back
next

Das Problem benennen

Der Arbeitskreis Grüne MuslimInnen fordert Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble auf, den Mord am Dresdner Landgericht öffentlich zu verurteilen

09.07.09
Der Tatort, das Landgericht Dresden

Der Tatort, das Landgericht Dresden
X-Weinzar (CC BY-SA)

Vor einer Woche, am 1. Juli, erstach ein Angeklagter im Saal des Dresdener Landgerichts eine aus Ägypten stammende Frau.

Das Opfer hatte Anzeige gegen den Mann erstattet, weil er sie wegen ihres Kopftuches auf einem Spielplatz als „Terroristin, Islamistin und Schlampe“ beleidigt hatte, als sie ihn bat, ihren kleinen Sohn schaukeln zu lassen.

Wegen dieser Beleidigung war der Täter, der in Russland geboren wurde, in einer vorangegangenen Verhandlung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Weil sie diese für zu niedrig hielt, hatte die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt.

Der Zentralrat der Juden und der Zentralrat der Muslime kritisierten die „unverständlich spärlichen“ Reaktionen in Medien und Politik.

Wir veröffentlichen zu diesem Vorfall eine Stellungnahme des Arbeitskreises Grüne MuslimInnen.

 

Das Problem beim Namen nennen und gezielt gegen Islamophobie vorgehen!

Mit Entsetzen haben wir die Nachricht über den Mord im Dresdener Landgericht letzte Woche an Marwa S. zur Kenntnis genommen. Die Tat war offensichtlich geplant und geschah aus einer islamophoben Motivation heraus.

Der Täter Alexander W. erstach Marwa S. mit einem Messer, das er in den Gerichtssaal mitgenommen hatte. Im letzten Jahr hatte er sie auf einem Spielplatz als „Terroristin“, „Islamistin“ und „Schlampe“ beschimpft. Hierzu war er bereits zu einer Geldstrafe wegen Beleidigung verurteilt worden. Da er bei der Verhandlung aussagte, dass „solche Leute“ nicht beleidigungsfähig seien, weil sie „keine richtigen Menschen“ seien, hielt die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe für angemessen und ging in Berufung. Während der Berufungsverhandlung geschah der Mord.

Politik und Justiz sind dringend aufgefordert, angemessen auf diesen Mord zu reagieren! Islamophobie ist zu einem Phänomen geworden, das Menschen muslimischen Glaubens nicht nur herabsetzt, sondern auch zu offenen Anfeindungen gegenüber Musliminnen und Muslimen führt.

Der Mord an Mawra S. ist der tragische Höhepunkt dieser menschenverachtenden Ideologie. Mit großer Besorgnis beobachten wir schon seit Längerem die Zunahme islamophober Einstellungen, die auch in der Mitte der Gesellschaft auf Zustimmung stoßen. Gestreut und propagiert werden diese menschenfeindlichen Ansichten über islamophobe Internetseiten und von sogenannten rechtspopulistischen Gruppierungen wie „Pro NRW“.

Es wird Zeit, Islamophobie beim Namen zu nennen, ernst zu nehmen und Maßnahmen gegen diese spezielle und weit verbreitete Form der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit zu ergreifen.

Es ist ein Skandal, dass der Bundesinnenminister als Herr der Islam-Konferenz bisher nicht auf den Vorfall reagiert hat. Die Bundesregierung und die sächsische Landesregierung sind aufgefordert, die Tat öffentlich zu verurteilen, der Familie der Getöteten ihr Beileid auszusprechen und längst überfällige glaubwürdige Maßnahmen gegen Islamophobie zu ergreifen.

Marwa S. hinterlässt einen Ehemann und einen dreijährigen Sohn, der die Tat miterlebt hatte. Sie war im 3. Monat schwanger. Unser tiefstes Mitgefühl gilt dem Ehemann, dem Sohn und der Familie von Marwa S.

Hasret Karacuban, Ali Bas, Hatice Bercin, Samir Fetic

AK Grüne MuslimInnen

Teilen studiVZ meinVZ schülerVZ EmpfehlenVersendenKommentar schreiben

Wir trauen um Marwa S.

