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Helden der friedlichen Revolution

"Wir sind das Volk" riefen im Herbst 1989 tausende Demonstrierende in der DDR, als sie für Freiheit und Demokratie auf die Straße gingen. 20 Jahre später ist ihr Mut unvergessen. Die Politische Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke, die am 5. November 1989 die Grüne Partei in der DDR mit gründete, im Gespräch.

06.11.09

 

Inhalt

Wie bist Du damals in der DDR zur Opposition gekommen?

Es gab für mich zwei Schlüsselereignisse, da ich in einem roten Elternhaus aufgewachsen bin und auch Mitglied in der Pionier- und FDJ-Organisation war. Als man mich dann aber nach der Schule nicht zum Abitur zuließ – ein reiner Willkürakt – begann bei mir das Nachdenken, was in diesem System eigentlich schief läuft. Die eigentliche Politisierung begann erst als ich während meiner Abendschulzeit in eine Gruppe junger Leute kam. Gemeinsam gründeten wir eine Art Bürgerinitiative, die mit Stadtgestaltung und Denkmalpflege in Dessau beschäftigte. Diese geriet sofort in den Fokus der Staatsbehörden, obwohl sie sich nur für ihre Stadt einsetzen wollte. Selbst das war schon ein Angriff auf die Staatsgewalt. Wir haben nach der Wende herausgefunden, dass diese harmlose Gruppe junger Menschen von der Stasi bespitzelt wurde. Das war meine eigentliche Politisierung. Und aus dieser Gruppe heraus, die sich 1987 gegründet hatte, entstand das Neue Forum mit neuen Mitstreitern, die heute noch politisch aktiv sind.

Viele danken Kohl, Bush Sr. und Gorbatschow für den Fall der Mauer. Wem dankst Du?

Ich bin der Meinung, dass der Dank in diesem Herbst den hunderttausenden Menschen in der DDR gebührt, die den Mut gefunden haben sich gegen dieses System aufzulehnen, ohne zu wissen, was bei diesen Demonstrationen passieren würde. Diese Angst war ein ständiger Begleiter. Es waren viele jungen und ältere Menschen dabei. Niemand wusste, ob Verhaftungen anstehen, ob geprügelt oder geschossen werden würde. All das stand über Wochen hinweg Spitz auf Knopf. Diesen Menschen gebührt in aller erster Linie der Dank, weil sie die Helden der friedlichen Revolution von 1989 sind. Und nicht die Staatsmänner, die mit Sicherheit ihre Verdienste um den Fall der Mauer und die Einheit haben. Aber der Anstoß ging von denjenigen aus, die unter Einsatz ihres Lebens den Stein ins Rollen gebracht haben: den Bürgerinnen und Bürgern der DDR, die damals ihre eigene Angst überwunden haben und auf die Straße gingen. Nicht zu vergessen sind auch die Bürgerrechtler, die mit ihren bekannten Gesichtern ein Stückweit vornean gestanden haben und sicher auch noch gefährdeter waren, als die anderen Demonstranten.

Wieviel der Anliegen von Bündnis 90 steckt noch heute in den Grünen?

Es wäre gut, wenn sich unsere Partei stärker des Gedenkens an die Zeit 1989 annehmen würde. Ich glaube, dass viele Wünsche der damaligen Zeit erfüllt sind. Vor allem der Wunsch nach Freiheit. Der Wunsch dieses unmenschliche System zu beseitigen und eine demokratische Republik zu bauen. Viele von diesen Wünschen sind erfüllt, gleichzeitig blieben auch viele auf der Strecke. Auch was Zusammenwachsen zwischen Ost und West ist noch nicht beendet. Bündnis 90/Die Grünen könnten hier stärker vorangehen und mehr machen. Beispielsweise indem wir die Diskussion über Demokratie und Wahlenthaltung, über die Frage von Wahlbeteiligung in den nächsten Monaten stärker aufgreifen werden. Der letzte Parteitag hat dazu einen Beschluss gefasst. Hier haben wir definitiv noch eine Aufgabe vor uns.

