Strecke zu bleiben.

Kann ein Bundesland nicht besser entscheiden, wie viel Geld es in sein Bildungssystem investieren kann und will?

Noch besser kann das die Schule entscheiden. Wir Grüne wollen die Kultusbürokratie abbauen, damit die Schulen über mehr Autonomie verfügen. Es macht doch Sinn, dass Schulen in Stadtteilen mit benachteiligten Gruppen ein passendes Profil anbieten. Das sollten nicht die Länder entscheiden.

Das grüne Bildungskonzept sieht vor, dass Kinder bis zur 9. Klasse gemeinsam Lernen. Widerspricht das nicht dem Gedanken der individuellen Förderung?

Die Linken propagieren große Schulen für alle, während die Konservativen bei den Eltern und den Lehrenden ansetzen. Wir Grünen wollen diese Debatten verknüpfen und moderne Bildungspolitik vorantreiben. Frühkindliche Bildung, Ganztagesschulen, mehr Männer im Erziehungsbereich, kleinere Klassen, alles das muss gleichzeitig geschehen. Die anderen Parteien picken sich einen Punkt heraus und tun so, als ob es  eine isolierte Lösung geben würde.

Ich wäre auch schon mit dem Modell der schwarz-grünen Regierung in Hamburg als Zwischenschritt zufrieden. Die haben als Primarschule gemeinsames Lernen bis zur 6. Klasse. So könnten wir Erfahrungen sammeln und Lehrkräfte wie Kinder an die Umstellung gewöhnen. Wenn das klappt, können wir den nächsten Schritt gehen.

Das hört sich teuer an. Wie wollen die Grünen das finanzieren?

Die deutsche Bildungspolitik ist im OECD-Vergleich unterfinanziert. Unser Vorschlag ist der Bildungs-Soli. Das heißt, die Einnahmen durch den Solidaritätsbeitrag-Ost, die ab 2010 reduziert werden, bis 2019 für Bildungsinvestitionen zu verwenden (mehr Informationen hier, PDF-Datei).

Gleichzeitig Steuern zu senken, ist natürlich nicht möglich. Dann muss man sich entscheiden: Steuern senken für die reichen Freunde von Herrn Westerwelle, oder unser Schulsystem so ausbauen, das alle Kinder unabhängig von sozialem Hintergrund die bestmögliche Ausbildung bekommen.

Viele Eltern würden gerne ihre Kinder auf Privatschulen schicken. Ist Privatisierung der Bildung für Dich eine Alternative?

Wir haben nichts gegen Privatschulen. Wer sein Kind auf eine freie oder religiöse Schule schicken will, sollte das tun können. Wir sagen aber auch, dass die staatlichen Schulen – vor allem in schwierigen Stadtteilen - gut ausgestattet sein müssen, damit Mittelstandsfamilien bleiben und nicht ihre Kinder abziehen.

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Bild von Jukka Sarjala

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05-05-10 16:26
Eure Website ist nicht toll!!! Ich such die ganze Zeit infos für mein Referat und finde fast nichts über die grüne Schulpolitik !!!
02-02-10 20:33
Ich bin Schülerin der 11. Klasse eines hochanerkannten Gymnasiums und auch ich muss sagen: es ist zu viel! Dank den neuen Vorschriften für dieses Jahr haben wir noch 4 Stunden mehr als die Jahrgänge vor uns. Man quält sich 11 Jahre durch Fächer, die einen nciht interessieren, in denen man sowieso nur schlechte Noten bekommt.. Ich denke mit 16-17 Jahren sollte man einschätzen können was man kann oder eben auf keinen Fall und man sollte die Chance haben schon mal einiges abzuwählen. Unterrichtsgarantie + war ja die Spitze des Eisbergs. Da setzen sich irgendwelche, nicht ausgebildeten Leute hin und sagen "Ihr könnt machen was ihr wollt, aber seid leise" Und dafür soll man 2 Stunden länger in der Schule bleiben?! Gott sei Dank wurde das abgeschafft!
Und auch ich finde es sehr, sehr deprimierend, dass man sich bemüht ohne Ende, nur noch am Lernen ist und das nicht im geringsten berücksichtigt wird. Und Schüler, denen alles zu fliegt (und die dadurch gute Noten schreiben) aber keinerlei freiwillige Aufgaben übernehmen, die kommen dann auch noch gut weg. Und von der Willkür bei den mündlichen Noten will ich gar nicht erst anfangen.
Zudam heißt es doch im Gesetz, dass jeder Mensch das Recht auf Bildung hat und dass Bildung kostenlos sein soll, oder irre ich mich?
Wer bitte übernimmt die Kosten für das Kopiergeld? Für die unzähligen Bücher in Deutsch, Politik, Spanisch, Französisch, Englisch etc? Die Kosten für die ''freilwillige'' Klassenfahrt und den ganzen schnick-schnack der damit zusammenhängt? Wer bezahlt die 500€ für die Bahnfahrkarte? Niemand. Und jetzt mal ehrlich: Bei einem Kind geht das noch. Bei 2 vllt auch.. aber ich habe 3 Geschwister und mein Bruder studiert ab Herbst.. wie soll das denn bitte funktionieren?
Und nochmal zurück zur Motivation: Diese zahlreichen super vorbereiteten Lehrer, denen die Freude ins Gesischt geschrieben steht, die sind ja mal die Motivation hoch Tausend. Der letzte Satz war ironisch.. bevor hier Missverständnise auftauchen.
Tja.. das wollte ich nur mal alles los werden.. weil es mich fürchterlich aufregt.
27-01-10 09:16
Das Thema Bildung ist ein Fass ohne Boden. Was ich sehe ist, dass die Inhalte an den Schulen voll an den Lebensinhalten der Schüler vorbeisausen. Es stimmt immer noch der Spruch: Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir. Was sind denn die Ziele. In den Einleitungen der Lehrpläne steht es doch noch drin, oder, dass man Menschen mit Würde heranziehen will, die selbständig als soziale Wesen unserer Gesellschaft durchs Leben gehen können. Doch alles was ich sehe ist Auswendig-lernerei mit dem Ziel des Aussortierens.