Zur morgigen Trauerfeier für die ermordete Ägypterin Marwa S. in Dresden

Kommentar

Wir freuen uns auf Meinungen zu diesem Artikel. Bitte beachtet unsere Nutzungsbedingungen.
Die Kommentarfunktion dient nicht dazu, direkt mit uns Kontakt aufzunehmen oder Fragen zu stellen. Dafür haben wir ein Kontaktformular.



CAPTCHA Bild zum Spamschutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
mitbuerger
10-02-10 14:26
der mord an der jungen mutter ist eine schlimme tat.
aber wo sind die kommentare, wenn ein deutscher von
auslaendischen mitbuergern zu tode gepruegelt wird???
dazu meine meinung: die gruenen und alle gleichgesinnten
sind extrem deutsch feindlich
Steve
30-11-09 17:33
Die Tat ist abscheulich und verurteilenswert!
Bedenken sollte man aber folgendes:
Wenn ich im eigenen Land von Moslems als "Scheiß Deutscher",
"Hu..sohn" usw. beschimpft werde und werden kann, dann ist für mich die Grenze des Zumutbarem überschritten!
Der Islam ist eine frauenverachtende, demokratiefeindliche, gewaltbereite und teufliche Religion. Die Toleranz die Moslems von uns fordern, bringen sie selbst in ihren Ländern nicht einmal zu einem Bruchteil auf!
Die meisten Terroranschläge werden von Moslems begangen.
Am Scheitern des Friedensprozesses im Nahen Osten sind überwiegend islamistische Kräfte verantwortlich, die sich weigern die Existenz israels anzuerkennen!
In etlichen islamischen Ländern kann noch Hitlers "Mein Kampf" gekauft werden!
Gabriele
27-09-09 13:55
@Willmenrot

DANKE für deinen Kommentar! Ich freue mich über jeden, der es wagt, Mulitkulti differenzierter zu sehen und das auch deutlich zu sagen.

Ich bin 48 und habe in diesem Jahr (Kommunalwahl) zum ersten Mal in meinem Leben nicht Grün gewählt und werde gleich in der Wahlkabine "nach Gefühl" entscheiden... Tolle Wurst! Grund für mein Dilemma ist die in meinen Augen nicht zeitgemäße Ausländerpolitik der Grünen.

Vor 30 Jahren bin ich auf Demos mit Buttons rumgelaufen wie "Mein Freund ist ein Ausländer" oder "Ausländer lasst uns mit den Deutschen nicht alleine", habe mich sogar über Frauen in Schleiern gefreut, weil sie die Straßen so schön international gemacht haben... Heute sehe ich Multikulti nicht nur differenzierter sondern auch frustrierter,
wünsche mir verpflichtende Deutschkurse und -tests für MigrantInnen, Kopftuchverbot in Schule und Universität und keine weiteren Moscheen in Deutschland, solange in muslimischen Ländern keine Kirchen, Tempel etc. von Christen, Hindus, Buddhisten, Juden etc. stehen dürfen.

Damit gehöre ich wohl auch in Alis Schublade: "Weltbild: elitär, sehr bürgerlich, öde" mit Zusatz "islamophob". Wem's hilft...
Der Gleichstellungsbeauftrage
23-07-09 00:31
Nun warten wir darauf, wann sich der türkische Ministerpräsident bei der Bundeskanzlerin entschuldigt. Wenn er es nicht tut, kleine Interpretationshilfe:

Der "mutmaßliche Messerstecher" hat nicht in einem öffentlichen Gebäude zugestoßen. Er hat auch nicht "Christenschlampe" gerufen - kein Grund also, von einem EInzelfall etwa auf islamische Christophobie in der Türkei zu schließen...