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h.g.
21-08-11 08:05
10-11-09 schreibt, dass es ohne Hitler und dem 2. Weltkrieg keine Berliner Mauer gegeben hätte. Dass die Nazizeit zu den düsteren Kapiteln deutscher Geschicht zählt, dürfte mittlerweile wohl jedem aufrechten Demokraten klar sein.
Warum die aber einem, nach mittlerweile über 60 Jahre vorbildlichen Staatswesen immer wieder um die Ohren gehauen wird ist mir unverständlich, wenn man bedenkt, dass die Aufarbeitung der wesentlich jüngeren Diktatur, nämlich der DDR eher als jämmerlich und zum Teil nostalgisch verniedlicht bezeichnet werden kann. Dass die alten Kader und neuen Mitläufer der mehrfach umbenannten SED für einige Parteien in Deutschland sogar als koalitionsfähig (wenn man dadurch an die Macht kommt will, s.Ypsilanti) gelten ist ein zusätzlicher Skandal. Zurück zur Mauer, die nicht die direkte Folge des Naziregimes, sondern das sichtbare Zeichen einer neuen Gesinnung, welche letztendlich mehr Opfer hervorbrachte als der Naziterror mit seinen Folgen.
Alles andere sind Spekulationen und Phatasierereien. Man könnte sich ja auch folgendes Szenario vorstellen:
Das schwache Europa incl. Deutschland wurde von Stalins Truppen überollt, in die Sowjetunion eingegliedert und der Kommumismus (von manchen seltsammerweise Sozialismus oder sogar auch Volksdemokratie genannt) mit den bekannten Folgen expandiet weiter. Dann hätten wir sicher auch keine Berliner Mauer und eine tödliche Grenzanlage quer durch Deutschland gehabt. Also immer schön realistisch bleiben und die DDR mal für sich alleine betrachten, ansonsten müsste man mal in den Geschichtsbüchern kramen und sich fragen warum kamen die Nazis eigentlich an die Macht.
Ohne Verständnis für den Naziterror wecken zu wollen kämen hier für einige, die meinen die deutsche Geschichte fängt erst mit der Machtübernahme Hitlers an, interressante Dinge zu Tage. Mal darüber nachdenken.
Petr. Bär in der Bibel steht: ein jeder kehre vor seiner Tür. Auch hier wäre ein Blick in die weiter entfernte Vergangenheit nicht schlecht.
Vollrad Kuhn
16-11-09 15:21
Am 05.11.89 stellte sich die Gruendungsinitiative fuer eine Gruene Partei in der DDR erstmalig in der Oeffentlichkeit vor (Diskussionsveranstaltung in der Bekenntnisgemeinde Berlin-Treptow). Die Parteigruendung wurde dann am 24.11.89 zu Beginn des 6. Berliner Oekologieseminares am gleichen Ort verkuendet, in den beiden Tagen danach wurde ein vorlaeufiger Sprecherrat gewaehlt und weitere Beschluesse getroffen.
Komune2010
15-11-09 13:54
Hallo
Hier wird geredet und geredet.Vieleicht sollte sich die Grüne Partei mal überlegen zu den ursprüngen zurückzukehren Anstatt neue bündnisse zu suchen usw.
Komune 2010
10-11-09 18:44
Der 09. November ist ein besonderes Datum. Dieser Tag steht für die Höhen und Tiefen der deutschen Geschichte. Die Mauer ist gefallen - 20 Jahre später erinnert man sich an diesen Moment des Glückes. 40 Jahre lang waren Familien auseinandergerissen und sind einander zum Teil fremd geworden. Wir müssen noch vieles tun, auch wenn wir auf einen guten Weg sind. Dass die Berliner Mauer fiel, ist ein Wunder oder kommt diesem sehr nahe. Deutschland und Europa blicken auf jenen Tag zurück, die nicht nur den Anfang vom Ende der Teilung Deutschlands markiert, sondern auch den Beginn des vereinten Europas. Der 09. November markiert aber auch das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte. Vor 71 Jahren brannten in Deutschland Synagogen, starben Menschen oder wurden deportiert. Der erste schreckliche Höhepunkt eines 12 Jahre dauernden Albtraumes. Vor dem historischen Gesamtbild hängen beide Daten schicksalhaft zusammen. Wir dürfen nicht vergessen, dass es ohne einen Hitler und einen Zweiten Weltkrieg, auch keine Berliner Mauer gegeben hätte.

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