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Das Netz wählt grün

Peter Sunde, Betreiber der Internetplattform The Pirate Bay, steht in Schweden vor Gericht. Der Vorwurf: Beihilfe zur massenhaften Urheberrechtverletzung. Jetzt ruft er zur Wahl der Grünen auf. Wir haben mit dem Europakandidaten Jan Philipp Albrecht darüber gesprochen

03.06.09

Jan Philipp Albrecht

Jan Philipp, die Betreiber von The Pirate Bay haben eine neue Wahlkampagne („Vote or die“) gestartet, in der Peter Sunde zur europaweiten Wahl der Grünen aufruft. Wie stehst Du dazu?

Ich freue mich sehr darüber. Peter Sunde steht für eine europaweite Bewegung, die sagt: Freier Austausch von Kultur und Wissen muss möglich sein. Wir Grünen haben die Ideen dafür. Wir Grünen stehen für eine fairen Ausgleich zwischen Internetnutzern und Kreativen, ohne Kriminalisierung und mit einer Vergütung. Wir stehen für eine zeitgemäße Netzpolitik.

Was heißt das?

Was in letzter Zeit in Sachen Internet politisch vor sich geht, ist ein Skandal. Vorratsdatenspeicherung, Online-Durchsuchung und die unverhältnismäßige Kriminalisierung von Filesharern müssen gestoppt werden.

Machst Du Dich mit Deiner Freude nicht zum Sprachrohr von Kriminellen, sollten die Angeklagten im Revisionsurteil für schuldig befunden werden?

Noch hat das Revisionsverfahren nicht begonnen und noch wurde kein abschließendes Urteil gesprochen. Kultur muss geremixt, neu verteilt werden dürfen. Das Bereitstellen einer Plattform ist noch lange kein Verbrechen.

Ein Argument der Netzpiraten: Die Plattform sei nichts weiter als eine spezialisierte Suchmaschine. Sie befürchten: Betreiber könnten haftbar gemacht werden für das, was in ihren Suchergebnissen erscheint.

Es darf nicht sein, dass Suchmaschinenbetreiber haftbar dafür gemacht werden, was hinter den Suchergebnissen steht. Sonst wären sie dazu gezwungen, Zensur zu betreiben und müssten nach eigenem Bemessen entscheiden, was gefiltert wird und was nicht. Der Staat muss gegen die Anbieter von tatsächlich illegalen Angeboten vorgehen. Allem voran brauchen wir einen wirksamen Kampf gegen Kinderpornografie oder auch Rechtsextremismus im Netz. Allein Internetuser zu bevormunden und eine riesige Sperrinfrastruktur aufzubauen, ist jedoch völlig falsch.

Ist Filesharing und die Bereitstellung der technischen Möglichkeiten dafür keine Straftat?

Nach geltendem Recht ist der Austausch von Kopien illegal. Doch ob das politisch richtig ist, möchte ich in Frage stellen. Denn das Recht auf eine Privatkopie ist ein Grundrecht. Das aber als Verbrechen gebrandmarkt wird. Wir müssen alternative Wege beschreiten statt Totschlaginstrumente zu nutzen, wie es viele europäische Regierungen tun. Sie beseitigen Stück für Stück die Freiheit im Internet und der Kultur.

Es gibt eine tiefe Kluft zwischen Kunstschaffenden und Netzusern. Die einen fürchten um ihr Einkommen, die anderen bestehen auf die Freiheit im Netz und den offenen Zugang zu Wissen und Kultur. Sind diese zwei Interessen miteinander vereinbar?

Dafür müssen wir sorgen. Natürlich ist es wichtig, dass es einen Ausgleich gibt zwischen Künstlertum und freier Internetnutzung. Eine Lösung ist die Kulturflatrate (Jeder zahlt einen pauschalen Betrag, der den Kulturschaffenden wieder zugeführt wird. Anm.d.Red). Die Bekämpfung des Filesharing nutzt Künstlerinnen und Künstlern wenig. Bisher gewinnen in erster Linie die Rechteverwerter, die Unterhaltungsindustrie.