Ich hab hier mal einen Vorschlag zu Inhalten:
Hauswirtschaft für alle Schüler! Und hier einfach mal ein paar Gedanken, die ich hiermit verbinde.

• Nicht nur kochen und handarbeiten
• Wichtiges Wissen für das Leben: Einen Haushalt so führen, dass er gesund ist, man nicht insolvent geht
• Versicherungen, Bankgeschäfte, Krankheit und Pflege, Kinder mit allem was dazugehört, z.B. Kosten für Betreuung für Kinder oder alte Menschen
• Gesundheitsvorsorge der einzelnen Familienmitglieder, Gesundheitswesen in Deutschland
• Pflege von Kindern, Kranken und Alten; wie ist die finanzielle Unterstützung geregelt; was kann man selbst machen, wo kann man sich helfen lassen, wo muss man sich helfen lassen
• Patientenverfügung
• Zahnpflege
• Einsatz des Computers im Haushalt, z.B. mit Exel ein eigenes Haushaltsbuch schreiben; der Fernseher und seine Kosten; Rundfunkgebühren, Kosten für Internet und Telefon
• Schulden
• Haushaltshilfen
• Steuer
• Ernährung
• Gesunder Lebensstil
• Rente (auch Erwerbsunfähigkeit); Ansparmöglichkeiten für das Alter
• Sozialversicherungen
• Möglichkeiten der Einflussnahme
• Möglich Wohnformen (Von Sozialwohnung bis zum Eigenheim, Wohnriester und was weiß ich)
• Unterschiedliche Familienformen, -strukturen, Ehe, Scheidung; Erziehungsberechtigung
• Alles über Einkauf und Kaufverträge, z.B. auch Herstellergarantie
• Textilpflege und Putzen (Umweltschutz)
• Energiesparen, Wasser sinnvoll verwenden, Wasserhaushalt
• Schulen
• Sozialstaat – Aufbau von Ansprüchen bzw. was zahlt die Gemeinschaft und warum? Wann braucht ein Haushalt Unterstützung?
Zum Thema Bildung möchte ich erst einmal sagen, dass dort noch viel getan werden muss.
Wie kann es z.B. sein, dass ein Schüler nicht in die Schule will, sondern lieber eine Krankheit vorspielt oder schwenzt?
Sollte Schule nicht Spaß machen?
Ich denke Materialien sind schon wichtig für den Unterricht, aber viel eher sollte man etwas an der Schulstruktur ändern.
Ich z.B. bin andauernd am lernen, habe überhaupt keine Freizeit mehr, kann mich nicht mehr mit meinen Freunden treffen etc. stehe unter dauerstress und dafür dass ich immer alles lerne bekomme ich nicht einmal ein Feedback von guten Noten.
Dann komme ich immer nach Hause, bin deprimiert, akkresiv und traurig. Soll mich das etwa motivieren noch mehr zu nlernen? Ich denke wenn das so weiter geht, werde ich bald ganz die Lust am lernen verlieren. dazu müsste es eine alternative geben.
Schule müsste ein Ort sein wo man gerne hingeht und sich nicht wie in einem Alptraum vorkommt.
Ich bin auch nicht die einzige, das steht fest.
Also bitte helft uns!
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