Header bestehend aus Logo und aktuellem Thema

Hauptinhalte

Ein Schwein.
A close up photo of a cute little pig Foto: © taxzi/iStock

Tierschutz durch Transparenz

An der Ladentheke entscheiden die Verbraucherinnen und Verbraucher mit ihren Einkäufen auch über die Produktionsbedingungen von Lebensmitteln. Dabei gibt es vor allem beim Fleischeinkauf ein Transparenzproblem: Die Verbraucherinnen und Verbraucher können kaum zuverlässig nachvollziehen, unter welchen Bedingungen Schnitzel, Steak und Co entstanden sind.

Autor: Alexander Bonde, Verbraucherschutzminister Baden-Württemberg

Umfragen belegen, dass ein nicht zu vernachlässigender Anteil der Bevölkerung bereit ist, mehr Geld dafür auszugeben, Fleisch von Tieren zu kaufen, die unter tiergerechteren Bedingungen gehalten werden, als es das Gesetz derzeit vorsieht.

Zwar gibt es diverse Markenfleischprogramme der Handelsketten und vielfältige Bemühungen für so genannte Tierschutzlabel, tatsächlich flächendeckend können sie sich aber offenkundig nicht durchsetzen. Das ist die ernüchternde Bilanz der zurückliegenden Anstrengungen.

Das Konterfei von Alex Bonde.
Alexander Bonde ist grüner Verbraucherschutzminister in Baden-Württemberg. Foto: © Jan Potente

Dem könnte man durch eine verbindliche, leicht verständliche Kennzeichnung von Fleisch in Anlehnung an die bestens eingeführte Kennzeichnung bei Eiern begegnen. Die allermeisten Verbraucherinnen und Verbraucher kennen die Kategorien 0 bis 3 und deren Bedeutung bei der Eierkenn-zeichnung. Bei dieser wohlbekannten Tierhaltungskennzeichnung wird eine relativ grobe Einteilung verwendet, die an wenigen, aber leicht zu erklärenden und einfach zu erkennenden Merkmalen der Tierhaltung festgemacht wird.

Analog zur Tierhaltungskennzeichnung bei Eiern, könnte eine solche Einteilung bei Fleisch folgendermaßen aussehen:

Die Kennzeichnung „0“ stünde für die Herkunft von Fleisch aus Bio-Betrieben, was automatisch Auslauf für die Tiere und den Verzicht auf Eingriffe wie das Kupieren der Ferkelschwänze beinhaltet.

Am anderen Ende der Skala würde die „3“ kennzeichnen, dass das Fleisch nach den gesetzlichen Mindestvorgaben erzeugt wurde. Dazwischen könnten zwei weitere Klassen gebildet werden. Mit der „1“ könnten Produkte gekennzeichnet werden, die von Tieren stammen, die den überwiegenden Teil ihres Lebens Zugang zum Freien hatten. Das könnte in Form von Weidegang oder Außenflächen bei Schweineställen und Ausläufen bei Mastgeflügel umgesetzt werden.

Mit der Ziffer „2“ könnte schließlich deklariert werden, dass die Tiere mehr Platz erhalten haben und dass ihre Unterbringung nicht gleichförmig, sondern strukturiert war. Das bedeutet, dass für verschiedene Verhaltensweisen verschiedene Zonen im Stall eingerichtet wurden. So kommt es Schweinen beispielsweise entgegen, Schlaf- und Aktivitätsbereiche zu trennen. Auch bei Geflügel und Rindern lässt sich durch Ausstattungselemente (z.B. Sitzstangen, Sandbäder o.ä.) und unterschiedlich ausgestaltete Bereiche im Stall (z.B. Matten auf Liegeflächen) erreichen, dass sie ihre spezifischen Verhaltensweisen besser ausleben können und sich deshalb wohler fühlen.

Die erschütternde Medienberichterstattung über Defizite in Tierhaltungen haben die Verbraucherinnen und Verbraucher in den zurückliegenden Monaten sehr dafür sensibilisiert, wie das Fleisch, das sie kaufen, entsteht. Zeitgleich haben große Discounter wiederholt die Preise für Fleisch gesenkt. Das entspricht weder dem Wunsch der Verbraucher, noch schafft es finanziellen Spielraum für Verbesserungen in den Ställen.

Die Zeit ist reif, von allen Beteiligten – also Tierhaltern, Handel und Konsumenten – in Sachen Tierschutz verantwortungsbewusstes Agieren nicht nur zu erwarten, sondern die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass jeder und jede verantwortungsbewusste Kaufentscheidungen treffen kann.

Meine Initiative für eine einfache, verbindliche Tierhaltungskennzeichnung soll keineswegs die bestehenden Programme und Label behindern. Die sehr viel differenzierteren Label und Markenfleischprogramme könnten sich problemlos im groben Raster unseres Vorschlags wiederfinden - wie dies bei den Eiern auch der Fall ist.

Tierschutz geht uns alle an - deshalb hoffe ich auf eine breite Diskussion zu diesem Vorschlag.

Grafikteaser mit Text: Deine Spende - Für starke GRÜNE
 Foto: gruene.de (CC BY-NC 3.0)