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Mit radikalen Reformen für eine europäische Agrarwende

Nur noch kurz die Welt retten - Wer will das nicht? Fast sieben Milliarden Menschen müssen ernährt werden, und es werden immer mehr. Europa muss mehr Verantwortung übernehmen! Eine plausible Forderung, die den Adressaten bei seinem Gewissen packt: Wer will schon für den Hunger in der Welt verantwortlich sein, indem er nichts tut oder das Falsche?

Autor: Martin Häusling

Das Konterfei von Martin Häusling.
Martin Häusling sitzt für Bündnis 90/Die Grünen im Europaparlament. Foto: © Martin Häusling

Damit wären wir bereits mitten in der Auseinandersetzung über die zukünftige Ausrichtung unserer europäischen Agrarpolitik. Denn für die Agrarindustrie steht die einzige richtige Antwort auf diese Kernfragen längst fest: Noch mehr Intensivierung. Ein weiterer Freifahrtschein für noch mehr Pestizide, Dünger, Gentechnik, Landgrabbing, Massentierhaltung und freien statt fairen Handel?

Nicht nur in Deutschland, in ganz Europa hat sich eine Massenbewegung formiert, die Agrarindustrie satt und erkannt hat, dass eine Lebensmittelerzeugung, die auf der permanenten Übernutzung natürlicher Ressourcen beruht, nicht die Lösung ist, sondern das Problem selbst.

Es ist an uns, diese gesellschaftliche Dynamik zu nutzen und die Debatte vorantreiben. Endlich haben wir die Chance, mit unserer grünen Agrar- und Ernährungspolitik zu überzeugen und das auch umzusetzen! Eine Politik, die seit der ersten Stunde konsequent auf eine nachhaltige Ressourcennutzung und Lebensmittelerzeugung setzt - auf vielfältige Vermarktung und Wertschöpfung in der Region statt verfehlter Welthandelspolitik, auf bäuerliche Landwirtschaft und Verbraucherrechte.

Grünes Leitbild zur Umsetzung unserer Politik ist der ökologische Anbau. Auch die Verbraucher stellen die Systemfrage und wollen mehr Bio. Das zeigt die steigende Nachfrage, die das vorhandene Angebot längst überstiegen hat.

Auch die jüngste EU-Agrarreform ist eine spürbare Weichenstellung in diese Richtung schuldig geblieben - „dank“ des massiven Lobbyeinflusses der Agrarindustrie und der schwarz-roten Bundesregierung auf EU-Ebene, die in der nationalen Umsetzung auch noch das letzte bisschen Greening aus der Reform gekippt hat. Die Debatte über die nächste Reform hat bereits begonnen und es ist an uns, die fälligen Reformen schon heute radikal einzufordern: für eine tatsächliche europäische ökologische Agrarwende.

Noch vor Jahren wurden wir für die Forderung „100 % Erneuerbare Energie“ belächelt. Warum nicht ebenso 100 % Ökolandbau? Auch hier geht es ums Prinzip und einen radikalen Umbau der Politik. Nutzen wir die Debatte um die gesellschaftliche Legitimation der Agrarsubventionen und fordern wir einen echten Systemwechsel für eine Förderpolitik, die sich hohe Ziele steckt! Konsequente Politik heißt aber, die Schwachstellen in der Erzeugung, aber auch der Vermarktung und Zertifizierung im ökologischen Landbau zu beheben.

Derzeit steht auf EU-Ebene die Überarbeitung der Ökolandbau-Gesetzgebung an. Mitgliedsstaaten und Europäisches Parlament sind hier gleichermaßen am Zug. Als grüner Berichterstatter zu dieser Überarbeitung im Europaparlament wünsche ich mir, dass wir unsere Gestaltungsmöglichkeiten von allen Ebenen nutzen. Denn starke europäische Gesetze liegen in unserer gemeinsamen Verantwortung. Nutzen wir unseren Einfluss in Parlamenten und Ministerien – für eine europäische Agrarwende!