Habt Ihr aber wieder mal Glück ;-)


Istanbul: Mutmaßlicher Messerstecher wollte "Christen töten"

Der mutmaßliche Mörder des deutschen Unternehmers Gregor K. in Istanbul hat nach eigenen Aussagen aus religiösen Motiven heraus gehandelt. Er habe am Tag der Messerattacke auf K. in der Istanbuler Innenstadt "einen Christen töten" wollen, sagte Ibrahim A. in seiner Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft, wie der Fernsehsender CNN-Türk meldete. Ein Richter erließ anschließend gegen A. Haftbefehl wegen Mordverdachts und ließ ihn in Untersuchungshaft bringen.

Gregor K. war am Montag auf offener Straße von Ibrahim A. niedergestochen und tödlich verletzt worden. Zunächst war die Polizei davon ausgegangen, dass A. zugestochen habe, weil der Deutsche seine Bitte nach einem Almosen von einer Lira, umgerechnet etwa 47 Euro-Cent, abgelehnt habe. Inzwischen gebe es aber den Verdacht, dass die Bettel-Geschichte nicht wasserdicht sei, meldeten türkische Medien. A. habe sich bei seinen Verhören durch die Polizei in Widersprüche verwickelt.

Laut CNN-Türk sagte A. bei der Staatsanwalt aus, er habe am Montag in der Nähe von Istanbuler Kirchen nach Christen gesucht. "Ich sah diesen Mann und tötete ihn", sagte er demnach. Die Verlobte des Opfers hatte in türkischen Medieninterviews gesagt, der 41-jährige K. sei sehr fromm gewesen und habe jeden Tag in einer Kirche im Istanbuler Stadtzentrum gebetet. Auch kurz vor den tödlichen Messerstichen habe er ihr per Handy mitgeteilt, dass er in der Kirche sei.

Wie glaubhaft die Aussagen von A. waren, blieb zunächst unklar. Laut CNN-Türk ist der 26-jährige mit einer Russin verheiratet. Nach Medienberichten gilt der gelernte Frisör als geistig verwirrt und wurde in den vergangenen Monaten bereits einmal in einer Nervenklinik behandelt. In der überwiegend muslimischen Türkei hatte es in den vergangenen Jahren mehrere Morde an Christen gegeben. Im April 2007 töteten Rechtsnationalisten im ostanatolischen Malatya einen deutschen und zwei türkische Protestanten.

Wie der türkische Nachrichtensender NTV meldete, soll die Leiche des Opfers nach einer Autopsie in Istanbul zur Bestattung nach Deutschland übergeführt werden. Gregor K. war nach Angaben der deutschen Staatsanwaltschaft im vergangenen Jahr nach einer Verurteilung wegen Betruges aus der Haft geflohen. In Istanbul soll er zusammen mit seiner türkischen Verlobten eine Baufirma betrieben haben.

(AFP)22.07.2009 21:52 Uhr
http://www.n24.de/news/newsitem_5257523.html
Naziaufmärsche am 13. & 18. Februar in Dresden blockieren!
Stop Acta! Warum wir das Anti-Piraterie-Abkommen ablehnen.
Fukushima mahnt! Großdemos am Jahrestag, 11. März 2012.
Fragen und Antworten zur europäischen Schuldenkrise.
POLENS EINSTIEG IN DIE ATOMKRAFT STOPPEN!
Facebook, was weißt du über mich? Hol dir jetzt deine Daten zurück!
Atomausstieg einfach selber machen: Jetzt Stromanbieter wechseln
30 grüne Jahre = 30 grüne Geschichten
Hilf GRÜN beim Wachsen. Jetzt Mitglied werden!
Unterstütze Grün mit Deiner Spende
20 Dinge, die Du über Atomkraft wissen solltest
Freunde werden? Claudia Roth auf Facebook
Freunde werden? Cem Özdemir bei Facebook.
In welchen sozialen Netzwerken sind die Grünen zu finden?
Bundesvorstand von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
RSS-Feeds abonnieren
Grüner Shop
Kanal Grün auf Youtube
Deine Daten gehören Dir! Datenschutz ist Bürgerrecht
Die Grünen bei twitter
Immer mit dabei - Meine Kampagne auf twitter