Das große Ganze dreht sich nicht um den Schutz der Künstler, sondern um die Macht der Konzerne?

Ganz genau. Normale Nutzerinnen und Nutzer werden kriminalisiert, um die Einnahmen der Medienindustrie zu sichern, auf Kosten der Grundrechte und einer freien Gesellschaft. Unterhaltungsindustrie und Sicherheitspolitiker errichten ein Konstrukt von Gesetzen, die den freien Wissensaustausch begraben wollen. Gerade auf europäischer Ebene gilt es, gegen solche Pläne vorzugehen. Wir wollen nicht wie in Frankreich, dass möglichen Tauschbörsennutzern der Internetzugang mindestens drei Monate lang abgeschaltet werden kann.

Warum ist das Urheberrecht so lebensfern?

Vielen Politikern ist das Internet – ein Teil unserer Realität – fremd. Deshalb braucht Europa neue Politiker, die sich auch im Netz bewegen. Die wissen, dass die Speicherung und Auswertung von IP-Adressen ein enormer Eingriff in die Privatsphäre eines Menschen ist. Das Netz ist Teil unserer Lebenswelt, auch wenn viele Politiker das nicht verstehen. Wir leben dort und werden dort dauerüberwacht. Dagegen kämpfe ich.

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Bild von Christian Bahls

"Wir werden benutzt"

Internetsperren? Nicht in unserem Namen, sagt Missbrauchsopfer Christian Bahls

08-08-09 21:42
[Beitrag entfernt]
09-07-09 20:00
Plattformbetreiber machen meistens Geld mit Werbung oder?
Argument Server kosten Geld (fragt sich nur wieviel n €?)
womit machen Künstler eigentlich Geld um das Studio, die Softwarelizenz, den Druck oder einfach nur die Miete zu bezahlen

ahh die GreenCard regelt das alles klar
wer bekommt denn eine Green Card für den Honigtopf
wer entscheidet das
und welche Bedingungen müssen dafür erfüllt sein
ich will dann nähmlich eine haben
und wieviel springt dabei raus
gibs dafür dann auch n voting a'la toplist? hä... ?

ich bitte euch euer Konzept noch mal auf Tragfähigkeit zu prüfen, bevor ihr es in der Welt als Patentrezept verbreitet
05-07-09 13:50
Schön zu lesen.
Deine Daten gehören Dir.
Also richtig interpretiert gehören also: "Meine Daten mir".
Dann will ich Sie verdammt noch mal auch durch ein funktionierendes Urheberecht geschützt wissen. - Und nicht so ein Luschenprogramm mit Kulturflatrate, bei dem der Verteilungsschlüssel doch eh nur wieder die "Satten" satter.
Und was den Rest anbelangt an Urheberrechte und Patente.
Wenn das alles abgeschaft wird, ist Deutschland als Wirtschaftsland in der Welt nur noch ein Lacher.
Schliesslich sind wir in sowas immer noch weit vorn.
Ich denke diese "Brot und Spiele" Propagandapunkte sollten allerernstens noch einmal überdacht werden. Nur weil Disziplin und Ehrlichkeit heute "Out" sind, muss man Sie nicht gleich als "Wähler-Lockmittel" mit ins Wahlprogramm aufnehmen.
Euer "Atomkraft Nein Danke" Punkt. Der hatte noch was.
Aber langsam wirds affig.
Wie tief seid Ihr eigentlich mittlerweile gesunken?
MACHT UM JEDEN PREIS ?
29-06-09 13:14
..... was kommt denn danach? ab morgen wollen wir die lehrer auch nicht mehr bezahlen? sanach die politiker? dann die handwerker? alles mit flatrate?
ist doch super!!!!!!!
fing alles mit der telefonflatrate an.
bundeskanzler/in 29,90 im monat.
naja mehr sind dies ganzen schrott ideen echt nicht wert.
in einer demokratie schaffende ihrer rechte berauben zu wollen.
der letzte der das getan hat, ... wie hiess der doch gleich.
zahlen wir nicht heute noch für seine ganzen sünden
Kommentar
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